Texte (chronologisch)
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Gegenstand und Inhalt in Oswald Wieners Theorie der Zeichen-Magie2025Gegenstand und Inhalt in
Oswald Wieners Theorie
der Zeichen-MagieAbstract
Oswald Wiener hat beim letzten Symposion im kunsthaus muerz 2021 zum „Stand der Denktheorie“ zwei Beiträge zum Zeichen- und Gegenstandsbegriff ins Zentrum seiner Untersuchung – auf einer Gratwanderung zwischen „flachen und dicken Formalismen“ – gestellt. Mit seinem Text zur „Zeichen-Magie“ hat er uns ein Dokument hinterlassen, das zeigt, wie sein Strukturbegriff – über die Zeichen-Magie-Turing-Maschine (ZM.TM) – an die tiefen Probleme der Metaphysik des Gegenstands anschließt und sie zugleich verständlich machen kann. In meinem Vortrag möchte ich diese Fäden von Oswalds Strukturbegriff, seinem Selbstbeobachtungs-Beispiel und dem speziellen neuen Typ von Turing-Maschine aufgreifen. In eigenen Spekulationen zur Entstehungsgeschichte dieses Typs und zu seiner philosophischen Tiefe (Brentano, Twardowski, Husserl) sowie ihrem Verhältnis zu unserer Terminologie möchte ich versuchen, die Teile konsistent weiterzuspinnen und zu einem Ganzen zusammenzufügen. Als Ausblick soll ein Ansatz zur Theorie der Zeichen-Magie stehen, mit differenzierten Beziehungen zwischen Inhalt und Gegenstand im Denken und ein nachdenklicher Blick auf die aktuell gegenstandslose KI.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 04.10.2025. Gegenstand und Inhalt in Oswald Wieners Theorie der Zeichen-Magie. Im Rahmen von: Oswald Wiener.90: die vielen Leben in einem, das eine Leben in vielen. Symposion und Literaturfest, 2.–5.10.2025. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Alan Mathison Turing, Spezielle und Universelle Turing-Maschinen2025Alan Mathison Turing
Spezielle und Universelle
Turing-MaschinenAbstract
Dieser Beitrag erläutert Alan M. Turings Idee der speziellen und Universellen Turing-Maschinen von 1936 als Schlüsselereignis der formalen Berechenbarkeit. Ausgehend von Hilberts Programm einer vollständigen formalen Entscheidbarkeit mathematischer Aussagen wird gezeigt, wie Turing nach Gödels Unvollständigkeitssatz und Churchs Lambda-Kalkül die Grenzen solcher Formalismen nachweist, zugleich jedoch mit der Universellen Turing-Maschine einen allgemeinen Beschreibungsrahmen für effektive Verfahren schafft. Der Text erklärt Aufbau und Funktionsweise von Turing-Maschinen und erschließt ihren erkenntnistheoretischen Gehalt mithilfe von Oswald Wieners systematischer Darstellung der Automatentheorie, die Formalisierung als Strukturierung von Verstehen begreifbar macht. Entstanden als Eintrag zur kooperativen Chrono-Enzyklopädie Überblick der Überblicke von Johannes Ullmaier versteht der Text die Turing-Maschine als paradigmatischen Versuch universeller Darstellung und markiert zugleich das offene Problem, ob der verstehende Apparat selbst jemals vollständig formalisierbar ist.
Information
- Panoramat. Überblick der Überblicke. Eine kooperative Chrono-Enzyklopädie
- Eintrag: 1936 – Alan Mathison Turing, Spezielle und Universelle Turing-Maschinen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 25.05.2025. 1936 – Alan Mathison Turing, Spezielle und Universelle Turing-Maschinen. Im Rahmen von: Überblick der Überblicke. Eine kooperative Chrono-Enzyklopädie, panoramatik.zeitlabor.org
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Impulsvorstellung zur maschinellen Intelligenz und zum menschlichen Denken2023Impulsvorstellung zur
maschinellen Intelligenz und
zum menschlichen DenkenAbstract
Was ist der Unterschied oder Gegensatz zwischen der sehr erfolgreichen und maschinell trainierten KI mit ihren künstlichen neuronalen Netzen und der menschlich affektiv und gegenständlich fundierten Intelligenz im Denken. Es ist ein Unterschied aus der in der Ontogenese komplexer gewordenen Gesamtstruktur der Kognition, die nun ein „Bewusstsein“ besitzt, das die kognitiven Zeichen als Gegenstand des Denkens hervorbringt und ihren Gehalt in Form von Analogien mit Situationen in der Umwelt in Beziehung setzen kann.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 04.07.2023. Impulsvorstellung zur maschinellen Intelligenz und zum menschlichen Denken. Im Rahmen von: Oswald Wieners Theorie des Denkens. Buchpräsentation, Podiumsdiskussion, Filmvorführungen, Dienstag, 4. Juli 2023. REAKTOR, Geblergasse 40, 1170 Wien, Österreich.
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Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft2023Oswald Wieners
Theorie des DenkensGespräche und Essays
zu Grundfragen
der KognitionswissenschaftDE GRUYTERWas ist Intelligenz? Gescheitert scheint die intuitive Hypothese, sie sei eine Eigenschaft des einzelnen Organismus, die sich als Verhalten operationalisieren und als adaptive Leistung messen ließe. Denn die Interaktion des Einzelnen mit anderen, Gruppen und der Umwelt spielt der ökologischen Wende in der empirischen Psychologie und den Kognitionswissenschaften zufolge die entscheidende Rolle. Jüngst stellt sich daher die Frage „Was ist Intelligenz?“ gerade im Zusammenhang mit der maschinellen „Intelligenz“ und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen umso dringlicher.
Von Beginn an auf Selbstbeobachtung und Kontext ausgerichtet, zählt Oswald Wiener (1935–2021) zu den Pionieren eines „Enaktivismus“ avant la lettre. Im Gegensatz zu dessen behavioristischer Ausrichtung beharrte er jedoch zeitlebens darauf, dass das Denken als Umgang mit innerlich hergestellten Gegenständen nicht nur ein irreduzibles Merkmal der Intelligenz, sondern auch ein Systemmerkmal unserer biologischen „Wetware“ ist. Diese Hypothesen leitete er – von Anfängen in der Kunst kommend – aus der systematischen Selbstbeobachtung der allgemeinen Intelligenz ab, die er mit formalen Lösungen spezieller Probleme auf Computern kontrastierte.
Die drei Gespräche mit Wiener über die historische Theorieentwicklung und vier Essays in diesem Buch sollen diesen neuen und bislang zu wenig im akademischen Diskurs beachteten Ansatz der Denktheorie ein- und fortführen. Angelpunkt der Überlegungen ist Wieners letzter großer Aufsatz „Kybernetik und Gespenster“. (Klappentext)
Eine Synthese von Selbstbeobachtung und Automatentheorie strebe ich nicht an. Es geht vielmehr um eine Gegenüberstellung: Was an den in der Selbstbeobachtung aufgefaßten Zusammenhängen lässt sich auf einigermaßen befriedigende Weise als eine Realisierung von Zusammenhängen innerhalb eines formalen Systems auffassen. Oder umgekehrt: Wie gut erfasst das Modell Automatentheorie wesentliche Züge des menschlichen Denkens?
— Oswald Wiener (Backcover)Stimmen zum Buch
„Oswald Wiener was a notable figure in the arts, in science, and in philosophy. What a pleasure to see that his remarkable efforts on the cognitive sciences are being recognized in a new book authored by his close disciples. I highly recommend it.“
Antonio Damasio, Professor für Psychologie, Philosophie und Neurologie, University of Southern California
„Oswald Wiener repräsentiert in seiner Person eine einzigartige Verknüpfung von literarischen und kognitionswissenschaftlichen Zugängen zu Fragen der künstlichen Intelligenz, der Kybernetik und des menschlichen Geistes. In Zeiten zunehmend erfolgreicher Simulation von Subjektivität ist sein originelles Denken aktueller denn je.“
Thomas Fuchs, Karl-Jaspers-Professor für Philosophie und Psychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
„The collected essays in this book orbit around the mind of Oswald Wiener, becoming visible in his poignant text Cybernetics and Ghosts. The subtitle, in the no-man's-land between science and art adds an unnecessary caveat to Oswald Wiener's thoughts, because his thinking operates in a well-developed domain, just one that sadly resides in a parallel universe, one in which computer scientists are philosophers of mind, cybernetics did not die, and psychology did not end after Piaget. Wiener's perspective becomes very timely when it comes to the current, dismal discourse about Artificial Intelligence, which is largely taking place between philosophically illiterate engineers and scientifically illiterate humanities scholars. Where the engineers present their discoveries of practically useful algorithms and the scholars their practically useful political opinions, Wiener remains a true intellectual, sifting through the phenomenology of AI systems in an attempt to understand its significance for the unanswered questions of mind, meaning and the construction of reality“
Joscha Bach, Cognitive Scientist / AI Strategist / Research Fellow at Thistledown Foundation, San Francisco Bay Area
„Es ist anregend zu verfolgen, wie die früher ins Solipsistische lappende und auch vom Verfasser dieser Zeilen seit Jahren nie ganz verstandene „Denkpsychologie“ in Dialoge gebracht wird und auf Verständnisfragen tatsächlich handgreiflich erklärende Antworten hervorbringt.“
Diedrich Diederichsen, Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien
Rezensionen
- Rezension von Martin Sexl im Magazin des Literaturhaus Wien 2023
- Rezension von Diedrich Diederichsen in springerin 4/2023
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Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870
eBook ISBN: 9783110662870
Broschur ISBN: 9783110659603
Bibliographische Angabe
Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hrsg.), 2023. Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter.
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Pleomorphismus im Denken und die Computer-Metapher2023Pleomorphismus im
Denken und die
Computer-MetapherWeiser, Symbol und dasGrounding
-Problem
Gespräch zwischen Oswald Wiener
und Michael SchwarzAbstract
In längeren Ausflügen pendelt das mit Oswald Wiener geführte Gespräch auf der einen Seite zwischen lebendigen Selbstbeobachtungen und dem Einordnen dieser Erlebnisse in verschiedene wichtige Begriffe seiner Theorie des Denkens und auf der anderen Seite dem Erörtern von theoretischen Grundlagen der Computer-Metapher wie sie als Modell für das Denken und eine künstliche Intelligenz herangezogen wird.
