Lehrveranstaltungen

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Lehrveranstaltungen (chronologisch)
  • 2020 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    Der (sur)rationale Gegenstand
    weißensee kunsthochschule berlin
    Benjamin Busch, Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    Der (sur)rationale Gegenstand


    Michael Schwarz:
    In Gaston Bachelards surrationalistischem Weltbild dient der experimentelle Umgang mit Dingen und Ideen zur virtuellen/ideellen und materielle Erweiterung. Die imaginative Autonomie, die zum künstlerischen Werk führt, lässt sich einerseits nicht kausal aus seiner Vergangenheit ableiten und erfordert andererseits zur Rezeption eine „schöpferische Aktivität“ des „Zuschauers“. Unter diesem Aspekt soll im Seminar die künstlerisch-politische Theorie Jacques Rancières mit den Themen „Autonomie der Kunst“, Dissens versus Diskurs, „Emanzipation“ und „Unmündigkeit“ besprochen werden.

    Benjamin Busch:
    Zuhause ist eine Grube. Die häusliche Sphäre ist seit langem eine Gewinnungsstelle, und diese Tatsache bleibt im Überwachungskapitalismus unverändert. Kartierungs- und Modellierungstechnologien, die zur Vermessung von externen Territorien entwickelt wurden, haben sich nun auf das Innere gewendet: den Innenraum des Hauses und das Innenleben der Nutzer. Im praktischen Teil dieses Seminars werden räumliche Kartierungstechnologien (Photogrammetrie und 3D-Scanning) eingesetzt, um virtuelle Modelle der Dinge um uns herum zu erzeugen. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu gewinnen, wie diese Technologien funktionieren und auch wie wir sie künstlerisch anwenden können. Indem wir die Dinge abstrahieren und dekontextualisieren, werden wir sie in neue Zusammenhänge bringen, die mit der Idee des Häuslichen verbunden sind. Dazu werden wir virtuelle Formate (Web, Video, VR) oder physische Formate (3D-Druck, CNC) verwenden. Die Teilnehmenden werden gebeten, eine Projektidee mitzubringen.

    Michael Schwarz:
    In Gaston Bachelard‘s surrationalist world view, the experimental handling of things and ideas serves as a virtual/ideal and material extension. On the one hand, the autonomy of imagination that leads to the artistic work cannot be derived causally from its past and, on the other hand, requires a „creative activity“ of the „spectator“ for reception. Under this aspect, Jacques Rancière‘s artistic-political theory with the topics „autonomy of art“, dissent versus discourse, „emancipation“ and „immaturity“ will be discussed in the seminar.

    Benjamin Busch:
    Home is a mine. The domestic sphere has long been a site of extraction, and this fact is unchanged under surveillance capitalism. Mapping and modeling technologies that were developed to survey exterior territories have now been turned on the interior: the interior space of the home and the inner life of users. The practical part of this seminar will use spatial mapping technologies (photogrammetry and 3D scanning) to generate virtual models of the things around us. The goal is to gain an understanding of how these technologies work and how we can use them artistically. By abstracting and decontextualizing the things, we will enter them into new sets of relations connected to the idea of the domestic. This will be done using virtual formats (web, video, VR) or physical ones (3D printing, CNC). Participants are encouraged to bring an idea for a project.

    Literatur:
    Bachelard, Gaston: Der Surrationalismus. Konstanz 2017.
    Bachelard, Gaston: Poetik des Raumes. München 2014 (Originalausgabe: 1957/1960).
    Latour, Bruno: „Eine Soziologie ohne Objekt?“. In: Berliner Journal für Soziologie, 2001, Nr. 2, S. 237-252.
    Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
    Sklovskij, Viktor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32; Viktor Shklovsky, „Art as Technique“.
    Rancière, Jacques: Zehn Thesen zur Politik. Zürich 2008; Ten Theses on Politics. In: Theory & Event, 2001, Nr. 3.

    Sommersemester 2020

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Montag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h – 16.00 h

    Beginn: 20.04.2020

    Ende: 13.07.2020

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2019/2020 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    KLISCHEE UND ORIENTIERUNG in einer experimentellen Schematheorie des ästhetischen Erlebens
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    KLISCHEE UND ORIENTIERUNG in einer experimentellen Schematheorie des ästhetischen Erlebens


    Die pejorative Konnotation von ‚Klischee‘ kann sich daher nur auf Situationen beziehen, in denen ein Individuum unfähig ist, ein Schema zu problematisieren. Ich betrachte diese ‚Funktionslust‘ der ‚Zirkulärreaktionen‘ als die Grundlage des ästhetischen Genusses. (Oswald Wiener 1998)

    In diesem Seminar werden wir einige konträre Hintergründe von ästhetisch-psychologischen sowie gesellschaftlichen Zusammenhängen reflektieren.

    Die Eindringlichkeit erlebter Situationen sowie die Unzulänglichkeit ihrer Vermittlung, Rationalisierung oder gar Hervorbringung sowohl durch „Bilder“ (Repräsentation) als auch der „Form nach“ (Formalismus) bildete eine Grundlage der künstlerisch-politischen Kritik am „Spektakel“ wie sie eine Avantgarde der 1970er Jahre thematisierte und damit eine „Kunst ins Leben“ propagierte. Durch eine aktuelle Kritik von Jacques Rancière an diesen Positionen können wir unterschiedliche Auffassungen/Auslegungen diskutieren und einige seiner Themenfelder – von Emanzipation und „Autonomie der Kunst“ bis hin zum rationalen Diskurs versus Dissens – vertiefen.

    Vorwiegend werden wir aber versuchen, die wichtige Rolle von Orientierung und Schemata (Jean Piaget) in der Ästhetik und Denkpsychologie (Oswald Wiener) zu verdeutlichen, um sie nebenbei auch von einer wichtigen Gesellschaftskritik der Rationalität und Rationalisierung abzuheben (Max Weber, Herbert Marcuse, Hannah Arendt, Jürgen Habermas). Zu allen angegebenen Themen und Texten kann durch ein Referat oder eine kleine Hausarbeit eine Modulbescheinigung erworben werden.

    Praxisfenster: Da wir noch immer eine 360°-Kamera zum Experimentieren zur Verfügung haben, kann ich bei Interesse auch zwischenzeitlich noch eine kleine Einführung geben.

    Literatur:
    Arendt, Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben. Stuttgart 1960; The Human Condition. A Study of the Central Dilemmas Facing Modern Man. Garden City, NY 1958.
    Habermas, Jürgen: Technik und Wissenschaft als „Ideologie“? In: Man and World, 1968, Nr. 4, S. 483-523.
    Habermas, Jürgen: Hannah Arendts Begriff der Macht. In: Merkur, 1976, Heft 341, S. 946-960.
    Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Band I. Frankfurt am Main 1981.
    Kris, Ernst: Die ästhetische Illusion. Phänomene der Kunst in der Sicht der Psychoanalyse. Frankfurt am Main 1977.
    Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Neuwied 1967.
    Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes (1926). Stuttgart 1978.
    Piaget, Jean: Nachahmung, Spiel und Traum (1959). Stuttgart 1975.
    Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
    Šklovskij, Victor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
    Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.

    CLICHÉ AND ORIENTATION in an experimental schema theory of aesthetic experience


    The pejorative connotation of 'cliché' can therefore only refer to situations, in which an individual is incapable of problematizing a scheme. I regard this 'functional pleasure' of 'circular reactions' as the basis of aesthetic pleasure. (Oswald Wiener 1998)

    In this seminar, we will reflect on some contrary backgrounds of aesthetic-psychological as well as social contexts.

    The intenseness of experienced situations as well as the inadequacy of their mediation, rationalisation or even production, both through "images" (representation) and "form after" (formalism), formed a basis for the artistic-political critique of the "spectacle" as thematized by an avant-garde of the 1970s and thus propagated an "art into life". Through Jacques Rancière’s current critique of these positions, we will discuss different views/interpretations and deepen a few of his thematic fields, from emancipation and “autonomy of art” to rational discourse versus dissent.

    However, we will mainly try to clarify the important role of orientation and schemata (Jean Piaget) in aesthetics and psychology of thought (Oswald Wiener) in order to differentiate them from an important social critique of rationality and rationalisation (Max Weber, Herbert Marcuse, Hannah Arendt, Jürgen Habermas). A module certificate can be obtained for all topics and texts through a presentation or a small term paper.

    Practice: Since we still have a 360° camera available for experimentation, I can give you a short introduction if you are interested.

    Wintersemester 2019/2020

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Montag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 21.10.2019

    Ende: 10.02.2020

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2019 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    SITUATION, IMMERSION – REPETITION. Ästhetik zwischen Abstandlosigkeit (Ergriffenheit) und Distanz (Diskontinuität)
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    SITUATION, IMMERSION – REPETITION. Ästhetik zwischen Abstandlosigkeit (Ergriffenheit) und Distanz (Diskontinuität)


    Was außenstehenden Beobachtern häufig als Imitation [...] erscheint, erweist sich als [... eine allgemeine] Neigung, nämlich, aktiv zu wiederholen, was man passiv in Erfahrung gebracht hat. (Ernst Kris)

    Im Sommersemester werden wir den Schwerpunkt verstärkt auf die praktische Umsetzung von Ideen zu Situationen und Räumen (ob virtuelle oder reelle) legen und zudem die wichtigen theoretischen Hintergründe dieser ästhetisch-psychologischen Zusammenhänge reflektieren.

    Theorie: Die Eindringlichkeit erlebter Situationen sowie die Unzulänglichkeit ihrer Vermittlung, Rationalisierung oder gar Hervorbringung sowohl durch „Bilder“ (Repräsentation) als auch der „Form nach“ (Formalismus) bildete eine Grundlage der künstlerisch-politischen Kritik am „Spektakel“ wie sie eine Avantgarde der 1970er Jahre thematisierte. Wir werden über die Intention einer Ästhetik der Ergriffenheit (Oswald Wiener), aber auch über die Kritik an einer „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord) sprechen... Wichtig ist es m.M.n auch über aktuelle Sichtweisen dieser Thematik, der Distanz (dem Verstehen und Bewältigen) sowie der Diskontinuität zwischen künstlerischer Produktion und Rezeption zu diskutieren (Jacques Rancière).

    Praxis: Wir werden die eingereichten, aber auch neue Vorschläge gemeinsam besprechen und erwägen, ob wir diese kooperativ verbinden und umsetzen können. Für die Praxis stehen uns montags flexiblere Zeiten zur Verfügung, die wir auch auszudehnen können. Außerdem haben wir nun zum Einsatz und Experimentieren eine 360°-Kamera zur Verfügung. Vorhaben ist es, mit den Kenntnissen über die 3D game engine (Unity) mit Cardboard, Smartphone und Kopfhörern eigene sensomotorische und auditive Räume/Situationen zu realisieren. Es gilt auch weiterhin, dass diese VR-Räume sich als Darstellungswerkzeuge für Inhalte auch aus anderen Seminaren und Themenfeldern eignen.

    Literatur:
    Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Berlin 1996.
    Kris, Ernst: Die ästhetische Illusion. Phänomene der Kunst in der Sicht der Psychoanalyse. Frankfurt a. M. 1977.
    Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2015.
    Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.

    SITUATION, IMMERSION – REPETITION Aesthetics between distancelessness (emotion) and distance (discontinuity)


    What to outside observers frequently appears as an imitation [...] proves to be [... a general] tendency, that is, to repeat actively what has been passively experienced. (Ernst Kris)

    This semester, we will focus more on the practical implementation of ideas on situations and spaces (virtual or real), while still reflecting on the important theoretical background of these aesthetic-psychological contexts.

    Theory: The intenseness of experienced situations as well as the inadequacy of their mediation, rationalisation or even production, both through "images" (representation) and "form after" (formalism), formed a basis for the artistic-political critique of the "spectacle" by an avant-garde of the 1970s. We will talk about the intention of an aesthetics of emotion (Oswald Wiener), but also about the criticism of "The Society of the Spectacle" (Guy Debord) ... It is important to reflect on current views of this topic, on distance (understanding and coping) and discontinuity between artistic production and active reception (Jacques Rancière).

    Practice: We will discuss the submitted as well as new proposals and consider whether we can connect and implement them cooperatively. In practice, we have more flexible time on Mondays, which we can also extend. In addition, we would have now a 360° camera for experiments. The intention is to use the 3D game engine (Unity) with Cardboard, Smartphone and headphones to realize own sensomotric and auditory spaces/situations. These VR rooms are also suitable as presentation tools for content from other seminars and topics.


    Sommersemester 2019

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Montag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 01.04.2019

    Ende: 01.07.2019

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2018/2019 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    AUTOMATENTHEORIE UND VIRTUALITÄT. Über die Ambivalenz künstlerisch-künstlicher Welt-„Bilder“
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    AUTOMATENTHEORIE UND VIRTUALITÄT. Über die Ambivalenz künstlerisch-künstlicher Welt-„Bilder“


    „Die Phantomatik hat gewisse Anlagen, sich zur Kunst zu entwickeln [...]. Es könnte deshalb in ihr zu einer ähnlichen Aufspaltung kommen wie beim Film, aber auch bei anderen Bereichen der Kunst (in eine künstlerisch wertvolle Produktion und in wertlosen Schund).“ (Stanislaw Lem, Summa technologiae, 1964)

    Im kommenden Semester werden wir die Ambivalenzen des Künstlerisch-künstlichen in ihren Grundlagen thematisieren.

    Einerseits werden wir eine Einführung in die Automaten- und Erkenntnistheorie, ganz ohne Computer, mit Papier und Bleistift und für jede/n, ohne Vorkenntnisse, durchführen. Eine stichhaltige kritische Einschätzung der technischen Entwicklungen heute mit Digitalisierung und Maschinellem „Lernen“ etc. lässt sich nur mit einigen Grundkenntnissen verstehen.

    Andererseits werden wir mit einer Einführung in eine „3D game engine“ (Unity) herausfinden, wie weit sich bereits ohne Programmierkenntnisse und nur mit einer Pappschachtel (Cardboard) sowie einem Smartphone plus Kopfhörern eigene visuelle und auditive virtuelle Räume realisieren lassen. Diese VR-Räume können auch als Darstellungs-Werkzeuge für Inhalte aus anderen Seminaren und Themenfeldern herangezogen werden.

    Hintergrund:
    Die „Phantomatik“ von Stanislaw Lem und der „bio-adapter“ von Oswald Wiener waren in den Sechzigerjahren die beiden ersten – unabhängig voneinander formulierten – literarisch-künstlerisch umfassenden Skizzen (voll-immersiver) künstlicher Welten/Bewusstheiten, heute meist popularisiert und als Virtuelle Realität bezeichnet. Mehr als zwanzig Jahre zuvor hatte bereits Adolfo Bioy-Casares in „La invención de Morel“ über die Projektion vorgespiegelter Welten und die Lebendigkeit dieser Bilder sowie die Unsterblichkeit der so konservierten Darsteller/innen spekuliert. Doch seine Fragen verblieben noch vor der „ersten adaptionsstufe“ bzw. der „peripheren Phantomatik“ (und auch vor unserer „game engine“). Weit entfernt von fiktionaler Spielerei war Wieners Entwurf aus experimenteller Literatur erwachsen und hatte neue Impulse in die Grundlagenforschung zur Denk- und Bewusstseinspsychologie gesetzt. Auf die Ambivalenz des Künstlichen war schon damals gewiesen: „eine Regelmäßigkeit ist eine Turing-Maschine, ein Gegenstand ist ein Modell. So betrachtet ist Sinn ein Trick, die Beschränkungen der formalen Kapazität eines Organismus zu verlagern; er ermöglicht die Führung syntaktischer Operationen durch ‚Inhalt‘“ (Wiener, 1988). Als besonderer Aspekt ist der „bio-adapter“ im Rahmen von Wieners „die verbesserung von mitteleuropa, roman“ zu verstehen, die der damaligen Gesellschaft einen erkenntnistheoretischen Zerrspiegel ihrer abendländischen Evidenzen vorgehalten hat. Mit der Parole „befreiung von philosophie durch technik“ hat er nicht nur an dem Sockel des seinerzeit eingeläuteten linguistic turn (Wittgenstein et al.) durch Kybernetik gerüttelt, sondern auch die Abgründe der Kybernetik in positivistisch geregelten Gesellschaften parodiert. „erst eine sprachwissenschaft, welche die wirklichkeit ausgemerzt haben wird, kann eine behavioristische psychologie wirklich ermöglichen“. Kommt mit dem „bio-adapter“ ein Endzustand und eine potentielle Fratze des Bacon’schen Wissenschaftsprogramms selbst zum Vorschein, der wir mit unserer Technikentwicklung immer näher rücken? Mit der Verschwisterung von Wissenschaft und Technik geht nicht nur das „gesund-heroische ideal eines den kosmos regierenden homo sapiens“ in Erfüllung, sondern auch seine „trockenlegung“ und die „liquidierung“ dieses Menschen, prophezeit denn auch die „systembeschreibung“ des „bio-adapter“, dessen Zweck es ist, „die welt zu ersetzen, d.h. die bislang völlig ungenügende funktion der ‚vorgefundenen umwelt‘ als sender und empfänger lebenswichtiger nachrichten (nahrung und unterhaltung, stoff- und geistwechsel) in eigene regie zu übernehmen – und seiner individualisierten aufgabe besser zu entsprechen, als dies die ‚allen‘ gemeinsame, nunmehr veraltete sog. natürliche umwelt vermag“ (Oswald Wiener, appendix A, 1965/66).

    Ausblick Automatentheorie:
    Es geht darum, ein konkretes Verstehen der Wende in der Erkenntnistheorie des 20. Jahrhunderts zu vermitteln: die Aufhebung des totalitären Anspruchs der „mathesis universalis“ durch die Universelle Turing-Maschine. Aber was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit?

    Ausblick auf das Virtuelle und die Immersion:
    Sowohl den Begriff des Virtuellen, als auch den sich ausbreitenden Begriff der Immersion sollte man auf verschiedenen Ebenen diskutieren. Als virtuell lässt sich ein Prozess in einem Zustandsraum (eines Automaten) dem physikalischen Prozess gegenüberstellen. Was sind die Unterschiede? Und was sind die Gemeinsamkeiten zu einem Denk- oder Vorstellungsprozess? Die Immersion – als ein sich in Situationen oder Räumen wähnen, in denen man nicht ist – lässt sich einerseits verstehen als technische (heute digitale) Weiterentwicklung des Trompe-l’Œil, doch um die entscheidende Funktion der Rückkopplung erweitert, d.h. auf die Reaktionen des „Bildes“ auf die Handlungen der Betrachter/innen. Andererseits sind die Sprünge in andere Situationen auch im kindlichen Spiel, im Traum, in der Metapher, ja sogar als Erinnerung, immersive Formen eines grundlegend menschlichen Handlungsspielraums, die allerdings nicht, oder nur in geringem Ausmaß, auf eine Stimulation der Sinnesorgane angewiesen sind. Und auf welchen psychologischen Grundlagen basiert die Immersion in Hinsicht auf ein Ab- oder Untertauchen, ein „Sich-Wegbeamen“ – aus der Handlung des Kindes als „Schmoller“? (Friedrich W. Heubach, 2017)

    Literatur:
    Bioy-Casares, Adolfo: Morels Erfindung. München 1975; Originalausgabe: La invención de Morel. Buenos Aires 1940.
    Lem, Stanislaw: Summa technologiae, Frankfurt am Main 1981; Originalausgabe: Kraków 1964.
    Heubach, Friedrich W.: le dandysme. Hamburg 2017.
    Wiener, Oswald: die verbesserung von mitteleuropa, roman. Reinbek 1969.
    Wiener, Oswald: Schriften zur Erkenntnistheorie. Wien, New York 1996.
    Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.


    AUTOMATA THEORY AND VIRTUALITY. On the ambivalence of artistic-artificial images of the world


    Phantomatics has a certain potential to become an art. [...] It could thus experience a bifurcation of a kind that happens in cinema as well as other domains of art into artistically valuable production and worthless trash. (Stanislaw Lem, Summa technologiae, 1964)

    This semesters, we will discuss the ambivalences of the artistic-artificial image in its basic concepts.

    On the one hand, we will have an introduction in the automata theory and epistemology, completely without a computer, only with paper and pencil and for everyone without any previous knowledge. A substantive critical view on today’s technical developments with digitization and machine "learning" etc. can only be understood with some basic knowledge.

    On the other hand, with an introduction to a "3D game engine" (Unity) we will find out, how far visual and auditory virtual spaces can be realized without any programming knowledge and only with a cardboard box and a smartphone plus headphones. These VR Rooms can also be used as presentation tools for contents from other seminars and topics.


    Wintersemester 2018/2019

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Montag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 15.10.2018

    Ende: 04.02.2019

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2018 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    SUBVERSION ODER SUBTILITÄT? Gedanken über flache und dicke Formalismen
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    SUBVERSION ODER SUBTILITÄT? Gedanken über flache und dicke Formalismen


    In diesem Semester jährt sich der Pariser Mai 1968 zum fünfzigsten Mal und vor zehn Jahren eröffnete uns Jacques Rancière in seiner „post-situationistischen Weisheit“, dass die heutige Situation „aus jedem Protest ein Spektakel und aus jedem Spektakel eine Ware“ macht. Diese „linke Ironie oder Melancholie [...] drängt uns dazu, zu gestehen, dass all unser Begehren nach Subversion [...] dem Gesetz des Marktes gehorcht [...]. Es bietet somit jedem an, was er erhoffen kann“.

    Das Seminar wird sich in drei Schwerpunkten mit einigen Voraussetzungen dieser Einschätzung beschäftigen. Es gilt mit Rancière kritisch zu fragen, welche Modelle der Wirksamkeit hinter künstlerischen Strategien und deren Erwartungen stehen?