Das in der Selbstbeobachtung konstatierbare frühe Stadium eines Gedankens oder Erkennens einer Allgemeinheit in ihrer potentiellen Vielgestaltigkeit wie es als Weiser beginnt und sich dann in Expansion und Assemblage dynamisch zu einem effektiven Erkennen oder Verstehen konkretisiert, nennt Wiener den „Pleomorphismus im Denken“, den er im Gespräch den „symbols“ der Automatentheorie (Alan Turing) und denen der „Physical Symbol System Hypothesis“ (Allen Newell und Herbert A. Simon) gegenüberstellt.
Dieses Prinzip der Gegenüberstellung der Computer-Metapher (als Versuch der Formalisierung der Denkvorgänge) mit den durch Selbstbeobachtung erfassten Zusammenhängen des Denkens ist nach Wiener unumgänglich, weil erstens ein klares Verständnis der Leistungen menschlicher Intelligenz ohne seinen Strukturbegriff (der auf der universellen Turing-Maschine beruht) nicht möglich wäre und jedes klare Verständnis sich nach der „Church-Turing-These“ als Turing-Maschine darstellen lässt.
Zweitens münden die intelligenten Leistungen des Denkens selbst, auch wenn sie sich aus einem Pleomorphismus entwickeln, in ein effektives Verstehen oder in rekursive Verfahren. Darüber hinaus wird das mit künstlichen neuronalen Netzen nur ungenügend gelöste Problem der „causal powers“ (John Searle), auch „Symbol Grounding Problem“ genannt, durch hybride Kognitionsmodelle (Stevan Harnad) in Bezug zur Selbstbeobachtung gesetzt.
Schwierigkeiten der künstlichen neuronalen Netze sequenzielle, flexible, ebenenübergreifende Prozesse auszubilden (Geoffrey E. Hinton), d.h. rekursive Verfahren zu konstruieren, werden erläutert und auf die in der Selbstbeobachtung feststellbaren „Analogien“ und „Heterarchien“ und auf den „Stapelspeicher“ (John von Neumanns „Stack“) bezogen.
Wieners theoretische Begriffe wie Orientierung, Stimmung, Pleomorphismus, Expansion und Assemblage, Prosthese, Prototyp sowie Bootstrapping werden diskutiert, um den Bau einer alternativen Theorie des Denkens und der Intelligenz anzuregen.
Keywords: Theorie des Denkens, Selbstbeobachtung, Computer-Metapher, künstliche Intelligenz, Symbolsysteme, Symbol Grounding Problem, künstliche neuronale Netze
Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870-004
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2023. Pleomorphismus im Denken und die Computer-Metapher. Weiser, Symbol und das „Grounding“-Problem. Gespräch zwischen Oswald Wiener und Michael Schwarz. In: Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hrsg.): Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter, 111–179.
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Kognitive Zeichen – Von der Ontogenese zur Aktualgenese2023Kognitive Zeichen —
Von der Ontogenese zur
AktualgeneseEine Psychogenese in Anlehnung
an James Mark Baldwin und Jean PiagetAbstract
Mit der Feststellung gewisser Parallelen des kindlichen Denkens (Jean Piaget: Synkretismus) zu der aktualgenetisch frühen Form des Erkennens beim Erwachsenen (Oswald Wiener: Pleomorphismus) und den Gemeinsamkeiten von Symbol (Piaget) und Weiser (Wiener), die im Essay zusammenfassend als kognitive Zeichen bezeichnet werden, wird dann die kindliche Ontogenese bis zur ersten Ausbildung und Anwendung dieser kognitiven Zeichen nachgezeichnet.
Als Grundlage der Psychogenese wird die von James Mark Baldwin eingeführte Zirkulärreaktion herangezogen und durch die detaillierteren Beobachtungen Piagets ergänzt, um die strukturellen Bedingungen der kognitiven Zeichen besser zu verstehen, die als Minimalbedingungen der menschlich-gegenständlichen (auch affektiven) Intelligenz angesehen werden können.
Gleichzeitig werden damit die Bedingungen einer Fundierung arbiträrer Zeichen (Sprache, Symbole), auch bekannt als „Symbol Grounding Problem“ (Stevan Harnad), aufgezeigt.
Die Schwierigkeiten kognitionswissenschaftlicher (symbolischer, konnektionistischer oder hybrider) KI-Modelle zeigen sich darin, dass sie zumeist entweder den strukturellen Gehalt kognitiver Zeichen (ihre Orientierung) eskamotieren oder die notwendige Gesamtstruktur des Organismus ignorieren, die kognitive Zeichen überhaupt erst hervorbringt.
Erst die Differenzierung und Distanzierung durch das kognitive Zeichen schafft ein Objekt (Permanenz) und ein Erkennen (auch außerhalb der aktuellen Situation). Kognitive Zeichen können arbiträre Zeichen fundieren, vor allem aber bilden sie die Grundlage von effektiven Zusammenhängen, die sie in einer aktualen Genese des Erkennens dem Denken zugänglich machen.
Keywords: Theorie des Denkens, Selbstbeobachtung, künstliche Intelligenz, Symbol Grounding Problem, künstliche neuronale Netze
Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870-006
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2023. Kognitive Zeichen – Von der Ontogenese zur Aktualgenese. In: Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hg.): Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter, 209–257.
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Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science2023Oswald Wiener’s
Theory of ThoughtConversations and Essays
on Fundamental Issues
in Cognitive ScienceDE GRUYTERWhat is intelligence? From today’s perspective, the intuitive hypothesis that intelligence is a feature of individual organisms that can be operationalized and measured by adaptive performance appears to have failed. Since the ecological turn in both empirical psychology and cognitive science, the crucial role has instead been assigned to the inter action of the individual with conspecifics, groups, and the environment. Hence, the question “What is intelligence?” has become even more urgent, especially in the context of machine “intelligence” and its social implications.
Throughout a life focused on introspection and context, Oswald Wiener (1935—2021) was a pioneer of such an “enactivism” before the word even existed. However, in contrast with the behaviorist orientation of this enactivism, Wiener in sisted that thinking, as a process applied to internally generated proxy objects, is an irreducible feature of not only intelligence but also our biological wetware. From his starting point in the arts, he derived such hypotheses from a systematic introspection of general intel ligence, which he contrasted with formal computer-based solu tions to special problems.
In this book, three conversations with Wiener about the development of his theory and four essays introduce and elaborate on this new ap proach to the theory of thought, which has previously received too little attention in academic discourse. A pivotal role is played by Wiener’s last major essay “Cybernetics and Ghosts.”
“I do not aim at a synthesis of introspection and automata theory but rather at contrasting them. Which relationships identified in introspection can — in a fairly satisfactory way — be understood as realizations of relationships within a formal system, e.g., the formal system of automata theory. Or the other way around: How well does automata theory as a model (i.e., the computer as mental metaphor, ‘Physical Symbol Systems,’ today’s Artificial Intelligence ...) capture essential features of human thought? What does ‘in a fairly satisfactory way’ mean in this context? What, and how strongly, does the formal system abstract from natural processes?”
— Oswald Wiener (Backcover)Comments on the book
“Oswald Wiener was a notable figure in the arts, in science, and in philosophy. What a pleasure to see that his remarkable efforts on the cognitive sciences are being recognized in a new book authored by his close disciples. I highly recommend it.”
Antonio Damasio, Professor of Psychology, Philosophy, and Neurology, University of Southern California
“Oswald Wiener uniquely combines literary and cognitive science approaches to questions of artificial intelligence, cybernetics, and the human mind. In times of increasingly successful simulations of subjectivity, his original thinking is more relevant than ever.”
Thomas Fuchs, Karl Jaspers Professor of Philosophy and Psychiatry, Psychiatric University Hospital Heidelberg
“The collected essays in this book orbit around the mind of Oswald Wiener, becoming visible in his poignant text Cybernetics and Ghosts. The subtitle, in the no-man's-land between science and art adds an unnecessary caveat to Oswald Wiener's thoughts, because his thinking operates in a well-developed domain, just one that sadly resides in a parallel universe, one in which computer scientists are philosophers of mind, cybernetics did not die, and psychology did not end after Piaget. Wiener's perspective becomes very timely when it comes to the current, dismal discourse about Artificial Intelligence, which is largely taking place between philosophically illiterate engineers and scientifically illiterate humanities scholars. Where the engineers present their discoveries of practically useful algorithms and the scholars their practically useful political opinions, Wiener remains a true intellectual, sifting through the phenomenology of AI systems in an attempt to understand its significance for the unanswered questions of mind, meaning and the construction of reality.”
Joscha Bach, Cognitive Scientist / AI Strategist / Research Fellow at Thistledown Foundation, San Francisco Bay Area
“Es ist anregend zu verfolgen, wie die früher ins Solipsistische lappende und auch vom Verfasser dieser Zeilen seit Jahren nie ganz verstandene „Denkpsychologie“ in Dialoge gebracht wird und auf Verständnisfragen tatsächlich handgreiflich erklärende Antworten hervorbringt.”
Diedrich Diederichsen, Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien
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https://doi.org/10.1515/9783110662894
eBook ISBN: 9783110662894
Broschur ISBN: 9783110659610
Citation
Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.), 2023. Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter.
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Pleomorphism in Thought and the Computational Metaphor2023Pleomorphismus in
Thought and the
Computational MetaphorSeed, Symbol, and theGrounding Problem
A Conversation between Oswald Wiener
and Michael SchwarzAbstract
The early stage of a thought (seed), which can be detected in introspection and which concretizes dynamically to a recognition, Wiener calls in the conversation the "Pleomorphism in Thought". He contrasts this potential polymorphism with the "symbols" of the automata theory (Alan Turing) and those of the "Physical Symbol System Hypothesis" (Allen Newell/Herbert A. Simon). The difficulties of artificial neural networks to construct recursive procedures (Geoffrey E. Hinton) are explained and related to the lack of seeds as multiply determined analogies which can form dynamic heterarchies in reasoning, as e.g. in John von Neumann's "stack". Furthermore, the insufficiently solved problem of "causal powers" (John Searle) or the "Symbol Grounding Problem" (Stevan Harnad) is discussed and related to experiences from introspection.
Wiener’s theoretical concepts such as orientation, attunement, pleomorphism, expansion and assembly, prosthesis, prototype, as well as bootstrapping are discussed in order to stimulate the construction of an alternative theory of thought and intelligence.
Keywords: theory of thought, introspection, computational metaphor, artificial intelligence, symbol systems, the grounding problem, artificial neural networks.
Publisher's information
https://doi.org/10.1515/9783110662870-004
Citation
Schwarz, Michael, 2023. Pleomorphism in Thought and the Computational Metaphor. Seed, Symbol, and the
“Grounding Problem
. A Conversation between Oswald Wiener and Michael Schwarz. In: Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.): Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter, 101–163. -
Cognitive Symbols: From Ontogeny to Their Actual Genesis2023Cognitive Symbols:
From Ontogeny to
Their Actual GenesisA Psychogenesis Based on
James Mark Baldwin and Jean PiagetAbstract
In early childhood development, with the stage of generating cognitive symbols (Piaget's symbols and Wiener's seeds) and relating them to the environment, a structural prerequisite for human representational intelligence is reached. The ontogeny of these abilities pointed out by Baldwin and Piaget can support some assumptions from introspection and be related to questions of cognitive science. For it is the more complex overall structure of cognition in dealing with cognitive symbols that enables the grounding of arbitrary signs, i.e., the "symbol grounding" of a language and sign use. The essential difference of the cognitive symbol to a static sign or arbitrary symbol lies, besides its sensorimotor foundation, in an actual genesis, which in the thinking of the adult can lead to the isomorphism of the thoughts with the objects/situations related to them.
Keywords: theory of thought, introspection, artificial intelligence, the grounding problem, artificial neural networks.
Publisher's information
https://doi.org/10.1515/9783110662894-006
Citation
Schwarz, Michael, 2023. Cognitive Symbols: From Ontogeny to Their Actual Genesis. A Psychogenesis Based on James Mark Baldwin and Jean Piaget. In: Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.): Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter, 191–234.
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Kognitive Zeichen und Netzwerke – Probleme der Implementation2021Kognitive Zeichen und Netzwerke –
Probleme der ImplementationAbstract
In den letzten Jahren hat sich auf der Grundlage von vergleichenden Experimenten zwischen künstlichen und biologischen neuronalen Netzen vor allem in Bezug auf den ventralen Pfad der visuellen Verarbeitung im Primaten-Gehirn bis zur angeblichen Objekterkennung eine neue Methode oder Technik der Forschung etabliert... Ziel dieser neuen Art von Gehirn- und Kognitionswissenschaft ist es, wie die Protagonisten vom MIT, aber auch mit großer Beteiligung anderer Universitäten, selbst schreiben, „Bereiche der menschlichen Intelligenz als ausführbare, neuronal-mechanistische Modelle erklären zu wollen“! Im September 2020 wurde ein Aufruf gestartet, um gemeinsam an dieser Benchmark zu arbeiten, um an Modelle zur erweiterten integrativen menschlichen Intelligenz zu gelangen. In diesem Aufsatz möchte ich diesen neuen Ansatz mit dem entwicklungspsychologischen Ansatz von Jean Piaget konfrontieren und für die Kognitionsforschung übersehene Schwierigkeiten sichtbar machen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 02.07.2021. Kognitive Zeichen und Netzwerke – Probleme der Implementation. Im Rahmen von: Oswald Wiener: Der Stand der Denktheorie. Symposion und Literaturfest, 1.–4.7.2021. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Situation und Orientierung in künstlichen Entscheidungsprozessen (Eine Skizze)2017Situation und Orientierung
in künstlichen
Entscheidungsprozessen(Eine Skizze)Abstract
Der Text untersucht automatisierte Entscheidungsprozesse vor dem Hintergrund der europäischen Datenschutz-Grundverordnung und der dort geforderten Auskunft über die „involvierte Logik“ algorithmischer Systeme. Anhand von Automatentheorie, Denk- und Entwicklungspsychologie wird argumentiert, dass maschinelle Entscheidungsverfahren nicht an einem Entscheidungs-, sondern an einem Einsichtsproblem scheitern. Im Zentrum steht der Begriff der Orientierung, verstanden als situationsgebundene, operative und modellbildende Tätigkeit, die Sinn, Antizipation und Gegenstandsbezug ermöglicht. In Abgrenzung zu behavioristischen und flach-formalistischen Modellen wird gezeigt, dass diese Tiefe der Orientierung weder durch statistische Verfahren noch durch lernende Netzwerke ersetzt werden kann. Der Text plädiert dafür, rechtliche Regulierung als Anlass für eine erkenntnistheoretische Klärung von Verstehen und Orientierung zu begreifen.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 12.01.2017. Situation und Orientierung in künstlichen Entscheidungsprozessen (Eine Skizze). Im Rahmen von: un-stable.eu. Buchbeitrag [unveröffentlicht].
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Situation and Orientation in Artificial Decision Making (A Draft)2017Situation and Orientation in
Artificial Decision Making(A Draft)Abstract
The text examines automated decision-making processes against the background of the European General Data Protection Regulation and its requirement to provide information about the “logic involved” in algorithmic decisions. Drawing on automaton theory as well as cognitive and developmental psychology, it argues that machine-based decision procedures do not fail primarily due to a lack of decision-making capacity, but due to a lack of insight. Central to the analysis is the concept of orientation, understood as a situation-bound, operative, and model-forming activity that enables meaning, anticipation, and object-related understanding. In contrast to behaviorist and shallow formalist models, the text shows that this depth of orientation cannot be replaced by statistical procedures or learning networks. It concludes by proposing that legal regulation should be taken as an occasion for an epistemological clarification of understanding and orientation, rather than as a substitute for it.
Citation
Schwarz, Michael, 12.01.2017. Situation and Orientation in Artificial Decision Making (A Draft). In: un-stable.eu. Book chapter [unpublished].
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Auftaktvortrag Kunst und Introspektion2016Auftaktvortrag
Kunst und Introspektion
Abstract
Der Vortrag fungiert als Auftakt zum Seminar "Kunst und Introspektion" an der Kunsthochschule für Medien Köln, das auf die Veranstaltung mit Oswald Wiener, Friedrich Wolfram Heubach und Ingrid Wiener vorbereitet. Ausgehend von aktuellen politischen Debatten um algorithmische Entscheidungsfindung und Transparenz untersucht er das Verhältnis von formalen Entscheidungsverfahren und lebendigem, verstehendem Denken. Anhand von Beispielen aus Automatentheorie, Denkpsychologie und Phänomenologie wird gezeigt, dass regelgeleitetes Können nicht mit Einsicht oder Sinnverstehen gleichzusetzen ist. Der Vortrag plädiert für eine Wissenschaft des Verstehens als gemeinsame erkenntnistheoretische Grundlage für künstlerische, philosophische und politische Auseinandersetzungen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 29.10.2016. Auftaktvortrag Kunst und Introspektion. Im Rahmen der Lehrveranstaltung: Kunst und Introspektion, KHM Köln.
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Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen2016Lebendiges Denken
Verstehen und
flache Formalismen
Abstract
Ausgehend von der gegenwärtigen Auslagerung gesellschaftlich relevanter Entscheidungen an formale, algorithmische Systeme thematisiert der Vortrag den erkenntnistheoretischen Status von Verstehen, Einsicht und Sinn. Im Rückgriff auf Automatentheorie, Denkpsychologie und phänomenologische Begriffe der Anschauung wird gezeigt, dass formale Entscheidungsverfahren zwar regelkonform operieren, jedoch keine Einsicht in die Bedeutung ihrer eigenen Operationen besitzen. Anhand des NIM-Spiels wird eine strukturelle Heterogenität zwischen Können und Verstehen herausgearbeitet: Eine Regel anwenden zu können ist nicht identisch damit, ihren Sinn zu begreifen. Der Vortrag argumentiert, dass die oft behauptete „Tiefe“ algorithmischer Systeme eine formale ist, die nicht mit der Tiefe verstehender Orientierung verwechselt werden darf. Daraus folgt die These, dass eine Theorie des lebendigen, einsichtigen Denkens eine notwendige Voraussetzung sowohl für eine angemessene Erkenntnistheorie als auch für verantwortliche politische Entscheidungsfindung darstellt.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 18.10.2016. Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen. Im Rahmen von: un-stable.eu, 07.10.–13.11.2016. KUNSTHALLE AM HAMBURGER PLATZ, Gustav-Adolf-Straße 140, 13086 Berlin.
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Einsichtiges Denken2015Einsichtiges Denken
Abstract
In diesem Vortrag habe ich versucht, ein paar kleinere Einsichten zu formulieren, aber auch das Einsichtige Denken zum Thema zu machen und einen Anstoß zu geben, weiter darüber nachzudenken. Wer sich mit der Denkpsychologie und der Automatentheorie als Metapher bzw. Analogie zum Denken beschäftigt, wird bald auf die Fragen nach den Grenzen der Berechenbarkeit und vielleicht auch nach denen des Denkens stoßen und somit auf das so genannte Entscheidungsproblem, in das Alan Turing neue Einsichten brachte.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 09.10.2015. Einsichtiges Denken. Im Rahmen von: Oswald Wiener: Selbstbeobachtung – Denkpsychologie. Symposium und Fest, 08.–11. Oktober 2015. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Introspektive Aspekte des Operativen und Figurativen in Bezug zur Laufumgebung2015Introspektive Aspekte des
Operativen und Figurativen
in Bezug zur LaufumgebungAbstract
Der Aufsatz soll introspektive Argumente für die Problematisierung der zu leicht eingängigen Unterscheidung zwischen dem operativen und dem figurativen Denken in der psychologischen Erkenntnistheorie sammeln.
Anhand von Beschreibungen der eigenen einschlägigen Selbstbeobachtungen sowie in der Auswertung von Selbstbeobachtungs-Berichten beim Erlernen und dem Umgang mit den PELOT-Figuren (einer Versuchsreihe, die mit Teilnehmenden der Veranstaltung: Oswald Wiener. Innenschau, Zusammenschau 2011, kunsthaus muerz, durchgeführt wurde), soll die Schwierigkeit dieser Dichotomie aufgezeigt, aber auch Lösungsansätze diskutiert werden.