    Theorie: Kunst bzw. Ästhetik – von der situationistischen Aktion über den Wunsch nach Partizipation zu den wiederentdeckten Objekten/Gegenständen (G. Debord, J. Rancière, C. Bishop, B. Latour)... Es steht im Raum: Den „zweifelhaften Morallektionen der Repräsentation“ (pädagogisches Modell) wurde die „Kunst ohne Repräsentation“ entgegengesetzt. Rancières Modell der ästhetischen Wirksamkeit beschreibt jedoch nicht die Aufhebung der Bereiche Kunst und Leben durch die Abschaffung der „Repräsentation“ (des Spektakels?), sondern die Anerkennung dieser Trennung als ästhetische Distanz? Als „Diskontinuität zwischen den sinnlichen Formen der Kunstproduktion und den sinnlichen Formen, vermittels derer die Zuschauer [...] sich die Kunstproduktion aneignen“. Wir werden im Seminar dieses Wirksamkeits-Modell befragen.

    Psychogenese der Moral – Lüge und Gerechtigkeit (J. Piaget)... Es steht im Raum: Wie kommt es in der kindlichen Entwicklung zu einem „Unrechtsempfinden“ und wie verändert sich dieses? Thematisiert wird u.a. die moralische Einstellung zum Befolgen von Regeln (d.h. der Bezug zu Formalismen). Interessant ist vielleicht der Übergang von einer Autoritätsmoral – der Nicht-Unterscheidung von Gehorsam und Gerechtigkeit – zu einer Kooperationsfähigkeit (einem „Gewissen“?).

    Entwicklungsgeschichte der Formalismen bzw. Maschinen – von A. Turing bis zu Maschinellem Lernen, Künstlichen Neuronalen Netzen und Algorithmischen Entscheidungen (Algorithmic Decision Making, ADM)... Es steht im Raum: Warum mangelt es dem Intelligenz-Ersatz noch immer am Erkennen, Verstehen und der Fähigkeit zu lügen? (O. Wiener) Und warum ist die Diskrepanz gerade da am größten, wenn die Maschinen (immer häufiger) zur Beurteilung und Vorhersage von menschlichem Handeln/Verhalten eingesetzt werden? Auch hier wird versucht, einen Bogen zu dem Modell des Anderen, des Rezipienten und des emanzipierten Zuschauers (J. Rancière) zu schlagen.

    Praxis: Experimentieren mit Deep Learning... Es steht im Raum: Was sagen uns die CNN (Convolutional Neural Network) über das Visuelle und gibt es dafür eine künstlerische Verwendung? Aus aktuellem Anlass beschäftigen wir uns auch mit der im April 2018 in Kraft tretenden EU-Verordnung (2016/679) zum Schutz natürlicher Personen vor der Diskriminierung durch ADM.

    Literatur:
    Bishop, Claire: Artificial Hells. Participatory Art and the Politics of Spectatorship. London/New York 2012.
    Piaget, Jean: Das moralische Urteil beim Kinde. Stuttgart 1983; The Moral Judgment of the Child. New York [u.a.] 1997.
    Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
    Wiener, Oswald: Über das Ziel der Erkenntnistheorie, Maschinen zu bauen die lügen können, d.h. eigentlich nur über einige Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin. In: ders.: Schriften zur Erkenntnistheorie. Wien/New York 1996, S. 96-107.

    SUBVERSION OR SUBTLETY? Thoughts about flat and thick formalisms


    This semester, the May 68 celebrates its fiftieth anniversary and Jacques Rancière proclaimed ten years ago in his “post-Situationist wisdom” that today's situation “makes any protest a spectacle and any spectacle a commodity”. This “left-wing irony or melancholy [...] urges us to admit that all our desire for subversion still obey the law of the market. [...] It thus offers everyone what they might desire”.

    The seminar will focus on three main topics with some preconditions of this estimation. With Rancière, we have to ask critically, which models of effectiveness are behind artistic strategies and their expectations?

    Sommersemester 2018

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 11.04.2018

    Ende: 11.07.2018

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2017/2018 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    OBJEKT <-> SUBJEKT UND HANDLUNG zwischen Konstruktivismus und Behaviorismus
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    OBJEKT <-> SUBJEKT UND HANDLUNG zwischen Konstruktivismus und Behaviorismus


    Im Verlauf des Seminars soll der Objekt- und Handlungsbegriff unter einem erkenntnistheoretischen und ästhetischen Gesichtspunkt untersucht werden. Der frühkindlich erworbene Objektbegriff ist nicht zu trennen von Handlungskomplexen eines sich daran differenzierenden Subjekts.

    Aus aktuellem Anlass können wir das „künstlerische Objekt“, das im Zentrum des Symposiums – „The Readymade Century“ ©HKW – steht, durch Aneignung und Defamiliarisierung der dort verhandelten theoretischen und künstlerischen Beiträge in unsere eigenen Diskussionen eingliedern. D.h. zum Auftakt des Seminars werden wir am 12.10. nachmittags sowie am 13.10. das Symposium im HKW* besuchen.

    Ist das Objekt bei Freud der wechselnde Bezugspunkt für die Triebhandlungen, so ist das sensomotorische Handlungsschema bei Piaget analog dazu das sich am Objekt entwickelnde System von Bedeutungen (noch vor jedem Spracherlernen) und die Grundlage für das spätere anschauliche, begriffliche, aber auch formale Denken mit der Möglichkeit der Formalisierung (Algorithmisierung). Mit der praktischen „Halbfiktion“ des kindlichen Handelns mit stellvertretenden Objekten (Spielen) und der „imaginativen Fiktion“ des Handelns ohne Objekt (Vorstellung) bildet sich ein Wirklichkeits- bzw. Realitätsprinzip heraus, ohne das kein Weltbild denkbar wäre.

    Nebenbei müsste sich durch den Handlungsbegriff die Duchamp’sche Haltung zur „retinalen Kunst“ und die Rekontextualisierung seiner Objekte etwas angemessener verstehen lassen, als sie auf ein Begriffssystem der Sprache zu reduzieren?

    Weiter in Bezug dazu bleiben unsere bisherigen Überlegungen zum Bildbegriff, den man aus obigen Gründen bei den Convolutional NN vermisst, weswegen sie keine Bilder erkennen... und des algorithmischen Lernens, das ohne Nachahmung, Spiel und Traum (Piaget) keine Intention, d.h. auch keine Begriffe von Möglichkeit, Notwendigkeit, Zeit und Raum konstruiert.

    *Im Rahmen von „100 Jahren Gegenwart“ fragt das Symposium im HKW: „Welche Bedeutung hat das Konzept des Readymade – von Marcel Duchamp ab 1916 zur Bezeichnung seiner vorgefertigten (‚already made‘) Kunstwerke verwendet – angesichts der globalen wie digitalen Transformationen des 21. Jahrhunderts?“. Verhandelt wird das Objekt als „Algorithmic Act“ (Katja Kwastek, Oliver Laric), als Spekulationsobjekt für den Kapital- und Theorie-Markt (Sven Lütticken, Simon Denny), als transkulturelles re- und dekontextualisiertes Objekt (Benjamin Meyer-Krahmer, Kader Attia) wie auch als immaterielles Phänomen von Copyrights, Urheberschaft, Originalität und Entfremdung, auch im Feld konzeptioneller Kunst (Martha Buskirk, Olaf Nicolai) bzw. (Lars Blunck, Saâdane Afif).

    Unter den vielfältigen Aspekten zum Objekt und zur Handlung können Referate, Hausarbeiten oder eigene künstlerische Arbeiten entstehen.

    Link:
    https://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/the_ready_made_century/the_ready_made_century_start.php

    Literatur:
    Foos, Peter: L’objet ambigue in Philosophie und Kunst. Valéry, Kant, Deleuze und Duchamp im platonischen Differential. Düsseldorf 1999.
    Gauss, Ulrike (Hrsg.): Marcel Duchamp: Interviews und Statements. Gesammelt, übersetzt und annotiert von Serge Stauffer. Ostfildern-Ruit 1992.
    Molderings, Herbert: Marcel Duchamp. Parawissenschaft, das Ephemere und der Skeptizismus (1983). Düsseldorf 1997.
    Piaget, Jean: Nachahmung, Spiel und Traum (1959). Stuttgart 1975.
    Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes (1926). Stuttgart 1978.
    Pörksen, Bernhard (Hrsg.): Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Wiesbaden 2011.
    Schwarz, Arturo: The Complete Works of Marcel Duchamp. New York 2000.

    OBJECT <-> SUBJECT AND ACTION between Constructivism and Behaviorism


    In the course of the seminar, the concept of object and action is to be investigated under an epistemological and aesthetic point of view. The concept of an object, which is acquired in an early child development, cannot be separated from the action complexes of a differentiating subject.

    On the occasion of the event, we may incorporate the "artistic object", which is at the center of the symposium – "The Readymade Century" © HKW – by appropriating and defamiliarizing the theoretical and artistic contributions negotiated there, into our own discussions. At the beginning of the seminar, we will attend the symposium at the HKW* (12./13.10.2017).

    Wintersemester 2017/2018

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 12.10.2017

    Ende: 07.02.2018

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2017 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    KUNST, PSYCHOLOGIE UND TECHNIK
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    KUNST, PSYCHOLOGIE UND TECHNIK


    In unbedenklicher Vermenschlichung läßt man Maschinen Informationen empfangen, Nachrichten austauschen, Entscheidungen fällen und Zielen zustreben. [...] Der fundamentale Unterschied der Beziehung eines erlebenden Wesens zur gegenständlichen Welt und eines Organismus zu Reizen wird ignoriert. (Erwin Straus, Vom Sinn der Sinne, 1956)

    Im kommenden Semester sollen einige der brennendsten Fragen, die in den Vorträgen im Januar an der KHM Köln von und bei den Diskussionen mit Oswald Wiener und Friedrich W. Heubach angestoßen wurden, ausführlich vorgestellt und weiter vertieft werden. Wichtig wären hier einige Begriffsklärungen: Orientierung, Analogie, Bild und Repräsentation, sinnliches Erkennen...
    VORKENNTNISSE ÜBER DIE THEMATIK SIND NICHT ERFORDERLICH.

    Zu leichtfertig werden die psychologischen Terme „Lernen“, „Bild“ und „Intelligenz“ etc. auf die Technik übertragen, d.h. auf die Praxis der zeitgenössischen Maschinen (Neuronenmodelle und ihre Netzwerke), denn diese Kaschierungen stammen aus einer „kaltblütigen“ Simulation (O. Wiener)! Oder sitzen womöglich ihre Theoretiker*innen aus dem Silicon Valley und der Neurophysiologie selbst einem trügerischen Anthropomorphismus auf? Während auf der einen Seite die Kritiker mit technischen Einwänden auffahren (R. Penrose), wollen wir auf der anderen Seite herausstellen, was uns die künstlerische Erfahrung über die Gegenstände des Erlebens in einer wechselnden Orientierung lehrt.

    Bild- und Repräsentations-Begriffe
    Was ist ein Bild? Die Frage stellt sich in psychologischer, bildtheoretischer vs. bildwissenschaftlicher Hinsicht. Ausgehend von dem Thema „Imagination“ haben wir uns im letzten Semester dem Thema „Bild“, wie es für einen „homo pictor“ vorgezeichnet war, angenähert. In was für einer Beziehung stehen dazu die Leistungen der aktuellen algorithmischen „Bilderkennung“? Wo bleibt die „Repräsentation“ als Grundlage der „gegenständlichen Welt“, des „Bedeutungssystems“ und als Voraussetzung für das kindliche Spiel und des ästhetischen Verhaltens?

    Vom Sinn und Unsinn einer Intelligenz-Definition
    Zwischen einer „Intelligenz des Künstlerischen“ und dem „Intelligenz-Ersatz“ der zeitgenössischen Maschinen-Praxis klafft eine riesige Lücke. Lassen sich diese Intelligenzbegriffe vergleichen, oder ist bereits der Versuch einer umfassenden Definition tautologisch, da „Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst“?

    Vom sinnlichen Erkennen und der Analogie
    Ein dritter Teil handelt a) von Friedrich W. Heubachs Beispielen zur „sinnlichen Erfahrung“ und der Herausforderung bzw. dem Versuch, ihnen einen erweiterten Zusammenhang durch eine Begriffsklärung der Terme „Assoziation“ und „Analogie“ zu geben und b) von Oswald Wieners Beispiel eines Tongegenstands, denselben er/wir „einmal als si, ein andermal als ein mi, [erleben können] ohne die zugehörigen Akkorde zu hören oder auch nur vorzustellen“. Verschiedene Beispiele führen uns zu unterschiedlichen Aspekten des Begriffs „Orientierung“.

    Orientierungsbegriff
    In unserem heutigen Orientierungsbegriff, als temporäre Gesamtorganisation von Heterarchien aus sensomotorischen und begrifflichen Schemata eines Organismus, kulminierte ein Großteil der Psychologiegeschichte, intersubjektiv erfahrbar in der Selbstbeobachtung. Angefangen von Ewald Herings Gegenfarbtheorie (später Maturana et. al), über Carl Stumpfs Tonpsychologie („Verschmelzung“) und den denkpsychologischen Versuchen der Würzburger Schule. Unterschiedliche Aspekte sollen hervorgehoben werden.

    Weitere Themenvorschläge zur Diskussion und für Referate (bzw. Hausarbeiten) wären:
    – Turings „objection“ im Kybernetik-Artikel von Oswald Wiener 2015 – Eine kritische Auseinandersetzung mit der CCRU (Cybernetic Culture Research Unit) und dem Akzelerationismus (z.B. Lütticken, Die Mächte des Falschen, TzK 2017) – Ein Abstecher zu F. W. Heubachs Darstellung des Pankraz bzw. des Schmollers und sein Zusammenhang zum Dandy und dem Konzept des bioadapters (Heubach, le dandysme, 2017) – Der Zusammenhang von Convolutional Neural Networks (CNN) mit der neurologischen Forschung von D. Hubel. (z.B. Nielsen 2017) – J. J. Gibsons Kritik am Wahrnehmungs- und Bildbegriff der Psychologie (Gibson 1978).

    Einführende Literatur
    Gibson, James J.: The Ecological Approach to the Visual Perception of Pictures. In: Leornado 1978, Vol. 11, No. 3, pp. 227-235.
    Heubach, Friedrich W.: Wieso es keine Bilder gibt und warum sie doch gesehen werden, zum Behelf der Bilder. In: SITE 2005, Heft 8, S. 76-82.
    Heubach, Friedrich W.: le dandysme. Hamburg 2017.
    Hubel, David H.: Auge und Gehirn/Eye, Brain, and Vision. Heidelberg 1989 (Engl. 1988).
    Jonas, Hans: Homo Pictor und die Differentia des Menschen. In: Zeitschrift für philosophische Forschung 1961, Bd. 15, Heft 2, S. 161-176.
    Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
    Nielsen, Michael: Neural Networks and Deep Learning, 2017, http://neuralnetworksanddeeplearning.com/
    Penrose, Roger: Computerdenken, die Debatte um künstliche Intelligenz, Bewußtsein und die Gesetze der Physik. Heidelberg 2002.
    Piaget, Jean: Psychologie der Intelligenz. Rieden 2000.
    Schwarz, Michael: Situation und Orientierung in künstlichen Entscheidungsprozessen (Eine Skizze)/ Situation and Orientation in Artificial Decision Making (A Draft). Berlin 2017.
    Straus, Erwin: Vom Sinn der Sinne. Berlin/Göttingen/Heidelberg 1956.
    Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.
    Lütticken, Sven: Die Mächte des Falschen/The Powers of the False. In: Texte zur Kunst März 2017, Heft 105, S. 72-91.


    ART, PSYCHOLOGY AND TECHNOLOGY


    In uncritical anthropomorphic interpretation, machines are said to receive information, to exchange data, to make decisions, and to pursue goals. [...] The fundamental difference between the relationship of an experiencing being to the world of objects and of an organism to the stimuli is ignored. (Erwin Straus, The Primary World of Senses, 1963)

    In the coming semester, some of the most burning questions that were raised from the lectures in January at the KHM Cologne and during the discussions with Oswald Wiener and Friedrich W. Heubach will be presented in detail and further deepened. The explanation of some terms would be important: orientation, analogy, image and representation, sensual recognition...
    PREVIOUS KNOWLEDGE IS NOT REQUIRED.


    Sommersemester 2017

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 19.04.2017

    Ende: 19.07.2017

    Ort: Raumstrategien, T3.02


  • 2016/2017 Wintersemester
  • Kunsthochschule für Medien Köln
    KUNST UND INTROSPEKTION
    Kunsthochschule für Medien Köln
    Michael Schwarz
    Hauptstudium
    Theorieseminar

    KUNST UND INTROSPEKTION


    Worum geht es?

    …Fokus einer aktuellen, GENETISCHEN ÄSTHETIK UND ERKENNTNISTHEORIE …Mechanismen der DYNAMIK VON GESTALTBILDENDEN PROZESSEN …der KREATIVE AKT …ästhetische ERGRIFFENHEIT (OSWALD WIENER) …EIGENE SELBSTBEOBACHTUNGSEXPERIMENTE …Frage, ob wir IN 'BILDERN' ODER IN 'OPERATIONEN' DENKEN …ORIENTIERUNG …Grenzen der BERECHENBARKEIT?

    Dem sich selbst und seine künstlerischen Bedingungen untersuchenden Subjekt steht historisch die Erlebnispsychologie mit ihren epochemachenden introspektiven Experimenten zur Seite. Ersatz für die physikalistische Assoziationspsychologie war damals die Entdeckung einer kognitiv-operationalen Schematheorie des produktiven Denkens (O. Selz). Im Fokus einer aktuellen, genetischen Ästhetik und Erkenntnistheorie stehen vielmehr die bisher nur oberflächlich bekannten Mechanismen der Dynamik von gestaltbildenden Prozessen, ob in „poetischer Einbildungskraft“ oder Konstruktion wissenschaftlicher Invarianten (G. Bachelard).

    Mündet der „kreative Akt“ im malerischen, bildhauerischen, poetischen oder wissenschaftlichen „Bild“? Oder liegt die ästhetische „Ergriffenheit“ (O. Wiener) vielmehr im Prozess des Erhalts, der Erarbeitung bzw. dem Erwerb von Strukturen. Eigene Selbstbeobachtungs-Experimente zur Imagery-Debatte (S. Kosslyn und Z. Pylyshyn) und der Frage, ob wir in „Bildern“ oder in „Operationen“ denken, können zur Tiefe der „Orientierung“ führen, die uns von beiden unterscheidet!

    Ein erster Ursprung der „Tiefe“ findet sich in der prälogischen Verdinglichung als Wechselwirkung von bio-psychologischem Organismus und seiner Umwelt (F. W. Heubach, G. Cellérier, J. Piaget), damit zusammenhängend, die Technik der Ästhetisierung (V. Sklovskij, F. W. Heubach) und die Frage nach einer kognitiven Orientierung in einer „Psychologie der Kunst“ (H. Kreitler und S. Kreitler). Eine weitere „Tiefe“ findet sich in der Konstruktion von Modellen, der Fähigkeit zur „Anschauung“ (ob kategorial oder sensual) und dem einsichtigen Denken.

    Für ein Verständnis der Problematik sind ein paar technische Metaphern wie der Strukturbegriff von O. Wiener hilfreich: Erläuterungen zu trivialen und gefalteten Maschinen sowie drei Arten von Gedächtnis. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit? Wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken (Kreativität) und zu einer entwicklungspsychologischen Ästhetik in Beziehung? Die erarbeitete Thematik kann als eine Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung 'Die Künstlichkeit der Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen' (MI 25. Januar 2017, 19 Uhr) verstanden werden.

    Damit verbunden sind die folgenden weiteren Veranstaltungen vom 24. bis 27. Januar 2017.

    Veranstaltungsinformationen


    DI 24. Januar 2017
    19 Uhr, Aula KHM
    Intelligenz und Intelligenz-Ersatz
    Vortrag von OSWALD WIENER

    MI 25. Januar 2017
    14 – 16 Uhr, KHM (Filzengraben 8–10)
    Austausch Studierende (KHM Köln/MA Raumstrategien Berlin)
    19 Uhr, Aula KHM
    Die künstliche Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen
    Gespräch zwischen OSWALD WIENER und FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
    Einleitung und Moderation: Hans Ulrich Reck

    DO 26. Januar 2017
    14 – 16 Uhr, KHM Atelier für Gestaltung 4.02
    Nachlese: Gespräch der Studierenden mit OSWALD WIENER
    19 Uhr, Aula KHM
    Traum vs. Bild
    Vortrag von FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
    20 Uhr, Glasmoog
    Vernissage der Ausstellung 'Gobelins und Traumbilder' von INGRID WIENER

    FR 27. Januar 2017
    14 – 16 Uhr, KHM Atelier für Gestaltung 4.02
    Nachlese: Gespräch der Studierenden mit FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
    16 Uhr, Glasmoog
    Warum macht man etwas? So? Nicht anders?
    Werkstattbericht/Werkstattgespräch mit INGRID WIENER


    Kunst und Introspektion Literatur (Auswahl):
    Bachelard, Gaston: Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes. Frankfurt a. M. 1987.
    Heubach, Friedrich W.: Die Ästhetisierung: Eine psychologische Untersuchung ihrer Struktur und Funktion. Köln 1974.
    Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987 und 1996.
    Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
    Schwarz, Michael: Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung – Oswald Wieners Denkpsychologie. Frankfurt a. M. 2015, S. 389-441.
    Šklovskij, Viktor: Kunst als Verfahren [1916]. In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
    Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.
    Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.
    Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.