Verlagsinformationen
edition suhrkamp 2669Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Introspektive Aspekte des Operativen und Figurativen in Bezug zur Laufumgebung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 165–189.
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Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung2015Wendepunkte in der historischen
Debatte um die experimentelle
SelbstbeobachtungAbstract
Dieser Aufsatz kann als ein lebendiger Querschnitt aus einem historischen Höhe- und Wendepunkt in der auf experimenteller Selbstbeobachtung beruhenden Denkpsychologie verstanden werden. Intendiert war, für eine Diskussion um die Rolle der Selbstbeobachtung in den kognitiven Wissenschaften wichtige Grundsatzdebatten, die in der Geschichtsschreibung oft bis zur Bedeutungslosigkeit nivelliert worden sind, in ihren wesentlichen Gedankengängen erneut nachvollziehbar zu machen.
Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 389–441.
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Die PELOT-Figuren2015Die PELOT-Figuren
Abstract
In dieser Selbstbeobachtungs-Aufgabe sind in Anlehnung an eine Versuchsreihe von 1926 des serbischen Denkpsychologen B. P. Stevanovic (vergleichbar auch mit den GREEBLE-Figuren von Isabel Gauthier 1997 und später) fünf Strichfiguren und ihre Benennung soweit auswendig zu lernen, dass allein bei ihrer Namensnennung die Figur vorgestellt und schließlich auch mit Bleistift auf Papier (so exakt wie möglich) aufgezeichnet werden kann. Im Zentrum der Aufgabe steht die operative und die figurative Rolle des Denkens im Erkennen.
Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Die PELOT-Figuren. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 451–462.
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SB-Aufgabe: Auge2015SB-Aufgabe: Auge
Abstract
Diese Selbstbeobachtungsaufgabe wurde in Anlehnung an eine mathematische Knotenaufgabe von Meike Akveld (2007) formuliert.
Akveld, Meike, 2007. Knoten in der Mathematik. Ein Spiel mit Schnüren, Bildern und Formeln. Zürich: Orell Füssli Verlag AG.Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Wiener, Oswald und Michael Schwarz, 2015. SB-Aufgabe: Auge. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 463–465.
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Selbstbeobachtungskonzepte2015Selbstbeobachtungskonzepte
Abstract
Der Kompendiumsbeitrag Selbstbeobachtungskonzepte zeichnet die historische Entwicklung und theoretische Bedeutung der Selbstbeobachtung (Introspektion) als zentrales methodi-sches Prinzip der Psychologie nach. Ausgehend von der vorbehavioristischen Phase des 19. Jahrhunderts – mit Vertretern wie Weber, Fechner, Wundt und der Würzburger Schule – wird dargestellt, wie die experimentelle Selbstbeobachtung zur Erforschung des Denkens und zur Ablösung der Assoziationspsychologie beitrug. Die Methode wird in der erkenntnis-theoretischen Tradition von Descartes, Locke, Brentano und Stumpf verortet, für die die unmittelbare Wahrnehmung psychischer Vorgänge als Voraussetzung psychologischer Erkenntnis gilt. Die experimentellen Arbeiten von Watt, Ach, Bühler und Selz markieren den Übergang zu kognitiven Strukturtheorien, in denen Denken als organisierte, aufgaben-bezogene Aktivität verstanden wird. Der Beitrag reflektiert die Rezeption historischer Diskurse, kritisiert die Verkürzung introspektiver Befunde im kognitiven Paradigma (als Informationsverarbeitung) und verweist auf neuere Wiederaufnahmen durch Wiener, Baum, diSessa und andere. Insgesamt plädiert der Text für eine Neubewertung der Selbst-beobachtung als epistemisch anspruchsvolles, mit modernen Kognitions- und Bewusstseins-theorien kompatibles Forschungsinstrument.
Verlagsinformationen
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2154
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Selbstbeobachtungskonzepte. In: Galliker, Mark und Uwe Wolfradt (Hrsg.): Kompendium psychologischer Theorien. Berlin: Suhrkamp, 410–413.
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Introspektive Aspekte des «Operativen» und «Figurativen» in Bezug zur Laufumgebung2011Introspektive Aspekte des
«Operativen» und «Figurativen»
in Bezug zur LaufumgebungAbstract
Der Vortrag behandelt aus selbstbeobachtender Perspektive das Verhältnis von operativen und figurativen Aspekten des Erkennens in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe (Laufumgebung). Ausgangspunkt ist die Kritik an einer einfachen Dichotomie von anschaulichem „Bilddenken“ und abstraktem Operieren, wie sie in Teilen der psychologischen Erkenntnistheorie (u.a. bei Piaget) nahegelegt wird.
Anhand experimenteller Selbstbeobachtungsaufgaben (PELOT-Figuren) sowie entwicklungs- und denkpsychologischer Bezüge (Piaget, Wiener) wird gezeigt, dass auch scheinbar figurative Vorstellungen auf operativen, sensomotorisch eingebetteten, oft a-modalen Strukturen beruhen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Gesten, vorgestellten Handlungssituationen und sogenannten qBildern als Manifestation latenter Orientierungssysteme.
Der Übergang vom Vorstellen zum zielgerichteten Handeln (z.B. Puzzeln) wird als Verschiebung der Orientierung beschrieben, bei der Figuren zu Zeichen werden, ohne ihren strukturellen Ursprung zu verlieren. Der Vortrag endet offen mit der Frage nach dem Verhältnis von lebendigem, vorgestelltem Handeln und formalisierten Operationen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 16.09.2011. Introspektive Aspekte des «Operativen» und «Figurativen» in Bezug zur Laufumgebung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Innenschau – Zusammenschau, 15.–18. September 2011. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Abstraktes und anschauliches Denken2010Abstraktes und anschauliches Denken
Abstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von abstraktem und anschaulichem Denken im Kontext mathematischer Begriffsbildung. Ausgehend von der Kritik an der Annahme, Anschaulichkeit sei an unmittelbare Wahrnehmung gebunden, wird unter Rückgriff auf Piaget, Lurija und Oswald Wiener eine funktionale Bestimmung des Anschaulichen entwickelt. Anhand des Gegensatzes zwischen formalen Ableitungen von Binomialkoeffizienten und anschaulichen Modelloperationen am Pascal’schen Dreieck wird gezeigt, dass Anschaulichkeit auf operanden, quasi-räumlichen Modellen beruht, die als kognitive Gegenstände fungieren. Diese Modelle entlasten formale Operationen, ohne deren Abstraktionsniveau zu ersetzen. Der Vortrag plädiert dafür, anschauliches Denken nicht als Vorstufe formaler Mathematik zu verstehen, sondern als eigenständige Technik der Modellbildung innerhalb mathematischer Erkenntnisprozesse.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 05.11.2010. Abstraktes und anschauliches Denken. Im Rahmen von: „Ontogenese mathematischen Denkens“, Seminar von Frau Prof. Dr. Schwank. Institut für Kognitive Mathematik an der Universität Osnabrück.
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«Lebendiges Denken» und «abstraction réfléchissante» in Bezug zur Selbstbeobachtung2010«Lebendiges Denken» und
«abstraction réfléchissante»
in Bezug zur SelbstbeobachtungAbstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von «lebendigem Denken» und «abstraction réfléchissante» aus selbstbeobachtender Perspektive. Ausgangspunkt ist Oswald Wieners Beschreibung der „Kamm-Geste“ beim Verstehen der Matrix-Vektor-Multiplikation, die im Vortrag introspektiv nachvollzogen und weiter differenziert wird. Gesten, qBilder und metaphorische Handlungsvorstellungen erscheinen dabei als anschauliche Bestandteile operativer Prozesse, nicht als bloße Illustrationen, sondern als funktionale Abstraktionen laufender Schemata. Piagets reflektierende Abstraktion wird als ein durch Orientierungsverlust motivierter Vorgang verstanden, in dem bestehende Operationen auf eine höhere Ebene gehoben und neu integriert werden. Der Vortrag plädiert dafür, anschauliche Bestandteile nicht gegen operatives Denken auszuspielen, sondern sie als dessen frühe, verkörperte und metaphorische Erscheinungsformen zu begreifen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 24.09.2010. «Lebendiges Denken» und «abstraction réfléchissante» in Bezug zur Selbstbeobachtung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Innenschau, 23.–26. September 2010. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Technik der Anschauung2009Technik der Anschauung
Abstract
Der Beitrag hinterfragt den Anschauungsbegriff als vermeintlich vor-theoretische Grundlage von Erkenntnis und problematisiert die verbreitete Annahme, Anschaulichkeit setze die Anwesenheit ihres Gegenstands voraus. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines phänomenalen Gegensatzes zwischen abstrakten Formeln und anschaulichen Beispielen, der weder auf eine einfache Dichotomie von sinnlich versus begrifflich noch auf naive realistische Erkenntnismodelle zurückgeführt werden kann. Im Rückgriff auf den denkpsychologischen Begriffsapparat Oswald Wieners wird Anschauung als funktionale Rolle innerhalb kognitiver Repräsentationen rekonstruiert: Anschauliche Inhalte entsprechen operanden, quasi-objekthaften Modellbestandteilen („Verfahren 1“), an denen auch ohne äußere Gegenwart operiert werden kann. Anhand entwicklungspsychologischer Befunde (Piaget, Lurija) sowie mathematischer Beispiele wird gezeigt, dass Anschaulichkeit eine erlernbare Technik der Modellbildung darstellt, die zwischen konkretem Handeln und formaler Abstraktion vermittelt.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 19.09.2009. Technik der Anschauung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Ein Symposium, 18.–20. September 2009. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Der Wunsch nach Industrialisierung oder die Suche nach dem Glück2007Der Wunsch nach Industrialisierung
oder die Suche nach dem GlückAbstract
Der Text erläutert eine gemeinsame künstlerische Arbeit in Form einer bildlichen und filmischen Collage, die auf dem Medienfestival „Die Elektrifizierung der Gehirne – 90 Jahre Roter Oktober“ in der Motorenhalle Dresden gezeigt wurde, und verbindet Filmtheorie, Psychologie, Neuropsychologie und Automatentheorie. Ausgangspunkt ist Jacques Rancières Bestimmung des Dokumentarfilms als spezifischer Modus der Fiktion, der nicht abbildet, sondern durch Montage Sinn konstruiert. Im Fokus stehen Filme von Dziga Vertov und Aleksandr Medvedkin aus den frühen 1930er Jahren sowie die darin artikulierte Utopie eines planbaren Glücks durch forcierte Industrialisierung. Diese film- und ideologiekritische Perspektive wird mit damaligen und zeitgenössischen psychologischen und erkenntnistheoretischen Ansätzen konfrontiert.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael und Christiane Post, 09.2007. Der Wunsch nach Industrialisierung oder die Suche nach dem Glück. In: Make Film Politically. Newspaper „Chto Delat?”. Special Issue. September 2007, 10.