    Wintersemester 2016/2017

    Wochentag(e): Samstag, 29. Oktober, Freitag, 18. November, Freitag, 9. Dezember und Samstag, 7. Januar. Plus weitere Veranstaltungen vom 24. bis 27. Januar 2017

    Zeit: ganztägig, jeweils 10.00 – 13.00 und 14.00 – 17.00 Uhr

    Ort: Atelier für Gestaltung 4.02, Filzengraben 8–10, 4. Etage

  • weißensee kunsthochschule berlin
    IMAGINÄRES SEHEN IN KUNST UND INTROSPEKTION
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    IMAGINÄRES SEHEN IN KUNST UND INTROSPEKTION


    Das Seminar mit Exkursion zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung an der Kunsthochschule für Medien in Köln gliedert sich in vier Bereiche:

    Selbstbeobachtung (Geschichte, Experimente, Theorie), Automatentheorie (Einführung, Strukturbegriff, Grenzen der Berechenbarkeit, triviale, „gefaltete“ und Universelle Turing-Maschine), entwicklungspsychologische Ästhetik (Orientierung und Situation), Ausstellungsbesuch, Vorträge und Diskussionen mit Expert/innen (Friedrich W. Heubach, Hans Ulrich Reck, Ingrid und Oswald Wiener).

    Was ist ein Bild? Was eine Operation? Was ist Wahrnehmung und Handlung, Sinn und Bedeutung in einer Theorie der Vorstellung? Überall liegen hier zunächst nur Worte vor. Die Frage soll sein, welche Bedeutung man diesen Worten [...] beilegen und ob man diese Bedeutungen durch den Hinweis auf bestimmte Wahrnehmungen erläutern kann. (Carl Stumpf)

    Mündet der „kreative Akt“ im malerischen, bildhauerischen, poetischen oder wissenschaftlichen „Bild“? Oder liegt die ästhetische „Ergriffenheit“ (O. Wiener) vielmehr im Prozess des Erhalts, der Erarbeitung bzw. dem Erwerb von Strukturen. Eigene Selbstbeobachtungs-Experimente zur Imagery-Debatte (S. Kosslyn und Z. Pylyshyn) und der Frage, ob wir in „Bildern“ oder in „Operationen“ denken, können zur Tiefe der „Orientierung“ führen, die uns von beiden unterscheidet!

    In einem Auftaktvortrag „Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen“ soll an einem konkreten Beispiel (NIM) das Fehlen dieser „Tiefe“ in der Struktur von „flachen Formalismen“ (DeepQA etc.) erläutert, aber auch neues Licht in die landläufigen Missverständnisse von vermeintlich „sinnlicher“ und „unmittelbarer“ Anschauung sowie in die angeblich „reduktionistische“ Abstraktion gebracht werden.

    Im Seminar vorgesehen ist eine Einführung in die Automatentheorie, um einem Verständnis der Problematik mit ein paar technischen Metaphern wie dem Strukturbegriff von O. Wiener, den Begriffen von trivialen und gefalteten Maschinen sowie der Unterscheidung von drei Arten von Gedächtnis näherzukommen. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken in Beziehung?

    Die Notwendigkeit von Struktur für den Orientierungs-Begriff soll im Seminar weiter vertieft und zu einer entwicklungspsychologischen Ästhetik sowie zu einer Ästhetisierung (F. W. Heubach, V. Šklovskij) in Beziehung gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund soll zudem eine falsch verstandene Kritik an der Subjektivität in der Ästhetik thematisiert werden.

    Die erarbeitete Thematik kann als Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung an der KHM Köln verstanden werden.

    Veranstaltungsinformationen


    Exkursion (24. – 26. Januar 2017)

    DI 24. Januar 2017, 19 Uhr, Aula KHM
    Vortrag von Oswald Wiener, N. N.

    MI 25. Januar 2017, 14 – 16 Uhr, Seminarraum KHM
    Austausch zwischen Studierenden der KHM Köln und Raumstrategien Berlin

    MI 25. Januar 2017, 19 Uhr, Aula KHM
    Podiumsdiskussion: Die Künstliche Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen
    Diskussion mit Oswald Wiener, Friedrich W. Heubach, Moderation: Hans Ulrich Reck

    DO 26. Januar 2017, 14 – 16 Uhr, Seminarraum KHM
    Seminar und Gespräch mit Oswald Wiener

    DO 26. Januar 2017, 18 Uhr, Glasmoog/ KHM
    Vernissage der Ausstellung von Ingrid Wiener „Textil und Traumbilder“ (Arbeitstitel)

    DO 26. Januar 2017, 20 Uhr, Aula KHM
    Vortrag von Friedrich W. Heubach, Imaginäres Sehen mit Bezug auf die Traumbilder von Ingrid Wiener (Arbeitstitel)


    Literatur (Auswahl):
    Gibson, James J.: The Ecological Approach to the Visual Perception of Pictures. In: Leornado 1978, Vol. 11, No. 3, pp. 227-235.
    Gottschling, Verena: Bilder im Geiste: Die Imagery-Debatte. Paderborn 2003.
    Heubach, Friedrich W.: Die Ästhetisierung: Eine psychologische Untersuchung ihrer Struktur und Funktion. Köln 1974.
    Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987 und 1996.
    Heubach, Friedrich W.: Wieso es keine Bilder gibt und warum sie doch gesehen werden, zum Behelf der Bilder. In: SITE 2005, Heft 8, S. 76-82.
    Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
    Schwarz, Michael: Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung – Oswald Wieners Denkpsychologie. Frankfurt a. M. 2015, S. 389-441.
    Schwarz, Michael: Selbstbeobachtungskonzepte. In: Galliker, Mark und Uwe Wolfradt (Hrsg.). Kompendium psychologischer Theorien. Frankfurt a. M. 2015, S. 410-413.
    Šklovskij, Viktor: Kunst als Verfahren [1916]. In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
    Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.
    Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.
    Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.
    Wiener, Oswald: Für Maria. In: Hegyi, Lóránd (Hrsg.): Maria Lassnig. Wien 1999, S. 177-187.

    Beginn der Veranstaltung ist Dienstag, 18.10.2016, um 14.00 Uhr im Seminarraum in der Concordia. Nach einer Einführung in das Thema findet mein Auftaktvortrag „Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen“ um 16.00 Uhr in der KUNSTHALLE AM HAMBURGER PLATZ statt.

    IMAGINARY VISION IN ART AND INTROSPEKTION


    The seminar with excursion to a common final event at the Academy of Media Arts Cologne is divided into four topics:

    Introspection (history, experiments, theory), automata theory (introduction, concept of structure, limits of computability, trivial, “folded”, and Universal Turing Machines), developmental psychology aesthetics (orientation and situation), exhibition visit, lectures, and discussions with experts (Friedrich W. Heubach, Hans Ulrich Reck, Ingrid and Oswald Wiener).


    Wintersemester 2016/2017

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Dienstag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 18.10.2016

    Ende: 14.02.2017

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2016 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    RAUM-ERFAHRUNG, -VORSTELLUNG, -ERKENNTNIS
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    RAUM-ERFAHRUNG, -VORSTELLUNG, -ERKENNTNIS


    Das nicht nur theoretisch ausgelegte Seminar soll die psychologische, experimentell-künstlerische bzw. -ästhetische und erkenntnistheoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen/Komplex RAUM im Übergang von der Moderne zur Gegenwart untersuchen.

    Vom RAUM der Moderne zum RAUM der Gegenwartskunst

    Ob die Moderne nun mit der Auflösung der egozentrischen RAUMperspektiven und dem Reduktionismus auf das „Sinnliche“ und „Autonome“ am KunstWERK beginnt oder gerade mit der Neubegründung des RAUMS durch die „nicht retinale“ (kognitive, a-modale, virtuelle) „Idee“ der Bewegung bis in die vierte Dimension (M. Duchamp) durchschlägt – Grundlage der Konzeptkunst (J. Kosuth, S. LeWitt) – sei dahingestellt. Die Kunst der Gegenwart (seit den 60er/70er Jahren des 20. Jhs.) kündigte sich durch einen Wandel von der Werkästhetik zu einer Ästhetik der Erfahrung von sozialen, politischen, Erkenntnis- und Handlungs-RÄUMEN bzw. Situationen an.

    Ein künstlerischer Übergang vom RAUM-Begriff zu der Frage nach dem Charakter von RÄUMEN kann anhand von Referaten zu folgenden oder eigenen Themen besprochen werden: Duchamps Idee der Bewegung von der Tiefenwahrnehmung bis zum vierdimensionalen RAUM, Frederick Kieslers RAUMtheater; sozialer, politischer und Möglichkeits-RAUM (z.B. Joseph Beuys, Martha Rosler, Adrian Piper, Dan Graham); Gordon Matta-Clarks RAUM-Cuttings; Maria Lassnigs propriozeptiver Körper- und Vorstellungs-RAUM; Bruce Naumans psychologischer RAUM der Öffentlichkeit oder Louis Aragons StadtRAUM...

    Als Beispiel für eine „Stimmung“ bzw. einen Charakter, bezogen auf bestimmte RÄUME, wird das Unheimliche (S. Freud) herangezogen und auch auf den architektonischen RAUM bezogen (Anthony Vidler), evtl. mit einem Ausflug zu Mike Kelleys „The Uncanny“ oder zur Pathologie des RAUMES (Agoraphobie und Klaustrophobie).

    Der epistemologische RAUM

    Historisch spaltet sich die Erkenntnistheorie im Gegensatz zu Kant bei der Frage nach dem RAUM-Begriff in zwei Lager, einerseits in Psychologen, die den RAUM aus den Phänomenen der Wahrnehmung ableiten (von Carl Stumpf und Albert Michotte bis zu J.J. Gibson) und andererseits jene, die von Henri Poincarés „Gruppen der Ortsveränderung“ ausgehen, wie z.B. Piaget mit seinem sensomotorischen RAUM. Wie steht dieser Wahrnehmungs- bzw. HandlungsRAUM mit dem geometrischen (H. v. Helmholtz) und dem mathematisch, axiomatischen RAUM (D. Hilbert) in Beziehung?

    In den unterschiedlichen Auslegungen findet sich ein Ausgangspunkt wieder, den wir im letzten Semester als Gegensatz der Realisten und Konstruktivisten besprochen haben. Also, warum nicht noch einmal genau hinsehen – ohne die gewohnte Polemik zwischen Materialismus versus Empiriokritizismus (W. I. Lenin), Spekulativem Realismus versus Konstruktivismus (Modephilosophie) in den Vordergrund zu stellen.


    Literatur:
    Aragon, Louis. Der Pariser Bauer [1926]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996.
    Freud, Sigmund. Das Unheimliche [1919]. In: Freud, Anna (Hrsg.). Gesammelte Werke. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 1999, Bd. XII., S. 227-278.
    Küpper, Joachim und Christoph Menke (Hrsg.). Dimensionen ästhetischer Erfahrung. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003.
    Piaget, Jean. Die Äquilibration der kognitiven Strukturen. Stuttgart: Klett, 1976.
    Piaget, Jean. Die Entwicklung des Erkennens I. Das mathematische Denken [1950]. Stuttgart: Klett, 1975.
    Poincaré, Henri. Wissenschaft und Hypothese [1904]. Leipzig/Berlin: Teubner, 1928.
    Poincaré, Henri. Der Wert der Wissenschaft [1906]. Leipzig/Berlin: Teubner, 1921.
    Stumpf, Carl. Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung. Leipzig: S. Hirzel, 1873.
    Download als PDF: https://archive.org/details/berdenpsycholo00stum
    Vidler, Anthony. The Architectural Uncanny: Essays in the Modern Unhomely. Cambridge, Mass.: MIT Press, 1999.
    Vidler, Anthony. unHEIMlich. Über das Unbehagen in der modernen Architektur. Hamburg: Nautilus, 2001.
    Wiener, Oswald. Für Maria. In: Hegyi, Lóránd (Hrsg.), Maria Lassnig. Wien: Museum für moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien, 1999, S. 177-187.

    Sommersemester 2016

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Donnerstag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 21.04.2016

    Ende: 14.07.2016

    Ort: Raumstrategien, T3.02


  • 2015/2016 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    „Big Data“ in Kunst und Alltag II
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    „Big Data“ in Kunst und Alltag II


    Im Wintersemester wird das Thema „Big Data“ mit den Fragen um eine „Entfremdung“ der Lebensweise und eine dagegen gerichtete „Ästhetisierung“ erweitert und fortgesetzt.

    Wir fragen uns anhand eines Textes von Thomas Raab („Data Driven Narcissism. How Will ‘Big Data’ Feed Back on Us?“ 2015) wie sich über Big-Data-Rückkopplungsschleifen bei Facebook, LinkedIn, Twitter etc. das Selbstbild der Nutzer/innen verändert (entfremdet?). Seine These: Mit der Projektion der User-Daten auf sich selbst führt dieser Kreislauf zu einer „Population“, die maximal vorhersehbar wird, wobei sich jedes Individuum maximal einmalig fühlt (Narzissten?). Wir können im Seminar am 22.10. mit Thomas Raab persönlich über seine Frage diskutieren: Is such a social end state heaven – or is it hell?

    Anke Hennig zeigte 2009 auf, dass es historisch in den russischen Avantgarden mindestens zwei unterschiedliche Vorstellungen von „Entfremdung“ gab – eine vorrevolutionäre Losung: kulturell codierter Gegenstand (predmet) zum vorkulturellen Ding (vešč) und eine nachrevolutionäre Losung: vom symbolischen Gegenstand der toten zaristischen Kultur zum lebendigen der revolutionären Avantgarde.

    Victor Šklovskij hatte 1916 gegen die kulturelle Verflachung in Automatismen und Symbolismen seine Technik der „Ästhetisierung“ durch „Verfremdung“ gestellt, die in der Geschichte immer wieder aufgegriffen wurde. Wie reagieren aktuelle künstlerisch-philosophische Positionen auf diese neuartige „Entfremdung“? Ist der „spekulative Realismus“ eine propere Reaktion oder wird hier ein „kindlicher Realismus“ bzw. „Animismus“ (Piaget) salon- bzw. philosophiefähig gemacht? Wir wollen dies anhand von Texten kritisch diskutieren und vielleicht findet sich auch zu diesem Thema noch ein/e Gesprächspartner/in.

    -> In diesem Seminar besteht die Möglichkeit aktuelle künstlerische Positionen zu den Themenfeldern, gerne auch eigene Arbeiten (theoretische oder praktische), in Referaten vorzustellen und zu diskutieren. Auch schriftliche Hausarbeiten zu den Themen sind möglich.

    The seminar will deal with the issue of “big data” especially concerning the questions of “Entfremdung” / “alienation” and “Ästhetisierung” / “aestheticization”. We will read a text by Thomas Raab (“Data Driven Narcissism. How Will ‘Big Data’ Feed Back on Us?”, 2015 — How the self-consciousness of users are changed through big data feedback loops on Facebook, LinkedIn, Twitter, etc. We can discuss this issue with Thomas Raab during the seminar on October 22nd: Is such a social end state heaven – or is it hell? We will also read a text by Anke Hennig concerning the term ‘alienation’ understood by the Russian avant-garde.

    Einführende Literatur:
    Hennig, Anke: Die Vergegenwärtigung der Dinge. In: Arbeitspapiere des Osteuropa-Instituts, 2, 2009, Freie Universität Berlin.
    Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987.
    Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München 2013.
    Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big data. A revolution that will transform how we live, work, and think. London 2013.
    Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes. Stuttgart 1978 (1926).
    Reichert, Ramón: Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie. Bielefeld 2014.
    Šklovskij, Victor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991.
    Die einführende Literatur wird sich in der Bibliothek im Handapparat befinden oder in der DropBox.

    Wintersemester 2015/2016

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Donnerstag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h

    Beginn: 15.10.2015

    Ende: 11.02.2016

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2015 Sommersemester
  • Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
    Surrationalismus statt Irrationalismus
    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
    Valentin Hessler, Michael Schwarz
    Projekt zum 100. Jubiläum

    Workshop

    Surrationalismus* statt Irrationalismus


    Das Seminar, das in vier Blöcke gegliedert wird, soll zu einem Verständnis der Universellen Turing- Maschine beitragen und wird die Frage aufwerfen, wie diese die mathesis universalis widerlegen konnte. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit und des Denkens? Was ist eine Struktur und was ist Kreativität? Mit Theorie und Experimenten soll der Zusammenhang von Struktur, Kognition und Ästhetik aufgezeigt werden.

    Block 1) Heinz von Förster und die Wiederholung sowie Oswald Wieners Strukturbegriff. Einführung in einige Grundlagen aus der Automatentheorie. Erläuterungen zu trivialen und gefalteten Maschinen (drei Arten von Gedächtnis). Was ist der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz, was der von universell und universal und was ist eine Universelle Turing-Maschine?

    Block 2) Wahrnehmungs- und Denkpsychologie (zwei Experimente) verbunden mit der Frage nach dem „inneren Bild“, das keins ist, und einer psychologischen Ästhetik „von unten“. Idealismus (Hegel) versus Hedonismus (Fechner) und die Bedingungen des Erkennens in der Ontogenese (Piaget) sowie in der „Psychologie der Kunst“ (Kreitler und Kreitler)

    Block 3) Grenzen der Berechenbarkeit (Alan Turings „Halteproblem“ und Tibor Rados „Fleißige Biber“) und die Wende in der Erkenntnistheorie im 20. Jahrhundert

    Block 4) Konrad Zuse und Donald M. MacKay über die Unterscheidung von physikalischem und virtuellem Raum (eine Lösung des Leib-Seele-Problems?). Praktische Umsetzung einer sensorischdigitalen Maschine

    *Surrationalismus ist ein Begriff aus Gaston Bachelards pluralistischer Erkenntnistheorie.


    Sommersemester 2015

    Wochentag(e): Donnerstag/Freitag 28./29.05.2015

    Turnus: Blockseminar

    Zeit: 10.00 h – 13.00 h, 14.00 – 17.00 h

    Ort: Seminargebäude Kunstwissenschaften, Seminarraum, Schleifweg 6


  • weißensee kunsthochschule berlin
    „Kognitives Kapital“ und „Big Data“ in Kunst und Alltag
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    „Kognitives Kapital“ und „Big Data“ in Kunst und Alltag


    „Die Triebkraft, welche den Fortschritt der Maschinen bewirkt, schließt ihrem Wesen nach aus, daß der Mensch zugleich mit seiner Versklavung einem elenden Dasein ausgeliefert wird“? (Samuel Butler, Das Buch der Maschinen, 1872)

    „The very nature of the motive power which works the advancement of the machines precludes the possibility of man’s life being rendered miserable as well as enslaved”? (Samuel Butler, The Book of the Machines, 1872)

    Mit Big Data und dem kognitiven Kapital werden in diesem Semester einige offene Fragen diskutiert, die sich aktuell an die historische Aufarbeitung der Avantgardekunst der letzten zwei Semester anschließen. Der Surrealismus und seine psychoanalytische Tendenz wurden von der Situationistischen Internationalen und einer behavioristischen Haltung abgelöst. Wie verhält sich die Gegenwartskunst zu der neuerlich eingetretenen kognitiven Wende?

    Hat sich der Status zwischen materiellem und immateriellem Handeln (Kognition) verschoben, da sich das Gesellschaftlich-Kognitive erst durch die Vernetzung (Internet) ohne den Umweg über Objekte kapitalisieren lässt? Um die Frage zu diskutieren, ob direkt von der biologischen Forschung auf das vernetzte Kognitive übergegangen werden darf, werden wir einen Text von Franco Berardi Bifo mit den Mitteln der Automatentheorie und der Erkenntnistheorie kritisch analysieren. Beistand bei der Untersuchung leistet uns die vielleicht vergessene Kritik an der zu statischen Auffassung des französischen Strukturalismus (C. Lévi-Strauss, J.F. Lyotard, M. Foucault, L. Althusser...) von Jean Piaget. Aber auch die synthetisch negative Dialektik von Gaston Bachelard und sein Begriff der schöpferischen Einbildungskraft können hier hilfreich sein (wir hatten schon öfters über die Genese bzw. Strukturbildung gesprochen).

    Es geht in diesem Seminar aber auch um die „Capture-All“-Mentalität (transmediale) und um die Frage, was vor diesem Hintergrund überhaupt für „kognitives Verhalten“ erfasst, vorhergesagt, kapitalisiert wird, und wie dies zur eigentlichen kognitiven Fähigkeit des Menschen steht – dem Verstehen. Werden wir mit dem Umgang von Big-Data-Analysen – an der TU Berlin als „Sexiest Job“ des 21. Jahrhunderts beworben – einen Teil unseres Verstehen-Vermögens an Maschinen abtreten? Hat sich dadurch die Prophezeiung der Erewhonier (Samuel Butler), die Herrschaft einer „Maschinen-Intelligenz“ zu übergeben, bereits eingelöst? Können wir überhaupt diese flachen Formalismen von unseren tiefen Einsichten unterscheiden?

    Rückblick: Wie wir in den letzten beiden Semestern thematisiert haben, zeigte sich in den historischen, künstlerischen Avantgarden neben einem revolutionär-politischen Potential (anarchistisch oder marxistisch) stets auch implizit ein erkenntnistheoretischer Hintergrund durch die konkret künstlerischen Experimente meist auch eine Beziehung zur jeweils zeitgenössischen Psychologie. Im letzten Semester haben wir neben eigenen Experimenten (zur Kognition) verschiedene international wichtige Künstlerbewegungen in den 1950er bis 1960er Jahren genauer untersucht. Trotz künstlerisch-autonomen Ansprüchen haben diese sich von einer philosophisch-idealistischen Ästhetik distanziert und sie in einen entwicklungspsychologischen bzw. -soziologischen Kontext gestellt, der bis in den Alltag reichen sollte. Auch hier ist nach einem aktuellen künstlerischen Standpunkt zu fragen.

    -> In diesem Seminar besteht die Möglichkeit aktuelle künstlerische Positionen zu den Themenfeldern, gerne auch eigene Arbeiten (theoretische oder praktische), in Referaten vorzustellen und zu diskutieren. Auch schriftliche Hausarbeiten zu den Themen sind möglich.

    Einführende Literatur:
    Bachelard, Gaston: Die Philosophie des Nein. Versuch einer Philosophie des neuen wissenschaftlichen Geistes. Wiesbaden 1978.
    Bachelard, Gaston: The Philosophy of No. A Philosophy of the New Scientific Mind. New York 1968.
    Berardi, Franco Bifo: Das neuroplastische Dilemma. Über Bewusstsein und Evolution, in: Springerin 2014, Heft 4, S. 38-41.
    Berardi, Franco Bifo: The Neuroplastic Dilemma. Consciousness and Evolution, in: e-flux journal, #60 december 2014.
    Butler, Samuel: Merkwürdige Reisen ins Land Erewhon [1872]. Berlin 1964.
    Butler, Samuel: Erewhon, or, Over the range [1872]. London 1910.
    Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München 2013.
    Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big data. A revolution that will transform how we live, work, and think. London 2013.
    Piaget, Jean: Der Strukturalismus. Freiburg 1973.
    Piaget, Jean: Structuralism. New York 1970.
    Reichert, Ramón: Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie. Bielefeld 2014.
    Tiqqun: Kybernetik und Revolte. Zürich, Berlin 2007.
    Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst, in: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.

    Sommersemester 2015

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h – 18.00 h

    Beginn: 14.04.2015

    Ende: 14.07.2015

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2014/2015 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    Einführung in die Automaten- und Erkenntnistheorie
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    Einführung in die Automaten- und Erkenntnistheorie


    In diesem Grundlagenseminar soll ein konkretes Verstehen der Wende in der Erkenntnistheorie des 20. Jahrhunderts vermittelt werden: die Aufhebung des totalitären Anspruchs der „mathesis universalis“ durch die Universelle Turing-Maschine. Aber was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Warum reichen zwei Zeichen für eine Berechnung (binäres Stellenwertsystem) aus? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit (Halte- bzw. Entscheidungsproblem) und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken (Kreativität) und zu unterschiedlichen ästhetischen Theorien in Beziehung?

    Im Seminar können Referate (mit schriftlicher Ausarbeitung) gehalten werden. Aber auch praktische, von der Theorie inspirierte Arbeiten sind möglich.

    Einführende Literatur:
    Hopcroft, John E.; Jeffrey D. Ullmann: Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation. Einführung in die Automatentheorie, Formale Sprachen und Komplexitätstheorie. Bonn u.a. 1979, 1994.
    Krämer, Sybille: Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriß. Darmstadt 1988.
    Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.



    Wintersemester 2014/2015

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 16.00 h – 18.00 h

    Beginn: 21.10.2014

    Ende: 10.02.2015

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • weißensee kunsthochschule berlin
    Kunst- und Erkenntnistheorie
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    Kunst- und Erkenntnistheorie


    “We thought at the time—and still do—that the greatest legacy of abstract art is the opening of an opportunity to depart from naturalistic and illusionistic art and create a new autonomous space, a space that truly deserves the name of art.” (The Gutai Manifesto, 1956)

    „Wir dachten zu der Zeit – und tun dies noch immer –, dass das größte Vermächtnis der abstrakten Kunst die Eröffnung einer Gelegenheit ist von der naturalistischen und illusionistischen Kunst abzurücken und einen neuen autonomen Raum zu schaffen, einen Raum, der den Namen Kunst wirklich verdient.“ (Das Gutai-Manifest, 1956)

    Im letzten Semester wurde diskutiert, wie die historisch erkenntnistheoretische Wende des „linguistic turn“ auch in der Kunst eine übersteigerte Konfrontation zweier Positionen förderte und eine Zweiteilung in der Interpretation des Ursprungs der Moderne hervorrief, eine künstliche Trennung von „sinnlicher“ und „begrifflicher Kunst“. Detailiert wurde die Kontroverse zwischen C. Greenberg und J. Kosuth sowie zwischen M. Fried und den Künstlern des Minimalismus besprochen.

    Im kommenden Semester stehen im Seminar „Kunst- und Erkenntnistheorie“ vier historische internationale Künstlergruppen im Mittelpunkt, die sehr früh (Mitte der 1950er Jahren) eines miteinander vereint, nämlich diese Trennung zu überwinden bzw. zu verschieben und in unterschiedlichem Grade auch die Dichotomie zwischen Kunst und Leben aufzulösen. In Japan ist es die Gutai Gruppe, in Großbritannien die Independent Group und in Frankreich die Situationistische Internationale sowie in Österreich die Wiener Gruppe. Die intersubjektiv erfahrbare psychologische Situation oder Psychogeographie sollte in der Erzeugung einer Situation zwischen BetrachterInnen und Gegenstand, Raum bzw. Stadt diskutierbar bzw. erlebbar werden. Die Experimente in Malerei, Cabaret, Architektur und Stadtplanung sollen vorgestellt, aber auch in ihrem Scheitern der zum Teil behavioristischen Ansprüche zur Herstellung von Situationen besprochen werden. Auch die Verachtung des Kulturbetriebs und der Bildproduktion als Ware soll thematisiert werden (Debord, Die Gesellschaft des Spektakels).

    Im Seminar werden die Manifeste (cooles manifest, Gutai-Manifest) dieser Gruppen gelesen, die KünstlerInnen, Ansätze, Haltungen besprochen und evtl. eigene Selbstversuche herangezogen. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Ablehnung der „Automation“ in der Gesellschaft und die kritisierte Rolle des psychischen Automatismus als kreativer Moment der Surrealisten.

    Thema werden aber auch die verschiedenen Strategien bilden, die als Methoden der künstlerisch politischen Praktiken eingesetzt wurden und deren Kulminationspunkte von der Revolte über das „Verstehen des Verstehens“ (Erkenntnistheorie) reichen. Weitere Themenfelder sind: Abschaffung von Repräsentation, Ablehnung von Autoritäten und Institutionen, Psychogeographie, Dérive, Theorien der Autorschaft, Formen der Partizipation, Détournement, Kunst und Leben.

    Im Seminar besteht die Möglichkeit einer Recherche zu den Künstlergruppen, zu einzelnen KünstlerInnen oder theoretischen Themenfeldern und zu Referaten mit schriftlicher Ausarbeitung. Auch praktische, von der Theorie inspirierte Arbeiten sind möglich.

    Einführende Literatur:
    Bertozzi, Barbara (Hrsg.): Gutai. Japanische Avantgarde. Japanese Avant-Garde, 1954 – 1965. Darmstadt 1991.
    Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Berlin 1996.
    Kunsthalle Wien; Fetz; Wolfgang; Matt, Gerald (Hrsg.): Die Wiener Gruppe. Wien 1998.
    Ford, Simon: Die Situationistische Internationale. Eine Gebrauchsanleitung. Hamburg 2006.
    Massey, Anne: The Independent Group: Modernism and Mass Culture in Britain, 1945 – 59. Manchester [u.a.] 1995.
    Melly, George: Revolt into Style. The Pop Arts in Britain. Harmondsworth, Middlesex 1971;
    Tiampo, Ming (Hrsg.): Gutai. Splendid playground. New York 2013.
    Ohrt, Roberto: Phantom Avantgarde. Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst. Hamburg 1990, 1997.
    Raab, Thomas: Nachbrenner. Zur Evolution und Funktion des Spektakels. Frankfurt am Main 2006.
    Robbins, David (Hrsg.): The Independent Group: Postwar Britain and The Aesthetics of Plenty. Cambridge, Mass. [u.a.] 1990.
    Weibel, Peter (Hrsg.): Die Wiener Gruppe. The Vienna Group. A moment of modernity 1954 – 1960. The visual works and the actions. Friedrich Achleitner; H.C. Artmann; Konrad Bayer; Gerhard Rühm; Oswald Wiener. New York 1997.

    Wintersemester 2014/2015

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h – 16.00 h

    Beginn: 21.10.2014

    Ende: 10.02.2015

    Ort: Raumstrategien, T3.01


  • 2014 Sommersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    Automatentheorie Praxis Teil II
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    Automatentheorie Praxis Teil II


    Im letzten Semester wurde anhand einer praktischen Programmierung (Arduino) der theoretische Unterschied zweier unterschiedlicher Prozesse besser verständlich gemacht – die virtuellen (diskret, sequenziell und deterministisch) und die physikalischen Prozesse (homogen, isotrop und reversibel). Wir haben Einblick erhalten, wie zeitgenössische Maschinen und Automaten mit physikalischen Sensoren und über Mikrocontroller gesteuert werden. Aber wir haben auch selbst programmiert, um uns von vordefinierten Anwenderprogrammen zu emanzipieren. Angefangene Projekte mit Arduino können selbstverständlich in diesem Praxisseminar fortgesetzt werden.

    In diesem Semester werde ich in die schon im letzten Semester benutzte Open-Source-Programmierumgebung Processing einführen. Gedacht sind diese Übungen zur Grafik-, Video- und Audioprogrammierung als Umgang mit neutralen Werkzeugen, um sich ein wenig besser in der zunehmend digitalisierten Welt auszukennen. An dieser Stelle ist vielleicht noch einmal wichtig darauf hinzuweisen, dass Automatentheorie nicht gleich Computeranwendung ist. Wer sich von der Automatentheorie oder Erkenntnistheorie zu einem praktischen Projekt inspirieren lässt, muss dies keinesfalls mit dem Computer umsetzen. Jede Form ist möglich.


    Sommersemester 2014

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 16.00 h – 18.00 h

    Ort: Raumstrategien, T3.01


    Creditpoints: 6

  • weißensee kunsthochschule berlin
    Automatentheorie Teil II
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Seminar

    Automatentheorie Teil II


    In Teil II der Automatentheorie werden die im letzten Semester gewonnenen erkenntnistheoretischen Einsichten auf einer breiteren Ebene in drei verschiedenen Kontexten kritisch diskutiert (Computerisierung bzw. Digitalisierung, Erkenntnismodelle und Computermetaphern sowie in der Kunsttheorie). Für Quereinsteiger sind einführende Skripte zur Automatentheorie auf Dropbox vorhanden.

    Der erste Teil des theoretischen Seminars befasst sich mit der Computerisierung des Alltags, wozu gemeinsam aktuelle Textauszüge gelesen und kritisch diskutiert werden. Außerdem stehen hier die unterschiedlichen Arten von Ökonomie-Kritik im Gegensatz zur Ökonomie des Lernens und Verstehens im Mittelpunkt der Diskussion. Ausgangspunkt bildet ein Textauszug aus Karl Bühlers „Krise der Psychologie“. Dort wurde sehr früh, 1927, ein erster Gedanke der Kybernetik formuliert, d.h. von einem systembedingten Verhalten gesprochen, aber in Bühler findet sich zugleich auch der erste Kritiker dieses Gedankens!

    In einem zweiten Teil wird der Bezug zur Erkenntnistheorie und die automatentheoretischen Modelle des Erkennens und der Ästhetik aus dem letzten Semester wiederaufgenommen, wobei weitere Beispiele der Unzulänglichkeit verschiedener Computermetaphern herausgestellt werden. Ausgangspunkt unserer Kritik waren kleinere Selbstbeobachtungen, um uns zu überzeugen, dass wir keinen Bildspeicher im Kopf und dass unsere Wahrnehmung auch kein Bildabgleich ist, wie oft von Naturwissenschaftlern behauptet. Außerdem werden wir weiter über den Orientierungsverlust und einen möglichen Zusammenhang mit dem Begriff der Ästhetik sprechen, was auch mit dem Ökonomie-Aspekt verwoben ist.

    In einem dritten Teil geht es um einen wichtigen Wendepunkt in der Kunsttheorie und was die Erkenntnistheorie damit zu tun hat. Textauszüge unterschiedlicher Kunstauffassungen, u.a. von Clement Greenberg und Joseph Kosuth, sollen gelesen und besprochen werden. Auf welche Weise hat Kosuth die Diskussionen über die Ästhetik aus der Kunst eskamotiert? Und wie überzeugend hielt die Ästhetik über psychoanalytische Schwerpunkte auf den letzten zwei documentas wieder Einzug in die Kunst? Wie gut wäre hier eine Diskussion über Erkenntnismodelle angebracht?

    Einführende Literatur:
    Springerin 2013, Heft 3: Apparate Maschinen.
    Bühler, Karl, 1927. Die Krise der Psychologie, Jena.
    Greenberg, Clement, 1960. Modernist Painting. Modernistische Malerei. In: Harrison, Charles; Wood, Paul (Hrsg.): Kunsttheorie im 20. Jahrhundert. Ostfildern-Ruit 1998, Band 2, S. 931-937.
    Kosuth, Joseph, 1969. Art after Philosophy. Kunst nach der Philosophie. In: ebd., S. 1029-1039.


    Sommersemester 2014

    1. und 2. Studienabschnitt

    Wochentag(e): Mittwoch

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h – 16.00 h

    Ort: Raumstrategien, T3.01


    Creditpoints: 6

  • 2013/2014 Wintersemester
  • weißensee kunsthochschule berlin
    Automatentheorie
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Automatentheorie


    In diesem Grundlagenseminar soll ein konkretes Verstehen der wichtigsten Begriffe aus der Computer- und Netztheorie erarbeitet werden. Was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Warum reichen zwei Zeichen für eine Berechnung (binäres Stellenwertsystem) aus? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit (Halte- bzw. Entscheidungsproblem) und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken und künstlerischen Handeln (Kreativität) in Beziehung?

    Einführende Literatur:
    Wiener, Oswald u.a., 1998, Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen, Wien, New York.
    Hopcroft, John E., Jeffrey D. Ullmann, 1979, 1994, Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation. Einführung in die Automatentheorie, Formale Sprachen und Komplexitätstheorie, Bonn u.a.
    Krämer, Sybille, 1988, Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriß, Darmstadt.


    Wintersemester 2013/2014

    Wochentag(e): Dienstag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 14.00 h – 17.00 h

    Beginn: 21.10.2013

    Ende: 10.02.2014

    Ort: n.n.


    Voraussetzung: Regelmäßige Teilnahme

    Anmeldung: Das Seminar ist für alle Studierende der KHB Weißensee geöffnet.

  • weißensee kunsthochschule berlin
    Automatentheorie Praxis
    weißensee kunsthochschule berlin
    Michael Schwarz
    MA Raumstrategien

    Automatentheorie Praxis


    Was ist ein virtueller Raum?
    In diesem Blockseminar werden Praxisprojekte betreut/begonnen, die sich auf den virtuellen Raum beziehen, ob kritische Auseinandersetzung mit dem Web 2.0 (Netzaktivismus) oder konkrete Programmierprojekte (Schnittstellen, Webseite etc.). Erste Besprechung (Sammeln von Ideen) am Dienstag, den 12. November 2013, ab 16.00 Uhr. Der Beginn, die Durch- und Weiterführung der Projekte werden in einem Blockseminar im Januar 2014 gemeinsam diskutiert.

    Einführende Literatur:
    Günzel, Stephan; Jörg Dünne (Hrsg.), 2006, Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main.
    Lovink, Geert, 2012, Working together, getting things done, in: herbst. THEORIE ZUR PRAXIS, Graz, S. 70-73.


    Wintersemester 2013/2014

    Wochentag(e): 12.11.2013

    Turnus: Blockseminar Januar 2014

    Zeit: 16.00 h – 18.00 h

    Beginn: 31.12.2013

    Ende: 10.02.2014

    Ort: n.n.


    Voraussetzung: Projektvorhaben

    Anmeldung: Das Seminar ist für alle Studierende der KHB Weißensee geöffnet.

  • 2007 Sommersemester
  • Humboldt-Universität zu Berlin
    Experimentelle Ästhetik
    Humboldt-Universität zu Berlin
    Dr. Christiane Post, Michael Schwarz
    Seminar für Ästhetik

    Experimentelle Ästhetik (W, LN)


    Mit der Einführung des Experiments in die Ästhetik durch Gustav Theodor Fechner wurden naturwissenschaftliche Fragen angestoßen, die bis heute noch nicht annähernd beantwortet worden sind, auch wenn sich unter dem Aspekt der Theorie einer »universellen Maschine« der Status ästhetischer Ansätze verändert hat. Im Seminar wird anhand ausgewählter Texte und Experimente von Physiologen wie Hermann von Helmholtz, Philosophen und Psychologen der Ganzheits- und Gestalttheorie (z. B. Christian von Ehrenfels, Max Wertheimer und Wolfgang Köhler), der Entwicklungs- (Heinz Werner, Jean Piaget) und Denkpsychologie (Otto Selz) und von KünstlerInnen ein Überblick über das Thema und markante Richtungswechsel gegeben. Eigene Versuche aus dem Bereich der Wahrnehmungspsychologie und Vorstellungsexperimente sollen die Theorie erfahrbar und kritisch nachvollziehbar halten. Ein Ansatz zum Verständnis der experimentellen Ergebnisse wird mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und das In-Beziehung-Setzen von Gestalt und Struktur erreicht. Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d. h. zu den Bildungs- (O. Selz) und Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der »Faltung von Zeichenketten« (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (Kurt Gödel, Alan Turing), sollen die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktueller Fragestellung begreiflich machen


    Sommersemester 2007

    Wochentag(e): Montag

    Turnus: Wöchentlich

    Zeit: 13.00 h – 16.00 h

    Beginn: 16.04.2007

    Ort: DOR 24, H. 3, R. 3.007


  • 2006/2007 Wintersemester
  • Universität der Künste Berlin
    Experimentelle Ästhetik
    Universität der Künste Berlin
    Dr. Christiane Post, Michael Schwarz
    Institut Kunstwissenschaft und Ästhetik
    Seminar

    Experimentelle Ästhetik


    „Ich erkenne eine Maschine, weil sie etwas tut, das ich auch schon einmal getan habe. (...) Ich habe mich, seit ich diese Passage schrieb, daran gemacht, das Wackeln mit dem linken Ohr alleine zu erlernen“. (Oswald Wiener, Probleme der Künstlichen Intelligenz, 1990)

    „Es wird eines Tags, daran zweifle ich nicht, zu wissenschaftlichen Darstellungskonventionen für die Mechanismen der Vorstellung kommen, aber damit wird die künstlerische Avantgarde wieder einmal eine von ihr entdeckte Bonanza der Psychologie übergeben haben.“ Oswald Wiener

    Viele Fragestellungen in der psychologischen und physiologischen Forschung sind parallel oder meistens erst nach einer künstlerischen Festschreibung experimentell untersucht worden. So z.B. die Thematisierung der Bewegung durch den Futurismus oder Marcel Duchamps Suche nach ihrer „Nacktheit“ oder „Abstraktheit“ und die damit angedeutete Frage, ob die Bewegung ein eigenständiges Phänomen oder an die Identität eines sich bewegenden Objektes gebunden ist. Kann eine Rekonstruktion der tachistoskopischen Versuche zum Bewegungssehen von Max Wertheimer und sein „Phi-Phänomen“ darüber Auskunft geben? Um diese und andere Fragen praktisch erfahrbar und kritisch nachvollziehbar zu halten, sollen einige der markantesten Wahrnehmungsexperimente, Denk- und Vorstellungsversuche im Seminar durchgeführt werden. Experimente zu Figur und Grund (E. Rubin 1921), zur Farbkonstanz (D. Katz 1930), zum Tiefensehen (B. Julesz 1960) und vor allem auch zur Veränderlichkeit der Wahrnehmungswelt (I. Kohler 1951) durch sensomotorisches Erlernen und Einüben sollen thematisiert werden. Neben den praktischen Versuchen werden Physiologen wie H. von Helmholtz, Psychologen wie Ch. von Ehrenfels und Künstler/innen mit ihren ästhetischen Theorien zu Wort kommen. Ein umfassendes Verständnis der experimentellen Ergebnisse soll mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und der in Inbeziehungsetzung von Gestalt und Struktur erreicht werden. Schließlich sollen Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d.h. zu den Bildungs- (O. Selz) oder Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der „Faltung von Zeichenketten“ (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (K. Gödel, A. Turing) die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktuellster Fragestellung begreiflich machen.

    Fakultätsübergreifend, für Gast- und NebenhörerInnen geeignet.

    Wintersemester 2006/2007

    Wochentag(e): Freitag

    Turnus: 14-täglich

    Zeit: 13.00 h – 17.00 h

    Beginn: 20.10.2006

    Ort: Ha 150


  • 2002 Sommersemester
  • Kunstakademie Düsseldorf
    C-Programmieren für Künstler
    Kunstakademie Düsseldorf
    Michael Schwarz
    Poetik und künstlerische Ästhetik

    C-Programmieren für Künstler


    Die Aufgabe, die sich der Kurs zum Ziel gesetzt hat, ist: Jenen, die mit einem Computer arbeiten möchten, einerseits ein praktisches Verständnis über den Aufbau von Computern sowie einen tiefgreifenden Umgang damit zu vermitteln. Andererseits soll versucht werden, in einer kompakten Einführung in die Programmiersprache "C", auf schnellst möglichem Wege dem Programmier-Anfänger den Zugriff auf die für Künstler interessanten Schnittstellen zu ermöglichen, wie z.B. auf die Grafikkarte, den Drucker und andere verschiedene Eingabe- und Ausgabegeräte.