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The Desire for Industrialization or the Quest for Happiness2007The Desire for Industrialization
or the Quest for HappinessAbstract
The text discusses a collaborative artistic project in the form of a pictorial and cinematic collage that was presented at the media festival “The Electrification of the Brain – 90 Years of Red October” at the Motorenhalle in Dresden, bringing together perspectives from film theory, psychology, neuropsychology, and automata theory. Its point of departure is Jacques Rancière’s conception of documentary film as a specific mode of fiction that does not depict reality but constructs meaning through montage. The focus lies on films by Dziga Vertov and Aleksandr Medvedkin from the early 1930s and on the utopian idea of a plannable happiness articulated through forced industrialization. This film- and ideology-critical perspective is brought into relation with psychological and epistemological approaches from both that period and the present day.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael and Christiane Post, 09.2007. The Desire for Industrialization or the Quest for Happiness. In: Make Film Politically. Newspaper „Chto Delat?”. Special Issue. September 2007, 11.
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Experimentelle Ästhetik2006Experimentelle ÄsthetikSeminarskript
Universität der Künste Berlin WS 2006/07
Humboldt-Universität zu Berlin SoSe 2007Abstract
„Ich erkenne eine Maschine, weil sie etwas tut, das ich auch schon einmal getan habe. (...) Ich habe mich, seit ich diese Passage schrieb, daran gemacht, das Wackeln mit dem linken Ohr alleine zu erlernen“. (Oswald Wiener, Probleme der Künstlichen Intelligenz, 1990)
„Es wird eines Tags, daran zweifle ich nicht, zu wissenschaftlichen Darstellungskonventionen für die Mechanismen der Vorstellung kommen, aber damit wird die künstlerische Avantgarde wieder einmal eine von ihr entdeckte Bonanza der Psychologie übergeben haben.“ Oswald Wiener
Viele Fragestellungen in der psychologischen und physiologischen Forschung sind parallel oder meistens erst nach einer künstlerischen Festschreibung experimentell untersucht worden. So z.B. die Thematisierung der Bewegung durch den Futurismus oder Marcel Duchamps Suche nach ihrer „Nacktheit“ oder „Abstraktheit“ und die damit angedeutete Frage, ob die Bewegung ein eigenständiges Phänomen oder an die Identität eines sich bewegenden Objektes gebunden ist. Kann eine Rekonstruktion der tachistoskopischen Versuche zum Bewegungssehen von Max Wertheimer und sein „Phi-Phänomen“ darüber Auskunft geben? Um diese und andere Fragen praktisch erfahrbar und kritisch nachvollziehbar zu halten, sollen einige der markantesten Wahrnehmungsexperimente, Denk- und Vorstellungsversuche im Seminar durchgeführt werden. Experimente zu Figur und Grund (E. Rubin 1921), zur Farbkonstanz (D. Katz 1930), zum Tiefensehen (B. Julesz 1960) und vor allem auch zur Veränderlichkeit der Wahrnehmungswelt (I. Kohler 1951) durch sensomotorisches Erlernen und Einüben sollen thematisiert werden. Neben den praktischen Versuchen werden Physiologen wie H. von Helmholtz, Psychologen wie Ch. von Ehrenfels und Künstler/innen mit ihren ästhetischen Theorien zu Wort kommen. Ein umfassendes Verständnis der experimentellen Ergebnisse soll mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und der in Inbeziehungsetzung von Gestalt und Struktur erreicht werden. Schließlich sollen Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d.h. zu den Bildungs- (O. Selz) oder Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der „Faltung von Zeichenketten“ (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (K. Gödel, A. Turing) die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktuellster Fragestellung begreiflich machen.
Weiteres
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2006. Experimentelle Ästhetik. Berlin [unveröffentlicht].
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Muster und Pendel. Beschreibung zur Lichtpendel-Projektion mit dem Versuch einer Rekonstruktion ihrer Entstehungsgeschichte2005Muster und PendelBeschreibung zur Lichtpendel-Projektion
mit dem Versuch einer Rekonstruktion
ihrer EntstehungsgeschichteAbstract
Der Aufsatz untersucht das Verhältnis von Muster, Konstruktion und Anschaulichkeit an der Schnittstelle von Kunst, Mathematik und Erkenntnistheorie. Ausgehend von Ornamenten, Symmetriegruppen und Parkettierungsproblemen wird ein historischer Bogen von antiken und islamischen Mustern über Renaissance und Moderne bis zu Hilberts 18. Problem und den aperiodischen Parkettierungen Roger Penroses gespannt. Im Fokus steht eine kritische Analyse der Tendenz, mathematische Strukturen als ontologische Eigenschaften von Objekten zu missverstehen.
Anhand von Hao Wangs Domino-Problem sowie der Arbeiten von Berger und Robinson wird gezeigt, dass aperiodische Parkettierungen algorithmisch konstruierbar sind und ihre Besonderheit nicht in einer nicht-lokalen oder metaphysischen Struktur liegt, sondern in den Bedingungen ihrer Erzeugung. Diese Einsicht motiviert einen Perspektivwechsel von der Betrachtung fertiger Muster hin zu operativen Verfahren.
Dieser Wechsel wird im zweiten Teil am Beispiel des Pendels konkretisiert. Die Entwicklung einer computergenerierten Lichtpendel-Installation verbindet Galileis Konstruktion eines neuen Zeitbegriffs, entwicklungspsychologische Befunde (Piaget) und selbstbeobachtbare motorische Schemata. Das Lichtpendel dient dabei als experimentelles Modell, um zu zeigen, dass visuelle Anschaulichkeit ohne begrifflich-operative Orientierung keine verlässliche Grundlage von Erkenntnis darstellt, sondern erst durch Konstruktion, Differenzierung und formale Einbettung epistemisch wirksam wird.Information
- SITE 8: Juli 2005
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 07.2005. Muster und Pendel. Beschreibung zur Lichtpendel-Projektion mit dem Versuch einer Rekonstruktion ihrer Entstehungsgeschichte. In: SITE 8, Juli 2005.
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Pattern and Pendulum. Account of the Light Pendulum Projection with an attempt to reconstruct the history of its origins2005Pattern and PendulumAccount of the Light Pendulum Projection
with an attempt to reconstruct
the history of its originsAbstract
This essay examines the concept of pattern from an operative and epistemological perspective at the intersection of art, mathematics, and the history of science. Starting from ornamental patterns, symmetry groups, and tiling problems, it traces a historical trajectory from ancient and Islamic ornamentation through Renaissance art and early modern science to David Hilbert’s eighteenth problem and the twentieth-century debate on aperiodic tilings.
A central focus is a critical discussion of Roger Penrose’s interpretation of non-periodic tilings and their alleged non-local or quantum foundations. Drawing on the work of Hao Wang, Robert Berger, and Raphael Robinson, the essay argues that aperiodicity does not imply non-algorithmic or metaphysical structures, but can be understood as the result of specific constructive procedures. The tendency to ascribe ontological properties to mathematical patterns is thus identified as a category mistake that shifts problems of construction into metaphysical speculation.
In the second part, this operative perspective is extended through the example of the pendulum. A computer-generated light pendulum installation serves as an experimental model linking Galileo’s construction of time and motion with developmental psychology (Piaget) and self-observable sensorimotor schemata. The light pendulum demonstrates that visual or graphic clarity alone does not yield understanding; rather, insight emerges through the differentiation of parameters and the construction of formal relations. The essay thereby connects historical, epistemological, and artistic concerns, emphasizing procedures over results and construction over representation.Info
- SITE 8: Juli 2005
Citation
Schwarz, Michael, 07.2005. Pattern and Pendulum. Account of the Light Pendulum Projection with an attempt to reconstruct the history of its origins. In: SITE 8, Juli 2005.
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Muster als ästhetische Kategorie oder Galileis „auflösende Methode“ versus Idealisierung und der Einbildung vom unmittelbar Gegebenen2005Muster als ästhetische Kategorieoder Galileis „auflösende Methode“ versus Idealisierung
und der Einbildung vom unmittelbar GegebenenAbstract
Der Vortrag entfaltet „Muster“ zunächst als ästhetische Kategorie im Spannungsfeld von Ornament, Symmetriegruppen und Parkettierungsproblemen und spannt einen historischen Bogen von antiken und islamischen Ornamenten über Piero della Francesca, Dürer und Kepler bis zu Hilberts 18. Problem. An Roger Penroses Arbeiten zu aperiodischen Parketten wird ein alternativer Ansatz diskutiert, der Muster nicht als periodische Symmetrien versteht, sondern sie aus operativer Perspektive als Resultate von Konstruktionsverfahren begreift. Im Rückgriff auf Galileis „auflösende Methode“ wird am Beispiel des Pendels gezeigt, dass zentrale Einsichten – wie der Isochronismus – nicht aus anschaulicher Gegebenheit hervorgehen, sondern aus der Trennung und Neukonstruktion von Zeit, Bewegung und Länge. Ein computergeneriertes Lichtpendel dient dabei als Demonstration dafür, dass visuelle Anschaulichkeit ohne begriffliche Orientierung verkehrte Abhängigkeitsverhältnisse nahelegen kann, die aus der Darstellung selbst hervorgehen.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 26.05.2005. Muster als ästhetische Kategorie oder Galileis „auflösende Methode“ versus Idealisierung und der Einbildung vom unmittelbar Gegebenen. Im Rahmen des: center, Kurfürstenstr. 174, Berlin, 26. Mai 2005.