    Wer ein Projekt auf den heutzutage sehr leistungsfähigen Computern entwickeln möchte, stößt meist nicht an technische Grenzen, sondern in erster Linie an die dem "Anwender" von Computerprogrammen vom Programmierer vorgegebenen Möglichkeiten. Letzter und meiner Meinung nach einziger Ausweg sich solchen Beschränkungen zu entziehen, ist, selbst zu programmieren, d.h. die Weiterbildung vom "Anwender" zum "Entwickler" von Programmen.

    Voraussetzungen, um diesen Kurs zu besuchen, sind außer einem gewissen Interesse im Umgang mit einem Computer keine festgelegt, d.h. er ist auf Anfänger ausgerichtet.


    Sommersemester 2002

    Wochentag(e): n.n.

    Turnus: Blockseminar

    Beginn: 11.04.2002

    Ende: 12.07.2002

    Ort: n.n.


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2020 Sommersemester

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Benjamin Busch, Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

Der (sur)rationale Gegenstand


Michael Schwarz:
In Gaston Bachelards surrationalistischem Weltbild dient der experimentelle Umgang mit Dingen und Ideen zur virtuellen/ideellen und materielle Erweiterung. Die imaginative Autonomie, die zum künstlerischen Werk führt, lässt sich einerseits nicht kausal aus seiner Vergangenheit ableiten und erfordert andererseits zur Rezeption eine „schöpferische Aktivität“ des „Zuschauers“. Unter diesem Aspekt soll im Seminar die künstlerisch-politische Theorie Jacques Rancières mit den Themen „Autonomie der Kunst“, Dissens versus Diskurs, „Emanzipation“ und „Unmündigkeit“ besprochen werden.

Benjamin Busch:
Zuhause ist eine Grube. Die häusliche Sphäre ist seit langem eine Gewinnungsstelle, und diese Tatsache bleibt im Überwachungskapitalismus unverändert. Kartierungs- und Modellierungstechnologien, die zur Vermessung von externen Territorien entwickelt wurden, haben sich nun auf das Innere gewendet: den Innenraum des Hauses und das Innenleben der Nutzer. Im praktischen Teil dieses Seminars werden räumliche Kartierungstechnologien (Photogrammetrie und 3D-Scanning) eingesetzt, um virtuelle Modelle der Dinge um uns herum zu erzeugen. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu gewinnen, wie diese Technologien funktionieren und auch wie wir sie künstlerisch anwenden können. Indem wir die Dinge abstrahieren und dekontextualisieren, werden wir sie in neue Zusammenhänge bringen, die mit der Idee des Häuslichen verbunden sind. Dazu werden wir virtuelle Formate (Web, Video, VR) oder physische Formate (3D-Druck, CNC) verwenden. Die Teilnehmenden werden gebeten, eine Projektidee mitzubringen.

Michael Schwarz:
In Gaston Bachelard‘s surrationalist world view, the experimental handling of things and ideas serves as a virtual/ideal and material extension. On the one hand, the autonomy of imagination that leads to the artistic work cannot be derived causally from its past and, on the other hand, requires a „creative activity“ of the „spectator“ for reception. Under this aspect, Jacques Rancière‘s artistic-political theory with the topics „autonomy of art“, dissent versus discourse, „emancipation“ and „immaturity“ will be discussed in the seminar.

Benjamin Busch:
Home is a mine. The domestic sphere has long been a site of extraction, and this fact is unchanged under surveillance capitalism. Mapping and modeling technologies that were developed to survey exterior territories have now been turned on the interior: the interior space of the home and the inner life of users. The practical part of this seminar will use spatial mapping technologies (photogrammetry and 3D scanning) to generate virtual models of the things around us. The goal is to gain an understanding of how these technologies work and how we can use them artistically. By abstracting and decontextualizing the things, we will enter them into new sets of relations connected to the idea of the domestic. This will be done using virtual formats (web, video, VR) or physical ones (3D printing, CNC). Participants are encouraged to bring an idea for a project.

Literatur:
Bachelard, Gaston: Der Surrationalismus. Konstanz 2017.
Bachelard, Gaston: Poetik des Raumes. München 2014 (Originalausgabe: 1957/1960).
Latour, Bruno: „Eine Soziologie ohne Objekt?“. In: Berliner Journal für Soziologie, 2001, Nr. 2, S. 237-252.
Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
Sklovskij, Viktor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32; Viktor Shklovsky, „Art as Technique“.
Rancière, Jacques: Zehn Thesen zur Politik. Zürich 2008; Ten Theses on Politics. In: Theory & Event, 2001, Nr. 3.

Sommersemester 2020

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Montag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h – 16.00 h

Beginn: 20.04.2020

Ende: 13.07.2020

Ort: Raumstrategien, T3.01


2019/2020 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

KLISCHEE UND ORIENTIERUNG in einer experimentellen Schematheorie des ästhetischen Erlebens


Die pejorative Konnotation von ‚Klischee‘ kann sich daher nur auf Situationen beziehen, in denen ein Individuum unfähig ist, ein Schema zu problematisieren. Ich betrachte diese ‚Funktionslust‘ der ‚Zirkulärreaktionen‘ als die Grundlage des ästhetischen Genusses. (Oswald Wiener 1998)

In diesem Seminar werden wir einige konträre Hintergründe von ästhetisch-psychologischen sowie gesellschaftlichen Zusammenhängen reflektieren.

Die Eindringlichkeit erlebter Situationen sowie die Unzulänglichkeit ihrer Vermittlung, Rationalisierung oder gar Hervorbringung sowohl durch „Bilder“ (Repräsentation) als auch der „Form nach“ (Formalismus) bildete eine Grundlage der künstlerisch-politischen Kritik am „Spektakel“ wie sie eine Avantgarde der 1970er Jahre thematisierte und damit eine „Kunst ins Leben“ propagierte. Durch eine aktuelle Kritik von Jacques Rancière an diesen Positionen können wir unterschiedliche Auffassungen/Auslegungen diskutieren und einige seiner Themenfelder – von Emanzipation und „Autonomie der Kunst“ bis hin zum rationalen Diskurs versus Dissens – vertiefen.

Vorwiegend werden wir aber versuchen, die wichtige Rolle von Orientierung und Schemata (Jean Piaget) in der Ästhetik und Denkpsychologie (Oswald Wiener) zu verdeutlichen, um sie nebenbei auch von einer wichtigen Gesellschaftskritik der Rationalität und Rationalisierung abzuheben (Max Weber, Herbert Marcuse, Hannah Arendt, Jürgen Habermas). Zu allen angegebenen Themen und Texten kann durch ein Referat oder eine kleine Hausarbeit eine Modulbescheinigung erworben werden.

Praxisfenster: Da wir noch immer eine 360°-Kamera zum Experimentieren zur Verfügung haben, kann ich bei Interesse auch zwischenzeitlich noch eine kleine Einführung geben.

Literatur:
Arendt, Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben. Stuttgart 1960; The Human Condition. A Study of the Central Dilemmas Facing Modern Man. Garden City, NY 1958.
Habermas, Jürgen: Technik und Wissenschaft als „Ideologie“? In: Man and World, 1968, Nr. 4, S. 483-523.
Habermas, Jürgen: Hannah Arendts Begriff der Macht. In: Merkur, 1976, Heft 341, S. 946-960.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Band I. Frankfurt am Main 1981.
Kris, Ernst: Die ästhetische Illusion. Phänomene der Kunst in der Sicht der Psychoanalyse. Frankfurt am Main 1977.
Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Neuwied 1967.
Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes (1926). Stuttgart 1978.
Piaget, Jean: Nachahmung, Spiel und Traum (1959). Stuttgart 1975.
Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
Šklovskij, Victor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.

CLICHÉ AND ORIENTATION in an experimental schema theory of aesthetic experience


The pejorative connotation of 'cliché' can therefore only refer to situations, in which an individual is incapable of problematizing a scheme. I regard this 'functional pleasure' of 'circular reactions' as the basis of aesthetic pleasure. (Oswald Wiener 1998)

In this seminar, we will reflect on some contrary backgrounds of aesthetic-psychological as well as social contexts.

The intenseness of experienced situations as well as the inadequacy of their mediation, rationalisation or even production, both through "images" (representation) and "form after" (formalism), formed a basis for the artistic-political critique of the "spectacle" as thematized by an avant-garde of the 1970s and thus propagated an "art into life". Through Jacques Rancière’s current critique of these positions, we will discuss different views/interpretations and deepen a few of his thematic fields, from emancipation and “autonomy of art” to rational discourse versus dissent.

However, we will mainly try to clarify the important role of orientation and schemata (Jean Piaget) in aesthetics and psychology of thought (Oswald Wiener) in order to differentiate them from an important social critique of rationality and rationalisation (Max Weber, Herbert Marcuse, Hannah Arendt, Jürgen Habermas). A module certificate can be obtained for all topics and texts through a presentation or a small term paper.

Practice: Since we still have a 360° camera available for experimentation, I can give you a short introduction if you are interested.

Wintersemester 2019/2020

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Montag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 21.10.2019

Ende: 10.02.2020

Ort: Raumstrategien, T3.01


2019 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

SITUATION, IMMERSION – REPETITION. Ästhetik zwischen Abstandlosigkeit (Ergriffenheit) und Distanz (Diskontinuität)


Was außenstehenden Beobachtern häufig als Imitation [...] erscheint, erweist sich als [... eine allgemeine] Neigung, nämlich, aktiv zu wiederholen, was man passiv in Erfahrung gebracht hat. (Ernst Kris)

Im Sommersemester werden wir den Schwerpunkt verstärkt auf die praktische Umsetzung von Ideen zu Situationen und Räumen (ob virtuelle oder reelle) legen und zudem die wichtigen theoretischen Hintergründe dieser ästhetisch-psychologischen Zusammenhänge reflektieren.

Theorie: Die Eindringlichkeit erlebter Situationen sowie die Unzulänglichkeit ihrer Vermittlung, Rationalisierung oder gar Hervorbringung sowohl durch „Bilder“ (Repräsentation) als auch der „Form nach“ (Formalismus) bildete eine Grundlage der künstlerisch-politischen Kritik am „Spektakel“ wie sie eine Avantgarde der 1970er Jahre thematisierte. Wir werden über die Intention einer Ästhetik der Ergriffenheit (Oswald Wiener), aber auch über die Kritik an einer „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord) sprechen... Wichtig ist es m.M.n auch über aktuelle Sichtweisen dieser Thematik, der Distanz (dem Verstehen und Bewältigen) sowie der Diskontinuität zwischen künstlerischer Produktion und Rezeption zu diskutieren (Jacques Rancière).

Praxis: Wir werden die eingereichten, aber auch neue Vorschläge gemeinsam besprechen und erwägen, ob wir diese kooperativ verbinden und umsetzen können. Für die Praxis stehen uns montags flexiblere Zeiten zur Verfügung, die wir auch auszudehnen können. Außerdem haben wir nun zum Einsatz und Experimentieren eine 360°-Kamera zur Verfügung. Vorhaben ist es, mit den Kenntnissen über die 3D game engine (Unity) mit Cardboard, Smartphone und Kopfhörern eigene sensomotorische und auditive Räume/Situationen zu realisieren. Es gilt auch weiterhin, dass diese VR-Räume sich als Darstellungswerkzeuge für Inhalte auch aus anderen Seminaren und Themenfeldern eignen.

Literatur:
Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Berlin 1996.
Kris, Ernst: Die ästhetische Illusion. Phänomene der Kunst in der Sicht der Psychoanalyse. Frankfurt a. M. 1977.
Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2015.
Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.

SITUATION, IMMERSION – REPETITION Aesthetics between distancelessness (emotion) and distance (discontinuity)


What to outside observers frequently appears as an imitation [...] proves to be [... a general] tendency, that is, to repeat actively what has been passively experienced. (Ernst Kris)

This semester, we will focus more on the practical implementation of ideas on situations and spaces (virtual or real), while still reflecting on the important theoretical background of these aesthetic-psychological contexts.

Theory: The intenseness of experienced situations as well as the inadequacy of their mediation, rationalisation or even production, both through "images" (representation) and "form after" (formalism), formed a basis for the artistic-political critique of the "spectacle" by an avant-garde of the 1970s. We will talk about the intention of an aesthetics of emotion (Oswald Wiener), but also about the criticism of "The Society of the Spectacle" (Guy Debord) ... It is important to reflect on current views of this topic, on distance (understanding and coping) and discontinuity between artistic production and active reception (Jacques Rancière).

Practice: We will discuss the submitted as well as new proposals and consider whether we can connect and implement them cooperatively. In practice, we have more flexible time on Mondays, which we can also extend. In addition, we would have now a 360° camera for experiments. The intention is to use the 3D game engine (Unity) with Cardboard, Smartphone and headphones to realize own sensomotric and auditory spaces/situations. These VR rooms are also suitable as presentation tools for content from other seminars and topics.


Sommersemester 2019

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Montag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 01.04.2019

Ende: 01.07.2019

Ort: Raumstrategien, T3.01


2018/2019 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

AUTOMATENTHEORIE UND VIRTUALITÄT. Über die Ambivalenz künstlerisch-künstlicher Welt-„Bilder“


„Die Phantomatik hat gewisse Anlagen, sich zur Kunst zu entwickeln [...]. Es könnte deshalb in ihr zu einer ähnlichen Aufspaltung kommen wie beim Film, aber auch bei anderen Bereichen der Kunst (in eine künstlerisch wertvolle Produktion und in wertlosen Schund).“ (Stanislaw Lem, Summa technologiae, 1964)

Im kommenden Semester werden wir die Ambivalenzen des Künstlerisch-künstlichen in ihren Grundlagen thematisieren.

Einerseits werden wir eine Einführung in die Automaten- und Erkenntnistheorie, ganz ohne Computer, mit Papier und Bleistift und für jede/n, ohne Vorkenntnisse, durchführen. Eine stichhaltige kritische Einschätzung der technischen Entwicklungen heute mit Digitalisierung und Maschinellem „Lernen“ etc. lässt sich nur mit einigen Grundkenntnissen verstehen.

Andererseits werden wir mit einer Einführung in eine „3D game engine“ (Unity) herausfinden, wie weit sich bereits ohne Programmierkenntnisse und nur mit einer Pappschachtel (Cardboard) sowie einem Smartphone plus Kopfhörern eigene visuelle und auditive virtuelle Räume realisieren lassen. Diese VR-Räume können auch als Darstellungs-Werkzeuge für Inhalte aus anderen Seminaren und Themenfeldern herangezogen werden.

Hintergrund:
Die „Phantomatik“ von Stanislaw Lem und der „bio-adapter“ von Oswald Wiener waren in den Sechzigerjahren die beiden ersten – unabhängig voneinander formulierten – literarisch-künstlerisch umfassenden Skizzen (voll-immersiver) künstlicher Welten/Bewusstheiten, heute meist popularisiert und als Virtuelle Realität bezeichnet. Mehr als zwanzig Jahre zuvor hatte bereits Adolfo Bioy-Casares in „La invención de Morel“ über die Projektion vorgespiegelter Welten und die Lebendigkeit dieser Bilder sowie die Unsterblichkeit der so konservierten Darsteller/innen spekuliert. Doch seine Fragen verblieben noch vor der „ersten adaptionsstufe“ bzw. der „peripheren Phantomatik“ (und auch vor unserer „game engine“). Weit entfernt von fiktionaler Spielerei war Wieners Entwurf aus experimenteller Literatur erwachsen und hatte neue Impulse in die Grundlagenforschung zur Denk- und Bewusstseinspsychologie gesetzt. Auf die Ambivalenz des Künstlichen war schon damals gewiesen: „eine Regelmäßigkeit ist eine Turing-Maschine, ein Gegenstand ist ein Modell. So betrachtet ist Sinn ein Trick, die Beschränkungen der formalen Kapazität eines Organismus zu verlagern; er ermöglicht die Führung syntaktischer Operationen durch ‚Inhalt‘“ (Wiener, 1988). Als besonderer Aspekt ist der „bio-adapter“ im Rahmen von Wieners „die verbesserung von mitteleuropa, roman“ zu verstehen, die der damaligen Gesellschaft einen erkenntnistheoretischen Zerrspiegel ihrer abendländischen Evidenzen vorgehalten hat. Mit der Parole „befreiung von philosophie durch technik“ hat er nicht nur an dem Sockel des seinerzeit eingeläuteten linguistic turn (Wittgenstein et al.) durch Kybernetik gerüttelt, sondern auch die Abgründe der Kybernetik in positivistisch geregelten Gesellschaften parodiert. „erst eine sprachwissenschaft, welche die wirklichkeit ausgemerzt haben wird, kann eine behavioristische psychologie wirklich ermöglichen“. Kommt mit dem „bio-adapter“ ein Endzustand und eine potentielle Fratze des Bacon’schen Wissenschaftsprogramms selbst zum Vorschein, der wir mit unserer Technikentwicklung immer näher rücken? Mit der Verschwisterung von Wissenschaft und Technik geht nicht nur das „gesund-heroische ideal eines den kosmos regierenden homo sapiens“ in Erfüllung, sondern auch seine „trockenlegung“ und die „liquidierung“ dieses Menschen, prophezeit denn auch die „systembeschreibung“ des „bio-adapter“, dessen Zweck es ist, „die welt zu ersetzen, d.h. die bislang völlig ungenügende funktion der ‚vorgefundenen umwelt‘ als sender und empfänger lebenswichtiger nachrichten (nahrung und unterhaltung, stoff- und geistwechsel) in eigene regie zu übernehmen – und seiner individualisierten aufgabe besser zu entsprechen, als dies die ‚allen‘ gemeinsame, nunmehr veraltete sog. natürliche umwelt vermag“ (Oswald Wiener, appendix A, 1965/66).

Ausblick Automatentheorie:
Es geht darum, ein konkretes Verstehen der Wende in der Erkenntnistheorie des 20. Jahrhunderts zu vermitteln: die Aufhebung des totalitären Anspruchs der „mathesis universalis“ durch die Universelle Turing-Maschine. Aber was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit?

Ausblick auf das Virtuelle und die Immersion:
Sowohl den Begriff des Virtuellen, als auch den sich ausbreitenden Begriff der Immersion sollte man auf verschiedenen Ebenen diskutieren. Als virtuell lässt sich ein Prozess in einem Zustandsraum (eines Automaten) dem physikalischen Prozess gegenüberstellen. Was sind die Unterschiede? Und was sind die Gemeinsamkeiten zu einem Denk- oder Vorstellungsprozess? Die Immersion – als ein sich in Situationen oder Räumen wähnen, in denen man nicht ist – lässt sich einerseits verstehen als technische (heute digitale) Weiterentwicklung des Trompe-l’Œil, doch um die entscheidende Funktion der Rückkopplung erweitert, d.h. auf die Reaktionen des „Bildes“ auf die Handlungen der Betrachter/innen. Andererseits sind die Sprünge in andere Situationen auch im kindlichen Spiel, im Traum, in der Metapher, ja sogar als Erinnerung, immersive Formen eines grundlegend menschlichen Handlungsspielraums, die allerdings nicht, oder nur in geringem Ausmaß, auf eine Stimulation der Sinnesorgane angewiesen sind. Und auf welchen psychologischen Grundlagen basiert die Immersion in Hinsicht auf ein Ab- oder Untertauchen, ein „Sich-Wegbeamen“ – aus der Handlung des Kindes als „Schmoller“? (Friedrich W. Heubach, 2017)

Literatur:
Bioy-Casares, Adolfo: Morels Erfindung. München 1975; Originalausgabe: La invención de Morel. Buenos Aires 1940.
Lem, Stanislaw: Summa technologiae, Frankfurt am Main 1981; Originalausgabe: Kraków 1964.
Heubach, Friedrich W.: le dandysme. Hamburg 2017.
Wiener, Oswald: die verbesserung von mitteleuropa, roman. Reinbek 1969.
Wiener, Oswald: Schriften zur Erkenntnistheorie. Wien, New York 1996.
Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.


AUTOMATA THEORY AND VIRTUALITY. On the ambivalence of artistic-artificial images of the world


Phantomatics has a certain potential to become an art. [...] It could thus experience a bifurcation of a kind that happens in cinema as well as other domains of art into artistically valuable production and worthless trash. (Stanislaw Lem, Summa technologiae, 1964)

This semesters, we will discuss the ambivalences of the artistic-artificial image in its basic concepts.

On the one hand, we will have an introduction in the automata theory and epistemology, completely without a computer, only with paper and pencil and for everyone without any previous knowledge. A substantive critical view on today’s technical developments with digitization and machine "learning" etc. can only be understood with some basic knowledge.

On the other hand, with an introduction to a "3D game engine" (Unity) we will find out, how far visual and auditory virtual spaces can be realized without any programming knowledge and only with a cardboard box and a smartphone plus headphones. These VR Rooms can also be used as presentation tools for contents from other seminars and topics.


Wintersemester 2018/2019

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Montag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 15.10.2018

Ende: 04.02.2019

Ort: Raumstrategien, T3.01


2018 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

SUBVERSION ODER SUBTILITÄT? Gedanken über flache und dicke Formalismen


In diesem Semester jährt sich der Pariser Mai 1968 zum fünfzigsten Mal und vor zehn Jahren eröffnete uns Jacques Rancière in seiner „post-situationistischen Weisheit“, dass die heutige Situation „aus jedem Protest ein Spektakel und aus jedem Spektakel eine Ware“ macht. Diese „linke Ironie oder Melancholie [...] drängt uns dazu, zu gestehen, dass all unser Begehren nach Subversion [...] dem Gesetz des Marktes gehorcht [...]. Es bietet somit jedem an, was er erhoffen kann“.

Das Seminar wird sich in drei Schwerpunkten mit einigen Voraussetzungen dieser Einschätzung beschäftigen. Es gilt mit Rancière kritisch zu fragen, welche Modelle der Wirksamkeit hinter künstlerischen Strategien und deren Erwartungen stehen?

Theorie: Kunst bzw. Ästhetik – von der situationistischen Aktion über den Wunsch nach Partizipation zu den wiederentdeckten Objekten/Gegenständen (G. Debord, J. Rancière, C. Bishop, B. Latour)... Es steht im Raum: Den „zweifelhaften Morallektionen der Repräsentation“ (pädagogisches Modell) wurde die „Kunst ohne Repräsentation“ entgegengesetzt. Rancières Modell der ästhetischen Wirksamkeit beschreibt jedoch nicht die Aufhebung der Bereiche Kunst und Leben durch die Abschaffung der „Repräsentation“ (des Spektakels?), sondern die Anerkennung dieser Trennung als ästhetische Distanz? Als „Diskontinuität zwischen den sinnlichen Formen der Kunstproduktion und den sinnlichen Formen, vermittels derer die Zuschauer [...] sich die Kunstproduktion aneignen“. Wir werden im Seminar dieses Wirksamkeits-Modell befragen.

Psychogenese der Moral – Lüge und Gerechtigkeit (J. Piaget)... Es steht im Raum: Wie kommt es in der kindlichen Entwicklung zu einem „Unrechtsempfinden“ und wie verändert sich dieses? Thematisiert wird u.a. die moralische Einstellung zum Befolgen von Regeln (d.h. der Bezug zu Formalismen). Interessant ist vielleicht der Übergang von einer Autoritätsmoral – der Nicht-Unterscheidung von Gehorsam und Gerechtigkeit – zu einer Kooperationsfähigkeit (einem „Gewissen“?).

Entwicklungsgeschichte der Formalismen bzw. Maschinen – von A. Turing bis zu Maschinellem Lernen, Künstlichen Neuronalen Netzen und Algorithmischen Entscheidungen (Algorithmic Decision Making, ADM)... Es steht im Raum: Warum mangelt es dem Intelligenz-Ersatz noch immer am Erkennen, Verstehen und der Fähigkeit zu lügen? (O. Wiener) Und warum ist die Diskrepanz gerade da am größten, wenn die Maschinen (immer häufiger) zur Beurteilung und Vorhersage von menschlichem Handeln/Verhalten eingesetzt werden? Auch hier wird versucht, einen Bogen zu dem Modell des Anderen, des Rezipienten und des emanzipierten Zuschauers (J. Rancière) zu schlagen.

Praxis: Experimentieren mit Deep Learning... Es steht im Raum: Was sagen uns die CNN (Convolutional Neural Network) über das Visuelle und gibt es dafür eine künstlerische Verwendung? Aus aktuellem Anlass beschäftigen wir uns auch mit der im April 2018 in Kraft tretenden EU-Verordnung (2016/679) zum Schutz natürlicher Personen vor der Diskriminierung durch ADM.

Literatur:
Bishop, Claire: Artificial Hells. Participatory Art and the Politics of Spectatorship. London/New York 2012.
Piaget, Jean: Das moralische Urteil beim Kinde. Stuttgart 1983; The Moral Judgment of the Child. New York [u.a.] 1997.
Rancière, Jacques: Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009/2015; The Emancipated Spectator. London/New York 2009.
Wiener, Oswald: Über das Ziel der Erkenntnistheorie, Maschinen zu bauen die lügen können, d.h. eigentlich nur über einige Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin. In: ders.: Schriften zur Erkenntnistheorie. Wien/New York 1996, S. 96-107.

SUBVERSION OR SUBTLETY? Thoughts about flat and thick formalisms


This semester, the May 68 celebrates its fiftieth anniversary and Jacques Rancière proclaimed ten years ago in his “post-Situationist wisdom” that today's situation “makes any protest a spectacle and any spectacle a commodity”. This “left-wing irony or melancholy [...] urges us to admit that all our desire for subversion still obey the law of the market. [...] It thus offers everyone what they might desire”.

The seminar will focus on three main topics with some preconditions of this estimation. With Rancière, we have to ask critically, which models of effectiveness are behind artistic strategies and their expectations?

Sommersemester 2018

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Zeit: 14.00 h

Beginn: 11.04.2018

Ende: 11.07.2018

Ort: Raumstrategien, T3.01


2017/2018 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

OBJEKT <-> SUBJEKT UND HANDLUNG zwischen Konstruktivismus und Behaviorismus


Im Verlauf des Seminars soll der Objekt- und Handlungsbegriff unter einem erkenntnistheoretischen und ästhetischen Gesichtspunkt untersucht werden. Der frühkindlich erworbene Objektbegriff ist nicht zu trennen von Handlungskomplexen eines sich daran differenzierenden Subjekts.

Aus aktuellem Anlass können wir das „künstlerische Objekt“, das im Zentrum des Symposiums – „The Readymade Century“ ©HKW – steht, durch Aneignung und Defamiliarisierung der dort verhandelten theoretischen und künstlerischen Beiträge in unsere eigenen Diskussionen eingliedern. D.h. zum Auftakt des Seminars werden wir am 12.10. nachmittags sowie am 13.10. das Symposium im HKW* besuchen.

Ist das Objekt bei Freud der wechselnde Bezugspunkt für die Triebhandlungen, so ist das sensomotorische Handlungsschema bei Piaget analog dazu das sich am Objekt entwickelnde System von Bedeutungen (noch vor jedem Spracherlernen) und die Grundlage für das spätere anschauliche, begriffliche, aber auch formale Denken mit der Möglichkeit der Formalisierung (Algorithmisierung). Mit der praktischen „Halbfiktion“ des kindlichen Handelns mit stellvertretenden Objekten (Spielen) und der „imaginativen Fiktion“ des Handelns ohne Objekt (Vorstellung) bildet sich ein Wirklichkeits- bzw. Realitätsprinzip heraus, ohne das kein Weltbild denkbar wäre.

Nebenbei müsste sich durch den Handlungsbegriff die Duchamp’sche Haltung zur „retinalen Kunst“ und die Rekontextualisierung seiner Objekte etwas angemessener verstehen lassen, als sie auf ein Begriffssystem der Sprache zu reduzieren?

Weiter in Bezug dazu bleiben unsere bisherigen Überlegungen zum Bildbegriff, den man aus obigen Gründen bei den Convolutional NN vermisst, weswegen sie keine Bilder erkennen... und des algorithmischen Lernens, das ohne Nachahmung, Spiel und Traum (Piaget) keine Intention, d.h. auch keine Begriffe von Möglichkeit, Notwendigkeit, Zeit und Raum konstruiert.

*Im Rahmen von „100 Jahren Gegenwart“ fragt das Symposium im HKW: „Welche Bedeutung hat das Konzept des Readymade – von Marcel Duchamp ab 1916 zur Bezeichnung seiner vorgefertigten (‚already made‘) Kunstwerke verwendet – angesichts der globalen wie digitalen Transformationen des 21. Jahrhunderts?“. Verhandelt wird das Objekt als „Algorithmic Act“ (Katja Kwastek, Oliver Laric), als Spekulationsobjekt für den Kapital- und Theorie-Markt (Sven Lütticken, Simon Denny), als transkulturelles re- und dekontextualisiertes Objekt (Benjamin Meyer-Krahmer, Kader Attia) wie auch als immaterielles Phänomen von Copyrights, Urheberschaft, Originalität und Entfremdung, auch im Feld konzeptioneller Kunst (Martha Buskirk, Olaf Nicolai) bzw. (Lars Blunck, Saâdane Afif).

Unter den vielfältigen Aspekten zum Objekt und zur Handlung können Referate, Hausarbeiten oder eigene künstlerische Arbeiten entstehen.

Link:
https://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/the_ready_made_century/the_ready_made_century_start.php

Literatur:
Foos, Peter: L’objet ambigue in Philosophie und Kunst. Valéry, Kant, Deleuze und Duchamp im platonischen Differential. Düsseldorf 1999.
Gauss, Ulrike (Hrsg.): Marcel Duchamp: Interviews und Statements. Gesammelt, übersetzt und annotiert von Serge Stauffer. Ostfildern-Ruit 1992.
Molderings, Herbert: Marcel Duchamp. Parawissenschaft, das Ephemere und der Skeptizismus (1983). Düsseldorf 1997.
Piaget, Jean: Nachahmung, Spiel und Traum (1959). Stuttgart 1975.
Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes (1926). Stuttgart 1978.
Pörksen, Bernhard (Hrsg.): Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Wiesbaden 2011.
Schwarz, Arturo: The Complete Works of Marcel Duchamp. New York 2000.

OBJECT <-> SUBJECT AND ACTION between Constructivism and Behaviorism


In the course of the seminar, the concept of object and action is to be investigated under an epistemological and aesthetic point of view. The concept of an object, which is acquired in an early child development, cannot be separated from the action complexes of a differentiating subject.

On the occasion of the event, we may incorporate the "artistic object", which is at the center of the symposium – "The Readymade Century" © HKW – by appropriating and defamiliarizing the theoretical and artistic contributions negotiated there, into our own discussions. At the beginning of the seminar, we will attend the symposium at the HKW* (12./13.10.2017).

Wintersemester 2017/2018

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 12.10.2017

Ende: 07.02.2018

Ort: Raumstrategien, T3.01


2017 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

KUNST, PSYCHOLOGIE UND TECHNIK


In unbedenklicher Vermenschlichung läßt man Maschinen Informationen empfangen, Nachrichten austauschen, Entscheidungen fällen und Zielen zustreben. [...] Der fundamentale Unterschied der Beziehung eines erlebenden Wesens zur gegenständlichen Welt und eines Organismus zu Reizen wird ignoriert. (Erwin Straus, Vom Sinn der Sinne, 1956)

Im kommenden Semester sollen einige der brennendsten Fragen, die in den Vorträgen im Januar an der KHM Köln von und bei den Diskussionen mit Oswald Wiener und Friedrich W. Heubach angestoßen wurden, ausführlich vorgestellt und weiter vertieft werden. Wichtig wären hier einige Begriffsklärungen: Orientierung, Analogie, Bild und Repräsentation, sinnliches Erkennen...
VORKENNTNISSE ÜBER DIE THEMATIK SIND NICHT ERFORDERLICH.

Zu leichtfertig werden die psychologischen Terme „Lernen“, „Bild“ und „Intelligenz“ etc. auf die Technik übertragen, d.h. auf die Praxis der zeitgenössischen Maschinen (Neuronenmodelle und ihre Netzwerke), denn diese Kaschierungen stammen aus einer „kaltblütigen“ Simulation (O. Wiener)! Oder sitzen womöglich ihre Theoretiker*innen aus dem Silicon Valley und der Neurophysiologie selbst einem trügerischen Anthropomorphismus auf? Während auf der einen Seite die Kritiker mit technischen Einwänden auffahren (R. Penrose), wollen wir auf der anderen Seite herausstellen, was uns die künstlerische Erfahrung über die Gegenstände des Erlebens in einer wechselnden Orientierung lehrt.

Bild- und Repräsentations-Begriffe
Was ist ein Bild? Die Frage stellt sich in psychologischer, bildtheoretischer vs. bildwissenschaftlicher Hinsicht. Ausgehend von dem Thema „Imagination“ haben wir uns im letzten Semester dem Thema „Bild“, wie es für einen „homo pictor“ vorgezeichnet war, angenähert. In was für einer Beziehung stehen dazu die Leistungen der aktuellen algorithmischen „Bilderkennung“? Wo bleibt die „Repräsentation“ als Grundlage der „gegenständlichen Welt“, des „Bedeutungssystems“ und als Voraussetzung für das kindliche Spiel und des ästhetischen Verhaltens?

Vom Sinn und Unsinn einer Intelligenz-Definition
Zwischen einer „Intelligenz des Künstlerischen“ und dem „Intelligenz-Ersatz“ der zeitgenössischen Maschinen-Praxis klafft eine riesige Lücke. Lassen sich diese Intelligenzbegriffe vergleichen, oder ist bereits der Versuch einer umfassenden Definition tautologisch, da „Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst“?

Vom sinnlichen Erkennen und der Analogie
Ein dritter Teil handelt a) von Friedrich W. Heubachs Beispielen zur „sinnlichen Erfahrung“ und der Herausforderung bzw. dem Versuch, ihnen einen erweiterten Zusammenhang durch eine Begriffsklärung der Terme „Assoziation“ und „Analogie“ zu geben und b) von Oswald Wieners Beispiel eines Tongegenstands, denselben er/wir „einmal als si, ein andermal als ein mi, [erleben können] ohne die zugehörigen Akkorde zu hören oder auch nur vorzustellen“. Verschiedene Beispiele führen uns zu unterschiedlichen Aspekten des Begriffs „Orientierung“.

Orientierungsbegriff
In unserem heutigen Orientierungsbegriff, als temporäre Gesamtorganisation von Heterarchien aus sensomotorischen und begrifflichen Schemata eines Organismus, kulminierte ein Großteil der Psychologiegeschichte, intersubjektiv erfahrbar in der Selbstbeobachtung. Angefangen von Ewald Herings Gegenfarbtheorie (später Maturana et. al), über Carl Stumpfs Tonpsychologie („Verschmelzung“) und den denkpsychologischen Versuchen der Würzburger Schule. Unterschiedliche Aspekte sollen hervorgehoben werden.

Weitere Themenvorschläge zur Diskussion und für Referate (bzw. Hausarbeiten) wären:
– Turings „objection“ im Kybernetik-Artikel von Oswald Wiener 2015 – Eine kritische Auseinandersetzung mit der CCRU (Cybernetic Culture Research Unit) und dem Akzelerationismus (z.B. Lütticken, Die Mächte des Falschen, TzK 2017) – Ein Abstecher zu F. W. Heubachs Darstellung des Pankraz bzw. des Schmollers und sein Zusammenhang zum Dandy und dem Konzept des bioadapters (Heubach, le dandysme, 2017) – Der Zusammenhang von Convolutional Neural Networks (CNN) mit der neurologischen Forschung von D. Hubel. (z.B. Nielsen 2017) – J. J. Gibsons Kritik am Wahrnehmungs- und Bildbegriff der Psychologie (Gibson 1978).

Einführende Literatur
Gibson, James J.: The Ecological Approach to the Visual Perception of Pictures. In: Leornado 1978, Vol. 11, No. 3, pp. 227-235.
Heubach, Friedrich W.: Wieso es keine Bilder gibt und warum sie doch gesehen werden, zum Behelf der Bilder. In: SITE 2005, Heft 8, S. 76-82.
Heubach, Friedrich W.: le dandysme. Hamburg 2017.
Hubel, David H.: Auge und Gehirn/Eye, Brain, and Vision. Heidelberg 1989 (Engl. 1988).
Jonas, Hans: Homo Pictor und die Differentia des Menschen. In: Zeitschrift für philosophische Forschung 1961, Bd. 15, Heft 2, S. 161-176.
Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
Nielsen, Michael: Neural Networks and Deep Learning, 2017, http://neuralnetworksanddeeplearning.com/
Penrose, Roger: Computerdenken, die Debatte um künstliche Intelligenz, Bewußtsein und die Gesetze der Physik. Heidelberg 2002.
Piaget, Jean: Psychologie der Intelligenz. Rieden 2000.
Schwarz, Michael: Situation und Orientierung in künstlichen Entscheidungsprozessen (Eine Skizze)/ Situation and Orientation in Artificial Decision Making (A Draft). Berlin 2017.
Straus, Erwin: Vom Sinn der Sinne. Berlin/Göttingen/Heidelberg 1956.
Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.
Lütticken, Sven: Die Mächte des Falschen/The Powers of the False. In: Texte zur Kunst März 2017, Heft 105, S. 72-91.


ART, PSYCHOLOGY AND TECHNOLOGY


In uncritical anthropomorphic interpretation, machines are said to receive information, to exchange data, to make decisions, and to pursue goals. [...] The fundamental difference between the relationship of an experiencing being to the world of objects and of an organism to the stimuli is ignored. (Erwin Straus, The Primary World of Senses, 1963)

In the coming semester, some of the most burning questions that were raised from the lectures in January at the KHM Cologne and during the discussions with Oswald Wiener and Friedrich W. Heubach will be presented in detail and further deepened. The explanation of some terms would be important: orientation, analogy, image and representation, sensual recognition...
PREVIOUS KNOWLEDGE IS NOT REQUIRED.


Sommersemester 2017

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 19.04.2017

Ende: 19.07.2017

Ort: Raumstrategien, T3.02


2016/2017 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
Hauptstudium
Theorieseminar

KUNST UND INTROSPEKTION


Worum geht es?

…Fokus einer aktuellen, GENETISCHEN ÄSTHETIK UND ERKENNTNISTHEORIE …Mechanismen der DYNAMIK VON GESTALTBILDENDEN PROZESSEN …der KREATIVE AKT …ästhetische ERGRIFFENHEIT (OSWALD WIENER) …EIGENE SELBSTBEOBACHTUNGSEXPERIMENTE …Frage, ob wir IN 'BILDERN' ODER IN 'OPERATIONEN' DENKEN …ORIENTIERUNG …Grenzen der BERECHENBARKEIT?

Dem sich selbst und seine künstlerischen Bedingungen untersuchenden Subjekt steht historisch die Erlebnispsychologie mit ihren epochemachenden introspektiven Experimenten zur Seite. Ersatz für die physikalistische Assoziationspsychologie war damals die Entdeckung einer kognitiv-operationalen Schematheorie des produktiven Denkens (O. Selz). Im Fokus einer aktuellen, genetischen Ästhetik und Erkenntnistheorie stehen vielmehr die bisher nur oberflächlich bekannten Mechanismen der Dynamik von gestaltbildenden Prozessen, ob in „poetischer Einbildungskraft“ oder Konstruktion wissenschaftlicher Invarianten (G. Bachelard).

Mündet der „kreative Akt“ im malerischen, bildhauerischen, poetischen oder wissenschaftlichen „Bild“? Oder liegt die ästhetische „Ergriffenheit“ (O. Wiener) vielmehr im Prozess des Erhalts, der Erarbeitung bzw. dem Erwerb von Strukturen. Eigene Selbstbeobachtungs-Experimente zur Imagery-Debatte (S. Kosslyn und Z. Pylyshyn) und der Frage, ob wir in „Bildern“ oder in „Operationen“ denken, können zur Tiefe der „Orientierung“ führen, die uns von beiden unterscheidet!

Ein erster Ursprung der „Tiefe“ findet sich in der prälogischen Verdinglichung als Wechselwirkung von bio-psychologischem Organismus und seiner Umwelt (F. W. Heubach, G. Cellérier, J. Piaget), damit zusammenhängend, die Technik der Ästhetisierung (V. Sklovskij, F. W. Heubach) und die Frage nach einer kognitiven Orientierung in einer „Psychologie der Kunst“ (H. Kreitler und S. Kreitler). Eine weitere „Tiefe“ findet sich in der Konstruktion von Modellen, der Fähigkeit zur „Anschauung“ (ob kategorial oder sensual) und dem einsichtigen Denken.

Für ein Verständnis der Problematik sind ein paar technische Metaphern wie der Strukturbegriff von O. Wiener hilfreich: Erläuterungen zu trivialen und gefalteten Maschinen sowie drei Arten von Gedächtnis. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit? Wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken (Kreativität) und zu einer entwicklungspsychologischen Ästhetik in Beziehung? Die erarbeitete Thematik kann als eine Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung 'Die Künstlichkeit der Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen' (MI 25. Januar 2017, 19 Uhr) verstanden werden.

Damit verbunden sind die folgenden weiteren Veranstaltungen vom 24. bis 27. Januar 2017.

Veranstaltungsinformationen


DI 24. Januar 2017
19 Uhr, Aula KHM
Intelligenz und Intelligenz-Ersatz
Vortrag von OSWALD WIENER

MI 25. Januar 2017
14 – 16 Uhr, KHM (Filzengraben 8–10)
Austausch Studierende (KHM Köln/MA Raumstrategien Berlin)
19 Uhr, Aula KHM
Die künstliche Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen
Gespräch zwischen OSWALD WIENER und FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
Einleitung und Moderation: Hans Ulrich Reck

DO 26. Januar 2017
14 – 16 Uhr, KHM Atelier für Gestaltung 4.02
Nachlese: Gespräch der Studierenden mit OSWALD WIENER
19 Uhr, Aula KHM
Traum vs. Bild
Vortrag von FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
20 Uhr, Glasmoog
Vernissage der Ausstellung 'Gobelins und Traumbilder' von INGRID WIENER

FR 27. Januar 2017
14 – 16 Uhr, KHM Atelier für Gestaltung 4.02
Nachlese: Gespräch der Studierenden mit FRIEDRICH WOLFRAM HEUBACH
16 Uhr, Glasmoog
Warum macht man etwas? So? Nicht anders?
Werkstattbericht/Werkstattgespräch mit INGRID WIENER


Kunst und Introspektion Literatur (Auswahl):
Bachelard, Gaston: Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes. Frankfurt a. M. 1987.
Heubach, Friedrich W.: Die Ästhetisierung: Eine psychologische Untersuchung ihrer Struktur und Funktion. Köln 1974.
Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987 und 1996.
Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
Schwarz, Michael: Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung – Oswald Wieners Denkpsychologie. Frankfurt a. M. 2015, S. 389-441.
Šklovskij, Viktor: Kunst als Verfahren [1916]. In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.
Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.
Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.