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Bild, Wort und Wissenschaft. Das Ringen um ein Verständnis der visuellen Erkenntnis2004Bild, Wort und WissenschaftDas Ringen um ein Verständnis der visuellen Erkenntnis
Abstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von visueller Wahrnehmung, begrifflicher Erkenntnis und wissenschaftlicher Modellbildung an der Schnittstelle von Kunsttheorie, Philosophie und Naturwissenschaft. Ausgangspunkt ist Paul Gauguins Gemälde Vision nach der Predigt oder Jakobs Kampf mit dem Engel (1888), das als künstlerische Reflexion unterschiedlicher Modi des Sehens – Wahrnehmen, Vorstellen und Einsehen – interpretiert wird. Diese Analyse wird mit einer historischen Rekonstruktion des Begriffs „Anschauung“ verbunden, dessen althochdeutsche Neubildung (anscouuungo) auf Notker den Deutschen (St. Gallen, um 1000) zurückgeht und ursprünglich eine nicht-sinnliche Form der Erkenntnis bezeichnet. Im weiteren Verlauf spannt der Vortrag einen Bogen von mittelalterlicher Kontemplation über Galileis und Descartes’ Naturphilosophie bis zur physiologischen Zeichentheorie bei Johannes Müller und Helmholtz. Dabei wird gezeigt, dass sowohl Kunst als auch Wissenschaft sich von einer abbildtheoretischen Auffassung des Erkennens lösen und stattdessen mit Zeichen, Modellen und operativen Verfahren arbeiten. Abschließend wird diese Perspektive gegen empiristische und neurowissenschaftliche Modelle profiliert und mit Jean Piagets Kritik der Assoziationspsychologie in Beziehung gesetzt.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 11.07.2004. Bild, Wort und Wissenschaft. Das Ringen um ein Verständnis der visuellen Erkenntnis. Im Rahmen von: Einblick Ausblick 2004, 14.–17. August 2004. Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung, Lorentzendamm 6–8, 24103 Kiel.
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C-Programmieren für Künstler2002C-Programmieren für Künstler
Abstract
Die Aufgabe, die sich das Buch zum Ziel gesetzt hat, ist: Jenen, die mit einem Computer arbeiten möchten, einerseits ein praktisches Verständnis über den Aufbau von Computern sowie einen tiefgreifenden Umgang damit zu vermitteln. Andererseits soll versucht werden, in einer kompakten Einführung in die Programmiersprache "C", auf schnellst möglichem Wege dem Programmier-Anfänger den Zugriff auf die für Künstler interessanten Schnittstellen zu ermöglichen, wie z.B. auf die Grafikkarte, den Drucker und andere verschiedene Eingabe- und Ausgabegeräte.
Wer ein Projekt auf den heutzutage sehr leistungsfähigen Computern entwickeln möchte, stößt meist nicht an technische Grenzen, sondern in erster Linie an die dem "Anwender" von Computerprogrammen vom Programmierer vorgegebenen Möglichkeiten. Letzter und meiner Meinung nach einziger Ausweg sich solchen Beschränkungen zu entziehen, ist, selbst zu programmieren, d.h. die Weiterbildung vom "Anwender" zum "Entwickler" von Programmen.
Weiteres
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2002. C-Programmieren für Künstler. Berlin [unveröffentlicht].
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Gegenstand und Inhalt in
Oswald Wieners Theorie
der Zeichen-MagieAbstract
Oswald Wiener hat beim letzten Symposion im kunsthaus muerz 2021 zum „Stand der Denktheorie“ zwei Beiträge zum Zeichen- und Gegenstandsbegriff ins Zentrum seiner Untersuchung – auf einer Gratwanderung zwischen „flachen und dicken Formalismen“ – gestellt. Mit seinem Text zur „Zeichen-Magie“ hat er uns ein Dokument hinterlassen, das zeigt, wie sein Strukturbegriff – über die Zeichen-Magie-Turing-Maschine (ZM.TM) – an die tiefen Probleme der Metaphysik des Gegenstands anschließt und sie zugleich verständlich machen kann. In meinem Vortrag möchte ich diese Fäden von Oswalds Strukturbegriff, seinem Selbstbeobachtungs-Beispiel und dem speziellen neuen Typ von Turing-Maschine aufgreifen. In eigenen Spekulationen zur Entstehungsgeschichte dieses Typs und zu seiner philosophischen Tiefe (Brentano, Twardowski, Husserl) sowie ihrem Verhältnis zu unserer Terminologie möchte ich versuchen, die Teile konsistent weiterzuspinnen und zu einem Ganzen zusammenzufügen. Als Ausblick soll ein Ansatz zur Theorie der Zeichen-Magie stehen, mit differenzierten Beziehungen zwischen Inhalt und Gegenstand im Denken und ein nachdenklicher Blick auf die aktuell gegenstandslose KI.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 04.10.2025. Gegenstand und Inhalt in Oswald Wieners Theorie der Zeichen-Magie. Im Rahmen von: Oswald Wiener.90: die vielen Leben in einem, das eine Leben in vielen. Symposion und Literaturfest, 2.–5.10.2025. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Alan Mathison Turing
Spezielle und Universelle
Turing-MaschinenAbstract
Dieser Beitrag erläutert Alan M. Turings Idee der speziellen und Universellen Turing-Maschinen von 1936 als Schlüsselereignis der formalen Berechenbarkeit. Ausgehend von Hilberts Programm einer vollständigen formalen Entscheidbarkeit mathematischer Aussagen wird gezeigt, wie Turing nach Gödels Unvollständigkeitssatz und Churchs Lambda-Kalkül die Grenzen solcher Formalismen nachweist, zugleich jedoch mit der Universellen Turing-Maschine einen allgemeinen Beschreibungsrahmen für effektive Verfahren schafft. Der Text erklärt Aufbau und Funktionsweise von Turing-Maschinen und erschließt ihren erkenntnistheoretischen Gehalt mithilfe von Oswald Wieners systematischer Darstellung der Automatentheorie, die Formalisierung als Strukturierung von Verstehen begreifbar macht. Entstanden als Eintrag zur kooperativen Chrono-Enzyklopädie Überblick der Überblicke von Johannes Ullmaier versteht der Text die Turing-Maschine als paradigmatischen Versuch universeller Darstellung und markiert zugleich das offene Problem, ob der verstehende Apparat selbst jemals vollständig formalisierbar ist.
Information
- Panoramat. Überblick der Überblicke. Eine kooperative Chrono-Enzyklopädie
- Eintrag: 1936 – Alan Mathison Turing, Spezielle und Universelle Turing-Maschinen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 25.05.2025. 1936 – Alan Mathison Turing, Spezielle und Universelle Turing-Maschinen. Im Rahmen von: Überblick der Überblicke. Eine kooperative Chrono-Enzyklopädie, panoramatik.zeitlabor.org
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Impulsvorstellung zur
maschinellen Intelligenz und
zum menschlichen DenkenAbstract
Was ist der Unterschied oder Gegensatz zwischen der sehr erfolgreichen und maschinell trainierten KI mit ihren künstlichen neuronalen Netzen und der menschlich affektiv und gegenständlich fundierten Intelligenz im Denken. Es ist ein Unterschied aus der in der Ontogenese komplexer gewordenen Gesamtstruktur der Kognition, die nun ein „Bewusstsein“ besitzt, das die kognitiven Zeichen als Gegenstand des Denkens hervorbringt und ihren Gehalt in Form von Analogien mit Situationen in der Umwelt in Beziehung setzen kann.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 04.07.2023. Impulsvorstellung zur maschinellen Intelligenz und zum menschlichen Denken. Im Rahmen von: Oswald Wieners Theorie des Denkens. Buchpräsentation, Podiumsdiskussion, Filmvorführungen, Dienstag, 4. Juli 2023. REAKTOR, Geblergasse 40, 1170 Wien, Österreich.
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Oswald Wieners
Theorie des DenkensGespräche und Essays
zu Grundfragen
der KognitionswissenschaftDE GRUYTERWas ist Intelligenz? Gescheitert scheint die intuitive Hypothese, sie sei eine Eigenschaft des einzelnen Organismus, die sich als Verhalten operationalisieren und als adaptive Leistung messen ließe. Denn die Interaktion des Einzelnen mit anderen, Gruppen und der Umwelt spielt der ökologischen Wende in der empirischen Psychologie und den Kognitionswissenschaften zufolge die entscheidende Rolle. Jüngst stellt sich daher die Frage „Was ist Intelligenz?“ gerade im Zusammenhang mit der maschinellen „Intelligenz“ und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen umso dringlicher.
Von Beginn an auf Selbstbeobachtung und Kontext ausgerichtet, zählt Oswald Wiener (1935–2021) zu den Pionieren eines „Enaktivismus“ avant la lettre. Im Gegensatz zu dessen behavioristischer Ausrichtung beharrte er jedoch zeitlebens darauf, dass das Denken als Umgang mit innerlich hergestellten Gegenständen nicht nur ein irreduzibles Merkmal der Intelligenz, sondern auch ein Systemmerkmal unserer biologischen „Wetware“ ist. Diese Hypothesen leitete er – von Anfängen in der Kunst kommend – aus der systematischen Selbstbeobachtung der allgemeinen Intelligenz ab, die er mit formalen Lösungen spezieller Probleme auf Computern kontrastierte.
Die drei Gespräche mit Wiener über die historische Theorieentwicklung und vier Essays in diesem Buch sollen diesen neuen und bislang zu wenig im akademischen Diskurs beachteten Ansatz der Denktheorie ein- und fortführen. Angelpunkt der Überlegungen ist Wieners letzter großer Aufsatz „Kybernetik und Gespenster“. (Klappentext)
Eine Synthese von Selbstbeobachtung und Automatentheorie strebe ich nicht an. Es geht vielmehr um eine Gegenüberstellung: Was an den in der Selbstbeobachtung aufgefaßten Zusammenhängen lässt sich auf einigermaßen befriedigende Weise als eine Realisierung von Zusammenhängen innerhalb eines formalen Systems auffassen. Oder umgekehrt: Wie gut erfasst das Modell Automatentheorie wesentliche Züge des menschlichen Denkens?
— Oswald Wiener (Backcover)Stimmen zum Buch
„Oswald Wiener was a notable figure in the arts, in science, and in philosophy. What a pleasure to see that his remarkable efforts on the cognitive sciences are being recognized in a new book authored by his close disciples. I highly recommend it.“
Antonio Damasio, Professor für Psychologie, Philosophie und Neurologie, University of Southern California
„Oswald Wiener repräsentiert in seiner Person eine einzigartige Verknüpfung von literarischen und kognitionswissenschaftlichen Zugängen zu Fragen der künstlichen Intelligenz, der Kybernetik und des menschlichen Geistes. In Zeiten zunehmend erfolgreicher Simulation von Subjektivität ist sein originelles Denken aktueller denn je.“
Thomas Fuchs, Karl-Jaspers-Professor für Philosophie und Psychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
„The collected essays in this book orbit around the mind of Oswald Wiener, becoming visible in his poignant text Cybernetics and Ghosts. The subtitle, in the no-man's-land between science and art adds an unnecessary caveat to Oswald Wiener's thoughts, because his thinking operates in a well-developed domain, just one that sadly resides in a parallel universe, one in which computer scientists are philosophers of mind, cybernetics did not die, and psychology did not end after Piaget. Wiener's perspective becomes very timely when it comes to the current, dismal discourse about Artificial Intelligence, which is largely taking place between philosophically illiterate engineers and scientifically illiterate humanities scholars. Where the engineers present their discoveries of practically useful algorithms and the scholars their practically useful political opinions, Wiener remains a true intellectual, sifting through the phenomenology of AI systems in an attempt to understand its significance for the unanswered questions of mind, meaning and the construction of reality“
Joscha Bach, Cognitive Scientist / AI Strategist / Research Fellow at Thistledown Foundation, San Francisco Bay Area
„Es ist anregend zu verfolgen, wie die früher ins Solipsistische lappende und auch vom Verfasser dieser Zeilen seit Jahren nie ganz verstandene „Denkpsychologie“ in Dialoge gebracht wird und auf Verständnisfragen tatsächlich handgreiflich erklärende Antworten hervorbringt.“
Diedrich Diederichsen, Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien
Rezensionen
- Rezension von Martin Sexl im Magazin des Literaturhaus Wien 2023
- Rezension von Diedrich Diederichsen in springerin 4/2023
Weiteres
Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870
eBook ISBN: 9783110662870
Broschur ISBN: 9783110659603
Bibliographische Angabe
Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hrsg.), 2023. Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter.
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Pleomorphismus im
Denken und die
Computer-MetapherWeiser, Symbol und dasGrounding
-Problem
Gespräch zwischen Oswald Wiener
und Michael SchwarzAbstract
In längeren Ausflügen pendelt das mit Oswald Wiener geführte Gespräch auf der einen Seite zwischen lebendigen Selbstbeobachtungen und dem Einordnen dieser Erlebnisse in verschiedene wichtige Begriffe seiner Theorie des Denkens und auf der anderen Seite dem Erörtern von theoretischen Grundlagen der Computer-Metapher wie sie als Modell für das Denken und eine künstliche Intelligenz herangezogen wird.
Das in der Selbstbeobachtung konstatierbare frühe Stadium eines Gedankens oder Erkennens einer Allgemeinheit in ihrer potentiellen Vielgestaltigkeit wie es als Weiser beginnt und sich dann in Expansion und Assemblage dynamisch zu einem effektiven Erkennen oder Verstehen konkretisiert, nennt Wiener den „Pleomorphismus im Denken“, den er im Gespräch den „symbols“ der Automatentheorie (Alan Turing) und denen der „Physical Symbol System Hypothesis“ (Allen Newell und Herbert A. Simon) gegenüberstellt.
Dieses Prinzip der Gegenüberstellung der Computer-Metapher (als Versuch der Formalisierung der Denkvorgänge) mit den durch Selbstbeobachtung erfassten Zusammenhängen des Denkens ist nach Wiener unumgänglich, weil erstens ein klares Verständnis der Leistungen menschlicher Intelligenz ohne seinen Strukturbegriff (der auf der universellen Turing-Maschine beruht) nicht möglich wäre und jedes klare Verständnis sich nach der „Church-Turing-These“ als Turing-Maschine darstellen lässt.
Zweitens münden die intelligenten Leistungen des Denkens selbst, auch wenn sie sich aus einem Pleomorphismus entwickeln, in ein effektives Verstehen oder in rekursive Verfahren. Darüber hinaus wird das mit künstlichen neuronalen Netzen nur ungenügend gelöste Problem der „causal powers“ (John Searle), auch „Symbol Grounding Problem“ genannt, durch hybride Kognitionsmodelle (Stevan Harnad) in Bezug zur Selbstbeobachtung gesetzt.
Schwierigkeiten der künstlichen neuronalen Netze sequenzielle, flexible, ebenenübergreifende Prozesse auszubilden (Geoffrey E. Hinton), d.h. rekursive Verfahren zu konstruieren, werden erläutert und auf die in der Selbstbeobachtung feststellbaren „Analogien“ und „Heterarchien“ und auf den „Stapelspeicher“ (John von Neumanns „Stack“) bezogen.
Wieners theoretische Begriffe wie Orientierung, Stimmung, Pleomorphismus, Expansion und Assemblage, Prosthese, Prototyp sowie Bootstrapping werden diskutiert, um den Bau einer alternativen Theorie des Denkens und der Intelligenz anzuregen.
Keywords: Theorie des Denkens, Selbstbeobachtung, Computer-Metapher, künstliche Intelligenz, Symbolsysteme, Symbol Grounding Problem, künstliche neuronale Netze
Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870-004
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2023. Pleomorphismus im Denken und die Computer-Metapher. Weiser, Symbol und das „Grounding“-Problem. Gespräch zwischen Oswald Wiener und Michael Schwarz. In: Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hrsg.): Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter, 111–179.
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Kognitive Zeichen —
Von der Ontogenese zur
AktualgeneseEine Psychogenese in Anlehnung
an James Mark Baldwin und Jean PiagetAbstract
Mit der Feststellung gewisser Parallelen des kindlichen Denkens (Jean Piaget: Synkretismus) zu der aktualgenetisch frühen Form des Erkennens beim Erwachsenen (Oswald Wiener: Pleomorphismus) und den Gemeinsamkeiten von Symbol (Piaget) und Weiser (Wiener), die im Essay zusammenfassend als kognitive Zeichen bezeichnet werden, wird dann die kindliche Ontogenese bis zur ersten Ausbildung und Anwendung dieser kognitiven Zeichen nachgezeichnet.
Als Grundlage der Psychogenese wird die von James Mark Baldwin eingeführte Zirkulärreaktion herangezogen und durch die detaillierteren Beobachtungen Piagets ergänzt, um die strukturellen Bedingungen der kognitiven Zeichen besser zu verstehen, die als Minimalbedingungen der menschlich-gegenständlichen (auch affektiven) Intelligenz angesehen werden können.
Gleichzeitig werden damit die Bedingungen einer Fundierung arbiträrer Zeichen (Sprache, Symbole), auch bekannt als „Symbol Grounding Problem“ (Stevan Harnad), aufgezeigt.
Die Schwierigkeiten kognitionswissenschaftlicher (symbolischer, konnektionistischer oder hybrider) KI-Modelle zeigen sich darin, dass sie zumeist entweder den strukturellen Gehalt kognitiver Zeichen (ihre Orientierung) eskamotieren oder die notwendige Gesamtstruktur des Organismus ignorieren, die kognitive Zeichen überhaupt erst hervorbringt.
Erst die Differenzierung und Distanzierung durch das kognitive Zeichen schafft ein Objekt (Permanenz) und ein Erkennen (auch außerhalb der aktuellen Situation). Kognitive Zeichen können arbiträre Zeichen fundieren, vor allem aber bilden sie die Grundlage von effektiven Zusammenhängen, die sie in einer aktualen Genese des Erkennens dem Denken zugänglich machen.
Keywords: Theorie des Denkens, Selbstbeobachtung, künstliche Intelligenz, Symbol Grounding Problem, künstliche neuronale Netze
Verlagsinformationen
https://doi.org/10.1515/9783110662870-006
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2023. Kognitive Zeichen – Von der Ontogenese zur Aktualgenese. In: Eder, Thomas, Thomas Raab und Michael Schwarz (Hg.): Oswald Wieners Theorie des Denkens. Gespräche und Essays zu Grundfragen der Kognitionswissenschaft. Berlin, Boston: De Gruyter, 209–257.
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Oswald Wiener’s
Theory of ThoughtConversations and Essays
on Fundamental Issues
in Cognitive ScienceDE GRUYTERWhat is intelligence? From today’s perspective, the intuitive hypothesis that intelligence is a feature of individual organisms that can be operationalized and measured by adaptive performance appears to have failed. Since the ecological turn in both empirical psychology and cognitive science, the crucial role has instead been assigned to the inter action of the individual with conspecifics, groups, and the environment. Hence, the question “What is intelligence?” has become even more urgent, especially in the context of machine “intelligence” and its social implications.
Throughout a life focused on introspection and context, Oswald Wiener (1935—2021) was a pioneer of such an “enactivism” before the word even existed. However, in contrast with the behaviorist orientation of this enactivism, Wiener in sisted that thinking, as a process applied to internally generated proxy objects, is an irreducible feature of not only intelligence but also our biological wetware. From his starting point in the arts, he derived such hypotheses from a systematic introspection of general intel ligence, which he contrasted with formal computer-based solu tions to special problems.
In this book, three conversations with Wiener about the development of his theory and four essays introduce and elaborate on this new ap proach to the theory of thought, which has previously received too little attention in academic discourse. A pivotal role is played by Wiener’s last major essay “Cybernetics and Ghosts.”
“I do not aim at a synthesis of introspection and automata theory but rather at contrasting them. Which relationships identified in introspection can — in a fairly satisfactory way — be understood as realizations of relationships within a formal system, e.g., the formal system of automata theory. Or the other way around: How well does automata theory as a model (i.e., the computer as mental metaphor, ‘Physical Symbol Systems,’ today’s Artificial Intelligence ...) capture essential features of human thought? What does ‘in a fairly satisfactory way’ mean in this context? What, and how strongly, does the formal system abstract from natural processes?”
— Oswald Wiener (Backcover)Comments on the book
“Oswald Wiener was a notable figure in the arts, in science, and in philosophy. What a pleasure to see that his remarkable efforts on the cognitive sciences are being recognized in a new book authored by his close disciples. I highly recommend it.”