Wintersemester 2016/2017

Wochentag(e): Samstag, 29. Oktober, Freitag, 18. November, Freitag, 9. Dezember und Samstag, 7. Januar. Plus weitere Veranstaltungen vom 24. bis 27. Januar 2017

Zeit: ganztägig, jeweils 10.00 – 13.00 und 14.00 – 17.00 Uhr

Ort: Atelier für Gestaltung 4.02, Filzengraben 8–10, 4. Etage

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

IMAGINÄRES SEHEN IN KUNST UND INTROSPEKTION


Das Seminar mit Exkursion zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung an der Kunsthochschule für Medien in Köln gliedert sich in vier Bereiche:

Selbstbeobachtung (Geschichte, Experimente, Theorie), Automatentheorie (Einführung, Strukturbegriff, Grenzen der Berechenbarkeit, triviale, „gefaltete“ und Universelle Turing-Maschine), entwicklungspsychologische Ästhetik (Orientierung und Situation), Ausstellungsbesuch, Vorträge und Diskussionen mit Expert/innen (Friedrich W. Heubach, Hans Ulrich Reck, Ingrid und Oswald Wiener).

Was ist ein Bild? Was eine Operation? Was ist Wahrnehmung und Handlung, Sinn und Bedeutung in einer Theorie der Vorstellung? Überall liegen hier zunächst nur Worte vor. Die Frage soll sein, welche Bedeutung man diesen Worten [...] beilegen und ob man diese Bedeutungen durch den Hinweis auf bestimmte Wahrnehmungen erläutern kann. (Carl Stumpf)

Mündet der „kreative Akt“ im malerischen, bildhauerischen, poetischen oder wissenschaftlichen „Bild“? Oder liegt die ästhetische „Ergriffenheit“ (O. Wiener) vielmehr im Prozess des Erhalts, der Erarbeitung bzw. dem Erwerb von Strukturen. Eigene Selbstbeobachtungs-Experimente zur Imagery-Debatte (S. Kosslyn und Z. Pylyshyn) und der Frage, ob wir in „Bildern“ oder in „Operationen“ denken, können zur Tiefe der „Orientierung“ führen, die uns von beiden unterscheidet!

In einem Auftaktvortrag „Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen“ soll an einem konkreten Beispiel (NIM) das Fehlen dieser „Tiefe“ in der Struktur von „flachen Formalismen“ (DeepQA etc.) erläutert, aber auch neues Licht in die landläufigen Missverständnisse von vermeintlich „sinnlicher“ und „unmittelbarer“ Anschauung sowie in die angeblich „reduktionistische“ Abstraktion gebracht werden.

Im Seminar vorgesehen ist eine Einführung in die Automatentheorie, um einem Verständnis der Problematik mit ein paar technischen Metaphern wie dem Strukturbegriff von O. Wiener, den Begriffen von trivialen und gefalteten Maschinen sowie der Unterscheidung von drei Arten von Gedächtnis näherzukommen. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken in Beziehung?

Die Notwendigkeit von Struktur für den Orientierungs-Begriff soll im Seminar weiter vertieft und zu einer entwicklungspsychologischen Ästhetik sowie zu einer Ästhetisierung (F. W. Heubach, V. Šklovskij) in Beziehung gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund soll zudem eine falsch verstandene Kritik an der Subjektivität in der Ästhetik thematisiert werden.

Die erarbeitete Thematik kann als Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung an der KHM Köln verstanden werden.

Veranstaltungsinformationen


Exkursion (24. – 26. Januar 2017)

DI 24. Januar 2017, 19 Uhr, Aula KHM
Vortrag von Oswald Wiener, N. N.

MI 25. Januar 2017, 14 – 16 Uhr, Seminarraum KHM
Austausch zwischen Studierenden der KHM Köln und Raumstrategien Berlin

MI 25. Januar 2017, 19 Uhr, Aula KHM
Podiumsdiskussion: Die Künstliche Intelligenz und die Intelligenz des Künstlerischen
Diskussion mit Oswald Wiener, Friedrich W. Heubach, Moderation: Hans Ulrich Reck

DO 26. Januar 2017, 14 – 16 Uhr, Seminarraum KHM
Seminar und Gespräch mit Oswald Wiener

DO 26. Januar 2017, 18 Uhr, Glasmoog/ KHM
Vernissage der Ausstellung von Ingrid Wiener „Textil und Traumbilder“ (Arbeitstitel)

DO 26. Januar 2017, 20 Uhr, Aula KHM
Vortrag von Friedrich W. Heubach, Imaginäres Sehen mit Bezug auf die Traumbilder von Ingrid Wiener (Arbeitstitel)


Literatur (Auswahl):
Gibson, James J.: The Ecological Approach to the Visual Perception of Pictures. In: Leornado 1978, Vol. 11, No. 3, pp. 227-235.
Gottschling, Verena: Bilder im Geiste: Die Imagery-Debatte. Paderborn 2003.
Heubach, Friedrich W.: Die Ästhetisierung: Eine psychologische Untersuchung ihrer Struktur und Funktion. Köln 1974.
Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987 und 1996.
Heubach, Friedrich W.: Wieso es keine Bilder gibt und warum sie doch gesehen werden, zum Behelf der Bilder. In: SITE 2005, Heft 8, S. 76-82.
Kreitler, Hans und Shulamith Kreitler: Psychologie der Kunst. Stuttgart 1980.
Schwarz, Michael: Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung – Oswald Wieners Denkpsychologie. Frankfurt a. M. 2015, S. 389-441.
Schwarz, Michael: Selbstbeobachtungskonzepte. In: Galliker, Mark und Uwe Wolfradt (Hrsg.). Kompendium psychologischer Theorien. Frankfurt a. M. 2015, S. 410-413.
Šklovskij, Viktor: Kunst als Verfahren [1916]. In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991, S. 11-32.
Wiener, Oswald: Literarische Aufsätze. Wien 1998.
Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.
Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst. In: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.
Wiener, Oswald: Für Maria. In: Hegyi, Lóránd (Hrsg.): Maria Lassnig. Wien 1999, S. 177-187.

Beginn der Veranstaltung ist Dienstag, 18.10.2016, um 14.00 Uhr im Seminarraum in der Concordia. Nach einer Einführung in das Thema findet mein Auftaktvortrag „Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen“ um 16.00 Uhr in der KUNSTHALLE AM HAMBURGER PLATZ statt.

IMAGINARY VISION IN ART AND INTROSPEKTION


The seminar with excursion to a common final event at the Academy of Media Arts Cologne is divided into four topics:

Introspection (history, experiments, theory), automata theory (introduction, concept of structure, limits of computability, trivial, “folded”, and Universal Turing Machines), developmental psychology aesthetics (orientation and situation), exhibition visit, lectures, and discussions with experts (Friedrich W. Heubach, Hans Ulrich Reck, Ingrid and Oswald Wiener).


Wintersemester 2016/2017

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Dienstag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 18.10.2016

Ende: 14.02.2017

Ort: Raumstrategien, T3.01


2016 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

RAUM-ERFAHRUNG, -VORSTELLUNG, -ERKENNTNIS


Das nicht nur theoretisch ausgelegte Seminar soll die psychologische, experimentell-künstlerische bzw. -ästhetische und erkenntnistheoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen/Komplex RAUM im Übergang von der Moderne zur Gegenwart untersuchen.

Vom RAUM der Moderne zum RAUM der Gegenwartskunst

Ob die Moderne nun mit der Auflösung der egozentrischen RAUMperspektiven und dem Reduktionismus auf das „Sinnliche“ und „Autonome“ am KunstWERK beginnt oder gerade mit der Neubegründung des RAUMS durch die „nicht retinale“ (kognitive, a-modale, virtuelle) „Idee“ der Bewegung bis in die vierte Dimension (M. Duchamp) durchschlägt – Grundlage der Konzeptkunst (J. Kosuth, S. LeWitt) – sei dahingestellt. Die Kunst der Gegenwart (seit den 60er/70er Jahren des 20. Jhs.) kündigte sich durch einen Wandel von der Werkästhetik zu einer Ästhetik der Erfahrung von sozialen, politischen, Erkenntnis- und Handlungs-RÄUMEN bzw. Situationen an.

Ein künstlerischer Übergang vom RAUM-Begriff zu der Frage nach dem Charakter von RÄUMEN kann anhand von Referaten zu folgenden oder eigenen Themen besprochen werden: Duchamps Idee der Bewegung von der Tiefenwahrnehmung bis zum vierdimensionalen RAUM, Frederick Kieslers RAUMtheater; sozialer, politischer und Möglichkeits-RAUM (z.B. Joseph Beuys, Martha Rosler, Adrian Piper, Dan Graham); Gordon Matta-Clarks RAUM-Cuttings; Maria Lassnigs propriozeptiver Körper- und Vorstellungs-RAUM; Bruce Naumans psychologischer RAUM der Öffentlichkeit oder Louis Aragons StadtRAUM...

Als Beispiel für eine „Stimmung“ bzw. einen Charakter, bezogen auf bestimmte RÄUME, wird das Unheimliche (S. Freud) herangezogen und auch auf den architektonischen RAUM bezogen (Anthony Vidler), evtl. mit einem Ausflug zu Mike Kelleys „The Uncanny“ oder zur Pathologie des RAUMES (Agoraphobie und Klaustrophobie).

Der epistemologische RAUM

Historisch spaltet sich die Erkenntnistheorie im Gegensatz zu Kant bei der Frage nach dem RAUM-Begriff in zwei Lager, einerseits in Psychologen, die den RAUM aus den Phänomenen der Wahrnehmung ableiten (von Carl Stumpf und Albert Michotte bis zu J.J. Gibson) und andererseits jene, die von Henri Poincarés „Gruppen der Ortsveränderung“ ausgehen, wie z.B. Piaget mit seinem sensomotorischen RAUM. Wie steht dieser Wahrnehmungs- bzw. HandlungsRAUM mit dem geometrischen (H. v. Helmholtz) und dem mathematisch, axiomatischen RAUM (D. Hilbert) in Beziehung?

In den unterschiedlichen Auslegungen findet sich ein Ausgangspunkt wieder, den wir im letzten Semester als Gegensatz der Realisten und Konstruktivisten besprochen haben. Also, warum nicht noch einmal genau hinsehen – ohne die gewohnte Polemik zwischen Materialismus versus Empiriokritizismus (W. I. Lenin), Spekulativem Realismus versus Konstruktivismus (Modephilosophie) in den Vordergrund zu stellen.


Literatur:
Aragon, Louis. Der Pariser Bauer [1926]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996.
Freud, Sigmund. Das Unheimliche [1919]. In: Freud, Anna (Hrsg.). Gesammelte Werke. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 1999, Bd. XII., S. 227-278.
Küpper, Joachim und Christoph Menke (Hrsg.). Dimensionen ästhetischer Erfahrung. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003.
Piaget, Jean. Die Äquilibration der kognitiven Strukturen. Stuttgart: Klett, 1976.
Piaget, Jean. Die Entwicklung des Erkennens I. Das mathematische Denken [1950]. Stuttgart: Klett, 1975.
Poincaré, Henri. Wissenschaft und Hypothese [1904]. Leipzig/Berlin: Teubner, 1928.
Poincaré, Henri. Der Wert der Wissenschaft [1906]. Leipzig/Berlin: Teubner, 1921.
Stumpf, Carl. Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung. Leipzig: S. Hirzel, 1873.
Download als PDF: https://archive.org/details/berdenpsycholo00stum
Vidler, Anthony. The Architectural Uncanny: Essays in the Modern Unhomely. Cambridge, Mass.: MIT Press, 1999.
Vidler, Anthony. unHEIMlich. Über das Unbehagen in der modernen Architektur. Hamburg: Nautilus, 2001.
Wiener, Oswald. Für Maria. In: Hegyi, Lóránd (Hrsg.), Maria Lassnig. Wien: Museum für moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien, 1999, S. 177-187.

Sommersemester 2016

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Donnerstag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 21.04.2016

Ende: 14.07.2016

Ort: Raumstrategien, T3.02


2015/2016 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

„Big Data“ in Kunst und Alltag II


Im Wintersemester wird das Thema „Big Data“ mit den Fragen um eine „Entfremdung“ der Lebensweise und eine dagegen gerichtete „Ästhetisierung“ erweitert und fortgesetzt.

Wir fragen uns anhand eines Textes von Thomas Raab („Data Driven Narcissism. How Will ‘Big Data’ Feed Back on Us?“ 2015) wie sich über Big-Data-Rückkopplungsschleifen bei Facebook, LinkedIn, Twitter etc. das Selbstbild der Nutzer/innen verändert (entfremdet?). Seine These: Mit der Projektion der User-Daten auf sich selbst führt dieser Kreislauf zu einer „Population“, die maximal vorhersehbar wird, wobei sich jedes Individuum maximal einmalig fühlt (Narzissten?). Wir können im Seminar am 22.10. mit Thomas Raab persönlich über seine Frage diskutieren: Is such a social end state heaven – or is it hell?

Anke Hennig zeigte 2009 auf, dass es historisch in den russischen Avantgarden mindestens zwei unterschiedliche Vorstellungen von „Entfremdung“ gab – eine vorrevolutionäre Losung: kulturell codierter Gegenstand (predmet) zum vorkulturellen Ding (vešč) und eine nachrevolutionäre Losung: vom symbolischen Gegenstand der toten zaristischen Kultur zum lebendigen der revolutionären Avantgarde.

Victor Šklovskij hatte 1916 gegen die kulturelle Verflachung in Automatismen und Symbolismen seine Technik der „Ästhetisierung“ durch „Verfremdung“ gestellt, die in der Geschichte immer wieder aufgegriffen wurde. Wie reagieren aktuelle künstlerisch-philosophische Positionen auf diese neuartige „Entfremdung“? Ist der „spekulative Realismus“ eine propere Reaktion oder wird hier ein „kindlicher Realismus“ bzw. „Animismus“ (Piaget) salon- bzw. philosophiefähig gemacht? Wir wollen dies anhand von Texten kritisch diskutieren und vielleicht findet sich auch zu diesem Thema noch ein/e Gesprächspartner/in.

-> In diesem Seminar besteht die Möglichkeit aktuelle künstlerische Positionen zu den Themenfeldern, gerne auch eigene Arbeiten (theoretische oder praktische), in Referaten vorzustellen und zu diskutieren. Auch schriftliche Hausarbeiten zu den Themen sind möglich.

The seminar will deal with the issue of “big data” especially concerning the questions of “Entfremdung” / “alienation” and “Ästhetisierung” / “aestheticization”. We will read a text by Thomas Raab (“Data Driven Narcissism. How Will ‘Big Data’ Feed Back on Us?”, 2015 — How the self-consciousness of users are changed through big data feedback loops on Facebook, LinkedIn, Twitter, etc. We can discuss this issue with Thomas Raab during the seminar on October 22nd: Is such a social end state heaven – or is it hell? We will also read a text by Anke Hennig concerning the term ‘alienation’ understood by the Russian avant-garde.

Einführende Literatur:
Hennig, Anke: Die Vergegenwärtigung der Dinge. In: Arbeitspapiere des Osteuropa-Instituts, 2, 2009, Freie Universität Berlin.
Heubach, Friedrich W.: Das bedingte Leben. Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. München 1987.
Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München 2013.
Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big data. A revolution that will transform how we live, work, and think. London 2013.
Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes. Stuttgart 1978 (1926).
Reichert, Ramón: Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie. Bielefeld 2014.
Šklovskij, Victor: „Kunst als Verfahren“ (1916). In: Mierau, Fritz (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Leipzig 1991.
Die einführende Literatur wird sich in der Bibliothek im Handapparat befinden oder in der DropBox.

Wintersemester 2015/2016

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Donnerstag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h

Beginn: 15.10.2015

Ende: 11.02.2016

Ort: Raumstrategien, T3.01


2015 Sommersemester

Cover
Valentin Hessler, Michael Schwarz
Projekt zum 100. Jubiläum

Workshop

Surrationalismus* statt Irrationalismus


Das Seminar, das in vier Blöcke gegliedert wird, soll zu einem Verständnis der Universellen Turing- Maschine beitragen und wird die Frage aufwerfen, wie diese die mathesis universalis widerlegen konnte. Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit und des Denkens? Was ist eine Struktur und was ist Kreativität? Mit Theorie und Experimenten soll der Zusammenhang von Struktur, Kognition und Ästhetik aufgezeigt werden.

Block 1) Heinz von Förster und die Wiederholung sowie Oswald Wieners Strukturbegriff. Einführung in einige Grundlagen aus der Automatentheorie. Erläuterungen zu trivialen und gefalteten Maschinen (drei Arten von Gedächtnis). Was ist der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz, was der von universell und universal und was ist eine Universelle Turing-Maschine?

Block 2) Wahrnehmungs- und Denkpsychologie (zwei Experimente) verbunden mit der Frage nach dem „inneren Bild“, das keins ist, und einer psychologischen Ästhetik „von unten“. Idealismus (Hegel) versus Hedonismus (Fechner) und die Bedingungen des Erkennens in der Ontogenese (Piaget) sowie in der „Psychologie der Kunst“ (Kreitler und Kreitler)

Block 3) Grenzen der Berechenbarkeit (Alan Turings „Halteproblem“ und Tibor Rados „Fleißige Biber“) und die Wende in der Erkenntnistheorie im 20. Jahrhundert

Block 4) Konrad Zuse und Donald M. MacKay über die Unterscheidung von physikalischem und virtuellem Raum (eine Lösung des Leib-Seele-Problems?). Praktische Umsetzung einer sensorischdigitalen Maschine

*Surrationalismus ist ein Begriff aus Gaston Bachelards pluralistischer Erkenntnistheorie.


Sommersemester 2015

Wochentag(e): Donnerstag/Freitag 28./29.05.2015

Turnus: Blockseminar

Zeit: 10.00 h – 13.00 h, 14.00 – 17.00 h

Ort: Seminargebäude Kunstwissenschaften, Seminarraum, Schleifweg 6


Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

„Kognitives Kapital“ und „Big Data“ in Kunst und Alltag


„Die Triebkraft, welche den Fortschritt der Maschinen bewirkt, schließt ihrem Wesen nach aus, daß der Mensch zugleich mit seiner Versklavung einem elenden Dasein ausgeliefert wird“? (Samuel Butler, Das Buch der Maschinen, 1872)

„The very nature of the motive power which works the advancement of the machines precludes the possibility of man’s life being rendered miserable as well as enslaved”? (Samuel Butler, The Book of the Machines, 1872)

Mit Big Data und dem kognitiven Kapital werden in diesem Semester einige offene Fragen diskutiert, die sich aktuell an die historische Aufarbeitung der Avantgardekunst der letzten zwei Semester anschließen. Der Surrealismus und seine psychoanalytische Tendenz wurden von der Situationistischen Internationalen und einer behavioristischen Haltung abgelöst. Wie verhält sich die Gegenwartskunst zu der neuerlich eingetretenen kognitiven Wende?

Hat sich der Status zwischen materiellem und immateriellem Handeln (Kognition) verschoben, da sich das Gesellschaftlich-Kognitive erst durch die Vernetzung (Internet) ohne den Umweg über Objekte kapitalisieren lässt? Um die Frage zu diskutieren, ob direkt von der biologischen Forschung auf das vernetzte Kognitive übergegangen werden darf, werden wir einen Text von Franco Berardi Bifo mit den Mitteln der Automatentheorie und der Erkenntnistheorie kritisch analysieren. Beistand bei der Untersuchung leistet uns die vielleicht vergessene Kritik an der zu statischen Auffassung des französischen Strukturalismus (C. Lévi-Strauss, J.F. Lyotard, M. Foucault, L. Althusser...) von Jean Piaget. Aber auch die synthetisch negative Dialektik von Gaston Bachelard und sein Begriff der schöpferischen Einbildungskraft können hier hilfreich sein (wir hatten schon öfters über die Genese bzw. Strukturbildung gesprochen).

Es geht in diesem Seminar aber auch um die „Capture-All“-Mentalität (transmediale) und um die Frage, was vor diesem Hintergrund überhaupt für „kognitives Verhalten“ erfasst, vorhergesagt, kapitalisiert wird, und wie dies zur eigentlichen kognitiven Fähigkeit des Menschen steht – dem Verstehen. Werden wir mit dem Umgang von Big-Data-Analysen – an der TU Berlin als „Sexiest Job“ des 21. Jahrhunderts beworben – einen Teil unseres Verstehen-Vermögens an Maschinen abtreten? Hat sich dadurch die Prophezeiung der Erewhonier (Samuel Butler), die Herrschaft einer „Maschinen-Intelligenz“ zu übergeben, bereits eingelöst? Können wir überhaupt diese flachen Formalismen von unseren tiefen Einsichten unterscheiden?

Rückblick: Wie wir in den letzten beiden Semestern thematisiert haben, zeigte sich in den historischen, künstlerischen Avantgarden neben einem revolutionär-politischen Potential (anarchistisch oder marxistisch) stets auch implizit ein erkenntnistheoretischer Hintergrund durch die konkret künstlerischen Experimente meist auch eine Beziehung zur jeweils zeitgenössischen Psychologie. Im letzten Semester haben wir neben eigenen Experimenten (zur Kognition) verschiedene international wichtige Künstlerbewegungen in den 1950er bis 1960er Jahren genauer untersucht. Trotz künstlerisch-autonomen Ansprüchen haben diese sich von einer philosophisch-idealistischen Ästhetik distanziert und sie in einen entwicklungspsychologischen bzw. -soziologischen Kontext gestellt, der bis in den Alltag reichen sollte. Auch hier ist nach einem aktuellen künstlerischen Standpunkt zu fragen.

-> In diesem Seminar besteht die Möglichkeit aktuelle künstlerische Positionen zu den Themenfeldern, gerne auch eigene Arbeiten (theoretische oder praktische), in Referaten vorzustellen und zu diskutieren. Auch schriftliche Hausarbeiten zu den Themen sind möglich.

Einführende Literatur:
Bachelard, Gaston: Die Philosophie des Nein. Versuch einer Philosophie des neuen wissenschaftlichen Geistes. Wiesbaden 1978.
Bachelard, Gaston: The Philosophy of No. A Philosophy of the New Scientific Mind. New York 1968.
Berardi, Franco Bifo: Das neuroplastische Dilemma. Über Bewusstsein und Evolution, in: Springerin 2014, Heft 4, S. 38-41.
Berardi, Franco Bifo: The Neuroplastic Dilemma. Consciousness and Evolution, in: e-flux journal, #60 december 2014.
Butler, Samuel: Merkwürdige Reisen ins Land Erewhon [1872]. Berlin 1964.
Butler, Samuel: Erewhon, or, Over the range [1872]. London 1910.
Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München 2013.
Mayer-Schönberger, Viktor und Cukier, Kenneth: Big data. A revolution that will transform how we live, work, and think. London 2013.
Piaget, Jean: Der Strukturalismus. Freiburg 1973.
Piaget, Jean: Structuralism. New York 1970.
Reichert, Ramón: Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie. Bielefeld 2014.
Tiqqun: Kybernetik und Revolte. Zürich, Berlin 2007.
Wiener, Oswald: Kybernetik und Gespenster. Im Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst, in: manuskripte. ZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR, März 2015, Nr. 207, S. 143-163.

Sommersemester 2015

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h – 18.00 h

Beginn: 14.04.2015

Ende: 14.07.2015

Ort: Raumstrategien, T3.01


2014/2015 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

Einführung in die Automaten- und Erkenntnistheorie


In diesem Grundlagenseminar soll ein konkretes Verstehen der Wende in der Erkenntnistheorie des 20. Jahrhunderts vermittelt werden: die Aufhebung des totalitären Anspruchs der „mathesis universalis“ durch die Universelle Turing-Maschine. Aber was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Warum reichen zwei Zeichen für eine Berechnung (binäres Stellenwertsystem) aus? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit (Halte- bzw. Entscheidungsproblem) und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken (Kreativität) und zu unterschiedlichen ästhetischen Theorien in Beziehung?

Im Seminar können Referate (mit schriftlicher Ausarbeitung) gehalten werden. Aber auch praktische, von der Theorie inspirierte Arbeiten sind möglich.

Einführende Literatur:
Hopcroft, John E.; Jeffrey D. Ullmann: Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation. Einführung in die Automatentheorie, Formale Sprachen und Komplexitätstheorie. Bonn u.a. 1979, 1994.
Krämer, Sybille: Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriß. Darmstadt 1988.
Wiener, Oswald [u.a.]: Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen. Wien, New York 1998.



Wintersemester 2014/2015

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 16.00 h – 18.00 h

Beginn: 21.10.2014

Ende: 10.02.2015

Ort: Raumstrategien, T3.01


Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

Kunst- und Erkenntnistheorie


“We thought at the time—and still do—that the greatest legacy of abstract art is the opening of an opportunity to depart from naturalistic and illusionistic art and create a new autonomous space, a space that truly deserves the name of art.” (The Gutai Manifesto, 1956)

„Wir dachten zu der Zeit – und tun dies noch immer –, dass das größte Vermächtnis der abstrakten Kunst die Eröffnung einer Gelegenheit ist von der naturalistischen und illusionistischen Kunst abzurücken und einen neuen autonomen Raum zu schaffen, einen Raum, der den Namen Kunst wirklich verdient.“ (Das Gutai-Manifest, 1956)

Im letzten Semester wurde diskutiert, wie die historisch erkenntnistheoretische Wende des „linguistic turn“ auch in der Kunst eine übersteigerte Konfrontation zweier Positionen förderte und eine Zweiteilung in der Interpretation des Ursprungs der Moderne hervorrief, eine künstliche Trennung von „sinnlicher“ und „begrifflicher Kunst“. Detailiert wurde die Kontroverse zwischen C. Greenberg und J. Kosuth sowie zwischen M. Fried und den Künstlern des Minimalismus besprochen.

Im kommenden Semester stehen im Seminar „Kunst- und Erkenntnistheorie“ vier historische internationale Künstlergruppen im Mittelpunkt, die sehr früh (Mitte der 1950er Jahren) eines miteinander vereint, nämlich diese Trennung zu überwinden bzw. zu verschieben und in unterschiedlichem Grade auch die Dichotomie zwischen Kunst und Leben aufzulösen. In Japan ist es die Gutai Gruppe, in Großbritannien die Independent Group und in Frankreich die Situationistische Internationale sowie in Österreich die Wiener Gruppe. Die intersubjektiv erfahrbare psychologische Situation oder Psychogeographie sollte in der Erzeugung einer Situation zwischen BetrachterInnen und Gegenstand, Raum bzw. Stadt diskutierbar bzw. erlebbar werden. Die Experimente in Malerei, Cabaret, Architektur und Stadtplanung sollen vorgestellt, aber auch in ihrem Scheitern der zum Teil behavioristischen Ansprüche zur Herstellung von Situationen besprochen werden. Auch die Verachtung des Kulturbetriebs und der Bildproduktion als Ware soll thematisiert werden (Debord, Die Gesellschaft des Spektakels).

Im Seminar werden die Manifeste (cooles manifest, Gutai-Manifest) dieser Gruppen gelesen, die KünstlerInnen, Ansätze, Haltungen besprochen und evtl. eigene Selbstversuche herangezogen. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Ablehnung der „Automation“ in der Gesellschaft und die kritisierte Rolle des psychischen Automatismus als kreativer Moment der Surrealisten.

Thema werden aber auch die verschiedenen Strategien bilden, die als Methoden der künstlerisch politischen Praktiken eingesetzt wurden und deren Kulminationspunkte von der Revolte über das „Verstehen des Verstehens“ (Erkenntnistheorie) reichen. Weitere Themenfelder sind: Abschaffung von Repräsentation, Ablehnung von Autoritäten und Institutionen, Psychogeographie, Dérive, Theorien der Autorschaft, Formen der Partizipation, Détournement, Kunst und Leben.

Im Seminar besteht die Möglichkeit einer Recherche zu den Künstlergruppen, zu einzelnen KünstlerInnen oder theoretischen Themenfeldern und zu Referaten mit schriftlicher Ausarbeitung. Auch praktische, von der Theorie inspirierte Arbeiten sind möglich.

Einführende Literatur:
Bertozzi, Barbara (Hrsg.): Gutai. Japanische Avantgarde. Japanese Avant-Garde, 1954 – 1965. Darmstadt 1991.
Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Berlin 1996.
Kunsthalle Wien; Fetz; Wolfgang; Matt, Gerald (Hrsg.): Die Wiener Gruppe. Wien 1998.
Ford, Simon: Die Situationistische Internationale. Eine Gebrauchsanleitung. Hamburg 2006.
Massey, Anne: The Independent Group: Modernism and Mass Culture in Britain, 1945 – 59. Manchester [u.a.] 1995.
Melly, George: Revolt into Style. The Pop Arts in Britain. Harmondsworth, Middlesex 1971;
Tiampo, Ming (Hrsg.): Gutai. Splendid playground. New York 2013.
Ohrt, Roberto: Phantom Avantgarde. Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst. Hamburg 1990, 1997.
Raab, Thomas: Nachbrenner. Zur Evolution und Funktion des Spektakels. Frankfurt am Main 2006.
Robbins, David (Hrsg.): The Independent Group: Postwar Britain and The Aesthetics of Plenty. Cambridge, Mass. [u.a.] 1990.
Weibel, Peter (Hrsg.): Die Wiener Gruppe. The Vienna Group. A moment of modernity 1954 – 1960. The visual works and the actions. Friedrich Achleitner; H.C. Artmann; Konrad Bayer; Gerhard Rühm; Oswald Wiener. New York 1997.

Wintersemester 2014/2015

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h – 16.00 h

Beginn: 21.10.2014

Ende: 10.02.2015

Ort: Raumstrategien, T3.01


2014 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

Automatentheorie Praxis Teil II


Im letzten Semester wurde anhand einer praktischen Programmierung (Arduino) der theoretische Unterschied zweier unterschiedlicher Prozesse besser verständlich gemacht – die virtuellen (diskret, sequenziell und deterministisch) und die physikalischen Prozesse (homogen, isotrop und reversibel). Wir haben Einblick erhalten, wie zeitgenössische Maschinen und Automaten mit physikalischen Sensoren und über Mikrocontroller gesteuert werden. Aber wir haben auch selbst programmiert, um uns von vordefinierten Anwenderprogrammen zu emanzipieren. Angefangene Projekte mit Arduino können selbstverständlich in diesem Praxisseminar fortgesetzt werden.

In diesem Semester werde ich in die schon im letzten Semester benutzte Open-Source-Programmierumgebung Processing einführen. Gedacht sind diese Übungen zur Grafik-, Video- und Audioprogrammierung als Umgang mit neutralen Werkzeugen, um sich ein wenig besser in der zunehmend digitalisierten Welt auszukennen. An dieser Stelle ist vielleicht noch einmal wichtig darauf hinzuweisen, dass Automatentheorie nicht gleich Computeranwendung ist. Wer sich von der Automatentheorie oder Erkenntnistheorie zu einem praktischen Projekt inspirieren lässt, muss dies keinesfalls mit dem Computer umsetzen. Jede Form ist möglich.


Sommersemester 2014

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 16.00 h – 18.00 h

Ort: Raumstrategien, T3.01


Creditpoints: 6

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Seminar

Automatentheorie Teil II


In Teil II der Automatentheorie werden die im letzten Semester gewonnenen erkenntnistheoretischen Einsichten auf einer breiteren Ebene in drei verschiedenen Kontexten kritisch diskutiert (Computerisierung bzw. Digitalisierung, Erkenntnismodelle und Computermetaphern sowie in der Kunsttheorie). Für Quereinsteiger sind einführende Skripte zur Automatentheorie auf Dropbox vorhanden.

Der erste Teil des theoretischen Seminars befasst sich mit der Computerisierung des Alltags, wozu gemeinsam aktuelle Textauszüge gelesen und kritisch diskutiert werden. Außerdem stehen hier die unterschiedlichen Arten von Ökonomie-Kritik im Gegensatz zur Ökonomie des Lernens und Verstehens im Mittelpunkt der Diskussion. Ausgangspunkt bildet ein Textauszug aus Karl Bühlers „Krise der Psychologie“. Dort wurde sehr früh, 1927, ein erster Gedanke der Kybernetik formuliert, d.h. von einem systembedingten Verhalten gesprochen, aber in Bühler findet sich zugleich auch der erste Kritiker dieses Gedankens!

In einem zweiten Teil wird der Bezug zur Erkenntnistheorie und die automatentheoretischen Modelle des Erkennens und der Ästhetik aus dem letzten Semester wiederaufgenommen, wobei weitere Beispiele der Unzulänglichkeit verschiedener Computermetaphern herausgestellt werden. Ausgangspunkt unserer Kritik waren kleinere Selbstbeobachtungen, um uns zu überzeugen, dass wir keinen Bildspeicher im Kopf und dass unsere Wahrnehmung auch kein Bildabgleich ist, wie oft von Naturwissenschaftlern behauptet. Außerdem werden wir weiter über den Orientierungsverlust und einen möglichen Zusammenhang mit dem Begriff der Ästhetik sprechen, was auch mit dem Ökonomie-Aspekt verwoben ist.

In einem dritten Teil geht es um einen wichtigen Wendepunkt in der Kunsttheorie und was die Erkenntnistheorie damit zu tun hat. Textauszüge unterschiedlicher Kunstauffassungen, u.a. von Clement Greenberg und Joseph Kosuth, sollen gelesen und besprochen werden. Auf welche Weise hat Kosuth die Diskussionen über die Ästhetik aus der Kunst eskamotiert? Und wie überzeugend hielt die Ästhetik über psychoanalytische Schwerpunkte auf den letzten zwei documentas wieder Einzug in die Kunst? Wie gut wäre hier eine Diskussion über Erkenntnismodelle angebracht?

Einführende Literatur:
Springerin 2013, Heft 3: Apparate Maschinen.
Bühler, Karl, 1927. Die Krise der Psychologie, Jena.
Greenberg, Clement, 1960. Modernist Painting. Modernistische Malerei. In: Harrison, Charles; Wood, Paul (Hrsg.): Kunsttheorie im 20. Jahrhundert. Ostfildern-Ruit 1998, Band 2, S. 931-937.
Kosuth, Joseph, 1969. Art after Philosophy. Kunst nach der Philosophie. In: ebd., S. 1029-1039.


Sommersemester 2014

1. und 2. Studienabschnitt

Wochentag(e): Mittwoch

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h – 16.00 h

Ort: Raumstrategien, T3.01


Creditpoints: 6

2013/2014 Wintersemester

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Automatentheorie


In diesem Grundlagenseminar soll ein konkretes Verstehen der wichtigsten Begriffe aus der Computer- und Netztheorie erarbeitet werden. Was ist eine Maschine und was eine Turing-Maschine? Was sind Algorithmen und was ist eine Struktur? Was ist der Unterschied zwischen universell und universal, zwischen effektiv und effizient? Warum reichen zwei Zeichen für eine Berechnung (binäres Stellenwertsystem) aus? Wo liegen die Grenzen der Berechenbarkeit (Halte- bzw. Entscheidungsproblem) und wie stehen diese Grenzen zu unserem Denken und künstlerischen Handeln (Kreativität) in Beziehung?

Einführende Literatur:
Wiener, Oswald u.a., 1998, Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen, Wien, New York.
Hopcroft, John E., Jeffrey D. Ullmann, 1979, 1994, Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation. Einführung in die Automatentheorie, Formale Sprachen und Komplexitätstheorie, Bonn u.a.
Krämer, Sybille, 1988, Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriß, Darmstadt.


Wintersemester 2013/2014

Wochentag(e): Dienstag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 14.00 h – 17.00 h

Beginn: 21.10.2013

Ende: 10.02.2014

Ort: n.n.


Voraussetzung: Regelmäßige Teilnahme

Anmeldung: Das Seminar ist für alle Studierende der KHB Weißensee geöffnet.

Cover
Michael Schwarz
MA Raumstrategien

Automatentheorie Praxis


Was ist ein virtueller Raum?
In diesem Blockseminar werden Praxisprojekte betreut/begonnen, die sich auf den virtuellen Raum beziehen, ob kritische Auseinandersetzung mit dem Web 2.0 (Netzaktivismus) oder konkrete Programmierprojekte (Schnittstellen, Webseite etc.). Erste Besprechung (Sammeln von Ideen) am Dienstag, den 12. November 2013, ab 16.00 Uhr. Der Beginn, die Durch- und Weiterführung der Projekte werden in einem Blockseminar im Januar 2014 gemeinsam diskutiert.

Einführende Literatur:
Günzel, Stephan; Jörg Dünne (Hrsg.), 2006, Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main.
Lovink, Geert, 2012, Working together, getting things done, in: herbst. THEORIE ZUR PRAXIS, Graz, S. 70-73.


Wintersemester 2013/2014

Wochentag(e): 12.11.2013

Turnus: Blockseminar Januar 2014

Zeit: 16.00 h – 18.00 h

Beginn: 31.12.2013

Ende: 10.02.2014

Ort: n.n.


Voraussetzung: Projektvorhaben

Anmeldung: Das Seminar ist für alle Studierende der KHB Weißensee geöffnet.

2007 Sommersemester

Cover
Dr. Christiane Post, Michael Schwarz
Seminar für Ästhetik

Experimentelle Ästhetik (W, LN)


Mit der Einführung des Experiments in die Ästhetik durch Gustav Theodor Fechner wurden naturwissenschaftliche Fragen angestoßen, die bis heute noch nicht annähernd beantwortet worden sind, auch wenn sich unter dem Aspekt der Theorie einer »universellen Maschine« der Status ästhetischer Ansätze verändert hat. Im Seminar wird anhand ausgewählter Texte und Experimente von Physiologen wie Hermann von Helmholtz, Philosophen und Psychologen der Ganzheits- und Gestalttheorie (z. B. Christian von Ehrenfels, Max Wertheimer und Wolfgang Köhler), der Entwicklungs- (Heinz Werner, Jean Piaget) und Denkpsychologie (Otto Selz) und von KünstlerInnen ein Überblick über das Thema und markante Richtungswechsel gegeben. Eigene Versuche aus dem Bereich der Wahrnehmungspsychologie und Vorstellungsexperimente sollen die Theorie erfahrbar und kritisch nachvollziehbar halten. Ein Ansatz zum Verständnis der experimentellen Ergebnisse wird mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und das In-Beziehung-Setzen von Gestalt und Struktur erreicht. Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d. h. zu den Bildungs- (O. Selz) und Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der »Faltung von Zeichenketten« (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (Kurt Gödel, Alan Turing), sollen die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktueller Fragestellung begreiflich machen


Sommersemester 2007

Wochentag(e): Montag

Turnus: Wöchentlich

Zeit: 13.00 h – 16.00 h

Beginn: 16.04.2007

Ort: DOR 24, H. 3, R. 3.007


2006/2007 Wintersemester

Cover
Dr. Christiane Post, Michael Schwarz
Institut Kunstwissenschaft und Ästhetik
Seminar

Experimentelle Ästhetik


„Ich erkenne eine Maschine, weil sie etwas tut, das ich auch schon einmal getan habe. (...) Ich habe mich, seit ich diese Passage schrieb, daran gemacht, das Wackeln mit dem linken Ohr alleine zu erlernen“. (Oswald Wiener, Probleme der Künstlichen Intelligenz, 1990)

„Es wird eines Tags, daran zweifle ich nicht, zu wissenschaftlichen Darstellungskonventionen für die Mechanismen der Vorstellung kommen, aber damit wird die künstlerische Avantgarde wieder einmal eine von ihr entdeckte Bonanza der Psychologie übergeben haben.“ Oswald Wiener

Viele Fragestellungen in der psychologischen und physiologischen Forschung sind parallel oder meistens erst nach einer künstlerischen Festschreibung experimentell untersucht worden. So z.B. die Thematisierung der Bewegung durch den Futurismus oder Marcel Duchamps Suche nach ihrer „Nacktheit“ oder „Abstraktheit“ und die damit angedeutete Frage, ob die Bewegung ein eigenständiges Phänomen oder an die Identität eines sich bewegenden Objektes gebunden ist. Kann eine Rekonstruktion der tachistoskopischen Versuche zum Bewegungssehen von Max Wertheimer und sein „Phi-Phänomen“ darüber Auskunft geben? Um diese und andere Fragen praktisch erfahrbar und kritisch nachvollziehbar zu halten, sollen einige der markantesten Wahrnehmungsexperimente, Denk- und Vorstellungsversuche im Seminar durchgeführt werden. Experimente zu Figur und Grund (E. Rubin 1921), zur Farbkonstanz (D. Katz 1930), zum Tiefensehen (B. Julesz 1960) und vor allem auch zur Veränderlichkeit der Wahrnehmungswelt (I. Kohler 1951) durch sensomotorisches Erlernen und Einüben sollen thematisiert werden. Neben den praktischen Versuchen werden Physiologen wie H. von Helmholtz, Psychologen wie Ch. von Ehrenfels und Künstler/innen mit ihren ästhetischen Theorien zu Wort kommen. Ein umfassendes Verständnis der experimentellen Ergebnisse soll mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und der in Inbeziehungsetzung von Gestalt und Struktur erreicht werden. Schließlich sollen Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d.h. zu den Bildungs- (O. Selz) oder Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der „Faltung von Zeichenketten“ (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (K. Gödel, A. Turing) die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktuellster Fragestellung begreiflich machen.

Fakultätsübergreifend, für Gast- und NebenhörerInnen geeignet.

Wintersemester 2006/2007

Wochentag(e): Freitag

Turnus: 14-täglich

Zeit: 13.00 h – 17.00 h

Beginn: 20.10.2006

Ort: Ha 150


2002 Sommersemester

Cover
Michael Schwarz
Poetik und künstlerische Ästhetik

C-Programmieren für Künstler


Die Aufgabe, die sich der Kurs zum Ziel gesetzt hat, ist: Jenen, die mit einem Computer arbeiten möchten, einerseits ein praktisches Verständnis über den Aufbau von Computern sowie einen tiefgreifenden Umgang damit zu vermitteln. Andererseits soll versucht werden, in einer kompakten Einführung in die Programmiersprache "C", auf schnellst möglichem Wege dem Programmier-Anfänger den Zugriff auf die für Künstler interessanten Schnittstellen zu ermöglichen, wie z.B. auf die Grafikkarte, den Drucker und andere verschiedene Eingabe- und Ausgabegeräte.

Wer ein Projekt auf den heutzutage sehr leistungsfähigen Computern entwickeln möchte, stößt meist nicht an technische Grenzen, sondern in erster Linie an die dem "Anwender" von Computerprogrammen vom Programmierer vorgegebenen Möglichkeiten. Letzter und meiner Meinung nach einziger Ausweg sich solchen Beschränkungen zu entziehen, ist, selbst zu programmieren, d.h. die Weiterbildung vom "Anwender" zum "Entwickler" von Programmen.

Voraussetzungen, um diesen Kurs zu besuchen, sind außer einem gewissen Interesse im Umgang mit einem Computer keine festgelegt, d.h. er ist auf Anfänger ausgerichtet.


Sommersemester 2002

Wochentag(e): n.n.

Turnus: Blockseminar

Beginn: 11.04.2002

Ende: 12.07.2002

Ort: n.n.