Antonio Damasio, Professor of Psychology, Philosophy, and Neurology, University of Southern California
“Oswald Wiener uniquely combines literary and cognitive science approaches to questions of artificial intelligence, cybernetics, and the human mind. In times of increasingly successful simulations of subjectivity, his original thinking is more relevant than ever.”
Thomas Fuchs, Karl Jaspers Professor of Philosophy and Psychiatry, Psychiatric University Hospital Heidelberg
“The collected essays in this book orbit around the mind of Oswald Wiener, becoming visible in his poignant text Cybernetics and Ghosts. The subtitle, in the no-man's-land between science and art adds an unnecessary caveat to Oswald Wiener's thoughts, because his thinking operates in a well-developed domain, just one that sadly resides in a parallel universe, one in which computer scientists are philosophers of mind, cybernetics did not die, and psychology did not end after Piaget. Wiener's perspective becomes very timely when it comes to the current, dismal discourse about Artificial Intelligence, which is largely taking place between philosophically illiterate engineers and scientifically illiterate humanities scholars. Where the engineers present their discoveries of practically useful algorithms and the scholars their practically useful political opinions, Wiener remains a true intellectual, sifting through the phenomenology of AI systems in an attempt to understand its significance for the unanswered questions of mind, meaning and the construction of reality.”
Joscha Bach, Cognitive Scientist / AI Strategist / Research Fellow at Thistledown Foundation, San Francisco Bay Area
“Es ist anregend zu verfolgen, wie die früher ins Solipsistische lappende und auch vom Verfasser dieser Zeilen seit Jahren nie ganz verstandene „Denkpsychologie“ in Dialoge gebracht wird und auf Verständnisfragen tatsächlich handgreiflich erklärende Antworten hervorbringt.”
Diedrich Diederichsen, Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien
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Publisher's information
https://doi.org/10.1515/9783110662894
eBook ISBN: 9783110662894
Broschur ISBN: 9783110659610
Citation
Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.), 2023. Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter.
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Pleomorphismus in
Thought and the
Computational MetaphorSeed, Symbol, and theGrounding Problem
A Conversation between Oswald Wiener
and Michael SchwarzAbstract
The early stage of a thought (seed), which can be detected in introspection and which concretizes dynamically to a recognition, Wiener calls in the conversation the "Pleomorphism in Thought". He contrasts this potential polymorphism with the "symbols" of the automata theory (Alan Turing) and those of the "Physical Symbol System Hypothesis" (Allen Newell/Herbert A. Simon). The difficulties of artificial neural networks to construct recursive procedures (Geoffrey E. Hinton) are explained and related to the lack of seeds as multiply determined analogies which can form dynamic heterarchies in reasoning, as e.g. in John von Neumann's "stack". Furthermore, the insufficiently solved problem of "causal powers" (John Searle) or the "Symbol Grounding Problem" (Stevan Harnad) is discussed and related to experiences from introspection.
Wiener’s theoretical concepts such as orientation, attunement, pleomorphism, expansion and assembly, prosthesis, prototype, as well as bootstrapping are discussed in order to stimulate the construction of an alternative theory of thought and intelligence.
Keywords: theory of thought, introspection, computational metaphor, artificial intelligence, symbol systems, the grounding problem, artificial neural networks.
Publisher's information
https://doi.org/10.1515/9783110662870-004
Citation
Schwarz, Michael, 2023. Pleomorphism in Thought and the Computational Metaphor. Seed, Symbol, and the
“Grounding Problem
. A Conversation between Oswald Wiener and Michael Schwarz. In: Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.): Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter, 101–163. -
Cognitive Symbols:
From Ontogeny to
Their Actual GenesisA Psychogenesis Based on
James Mark Baldwin and Jean PiagetAbstract
In early childhood development, with the stage of generating cognitive symbols (Piaget's symbols and Wiener's seeds) and relating them to the environment, a structural prerequisite for human representational intelligence is reached. The ontogeny of these abilities pointed out by Baldwin and Piaget can support some assumptions from introspection and be related to questions of cognitive science. For it is the more complex overall structure of cognition in dealing with cognitive symbols that enables the grounding of arbitrary signs, i.e., the "symbol grounding" of a language and sign use. The essential difference of the cognitive symbol to a static sign or arbitrary symbol lies, besides its sensorimotor foundation, in an actual genesis, which in the thinking of the adult can lead to the isomorphism of the thoughts with the objects/situations related to them.
Keywords: theory of thought, introspection, artificial intelligence, the grounding problem, artificial neural networks.
Publisher's information
https://doi.org/10.1515/9783110662894-006
Citation
Schwarz, Michael, 2023. Cognitive Symbols: From Ontogeny to Their Actual Genesis. A Psychogenesis Based on James Mark Baldwin and Jean Piaget. In: Eder, Thomas, Thomas Raab and Michael Schwarz (eds.): Oswald Wiener’s Theory of Thought. Conversations and Essays on Fundamental Issues in Cognitive Science. Berlin, Boston: De Gruyter, 191–234.
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Kognitive Zeichen und Netzwerke –
Probleme der ImplementationAbstract
In den letzten Jahren hat sich auf der Grundlage von vergleichenden Experimenten zwischen künstlichen und biologischen neuronalen Netzen vor allem in Bezug auf den ventralen Pfad der visuellen Verarbeitung im Primaten-Gehirn bis zur angeblichen Objekterkennung eine neue Methode oder Technik der Forschung etabliert... Ziel dieser neuen Art von Gehirn- und Kognitionswissenschaft ist es, wie die Protagonisten vom MIT, aber auch mit großer Beteiligung anderer Universitäten, selbst schreiben, „Bereiche der menschlichen Intelligenz als ausführbare, neuronal-mechanistische Modelle erklären zu wollen“! Im September 2020 wurde ein Aufruf gestartet, um gemeinsam an dieser Benchmark zu arbeiten, um an Modelle zur erweiterten integrativen menschlichen Intelligenz zu gelangen. In diesem Aufsatz möchte ich diesen neuen Ansatz mit dem entwicklungspsychologischen Ansatz von Jean Piaget konfrontieren und für die Kognitionsforschung übersehene Schwierigkeiten sichtbar machen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 02.07.2021. Kognitive Zeichen und Netzwerke – Probleme der Implementation. Im Rahmen von: Oswald Wiener: Der Stand der Denktheorie. Symposion und Literaturfest, 1.–4.7.2021. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Situation und Orientierung
in künstlichen
Entscheidungsprozessen(Eine Skizze)Abstract
Der Text untersucht automatisierte Entscheidungsprozesse vor dem Hintergrund der europäischen Datenschutz-Grundverordnung und der dort geforderten Auskunft über die „involvierte Logik“ algorithmischer Systeme. Anhand von Automatentheorie, Denk- und Entwicklungspsychologie wird argumentiert, dass maschinelle Entscheidungsverfahren nicht an einem Entscheidungs-, sondern an einem Einsichtsproblem scheitern. Im Zentrum steht der Begriff der Orientierung, verstanden als situationsgebundene, operative und modellbildende Tätigkeit, die Sinn, Antizipation und Gegenstandsbezug ermöglicht. In Abgrenzung zu behavioristischen und flach-formalistischen Modellen wird gezeigt, dass diese Tiefe der Orientierung weder durch statistische Verfahren noch durch lernende Netzwerke ersetzt werden kann. Der Text plädiert dafür, rechtliche Regulierung als Anlass für eine erkenntnistheoretische Klärung von Verstehen und Orientierung zu begreifen.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 12.01.2017. Situation und Orientierung in künstlichen Entscheidungsprozessen (Eine Skizze). Im Rahmen von: un-stable.eu. Buchbeitrag [unveröffentlicht].
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Situation and Orientation in
Artificial Decision Making(A Draft)Abstract
The text examines automated decision-making processes against the background of the European General Data Protection Regulation and its requirement to provide information about the “logic involved” in algorithmic decisions. Drawing on automaton theory as well as cognitive and developmental psychology, it argues that machine-based decision procedures do not fail primarily due to a lack of decision-making capacity, but due to a lack of insight. Central to the analysis is the concept of orientation, understood as a situation-bound, operative, and model-forming activity that enables meaning, anticipation, and object-related understanding. In contrast to behaviorist and shallow formalist models, the text shows that this depth of orientation cannot be replaced by statistical procedures or learning networks. It concludes by proposing that legal regulation should be taken as an occasion for an epistemological clarification of understanding and orientation, rather than as a substitute for it.
Citation
Schwarz, Michael, 12.01.2017. Situation and Orientation in Artificial Decision Making (A Draft). In: un-stable.eu. Book chapter [unpublished].
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Auftaktvortrag
Kunst und Introspektion
Abstract
Der Vortrag fungiert als Auftakt zum Seminar "Kunst und Introspektion" an der Kunsthochschule für Medien Köln, das auf die Veranstaltung mit Oswald Wiener, Friedrich Wolfram Heubach und Ingrid Wiener vorbereitet. Ausgehend von aktuellen politischen Debatten um algorithmische Entscheidungsfindung und Transparenz untersucht er das Verhältnis von formalen Entscheidungsverfahren und lebendigem, verstehendem Denken. Anhand von Beispielen aus Automatentheorie, Denkpsychologie und Phänomenologie wird gezeigt, dass regelgeleitetes Können nicht mit Einsicht oder Sinnverstehen gleichzusetzen ist. Der Vortrag plädiert für eine Wissenschaft des Verstehens als gemeinsame erkenntnistheoretische Grundlage für künstlerische, philosophische und politische Auseinandersetzungen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 29.10.2016. Auftaktvortrag Kunst und Introspektion. Im Rahmen der Lehrveranstaltung: Kunst und Introspektion, KHM Köln.
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Lebendiges Denken
Verstehen und
flache Formalismen
Abstract
Ausgehend von der gegenwärtigen Auslagerung gesellschaftlich relevanter Entscheidungen an formale, algorithmische Systeme thematisiert der Vortrag den erkenntnistheoretischen Status von Verstehen, Einsicht und Sinn. Im Rückgriff auf Automatentheorie, Denkpsychologie und phänomenologische Begriffe der Anschauung wird gezeigt, dass formale Entscheidungsverfahren zwar regelkonform operieren, jedoch keine Einsicht in die Bedeutung ihrer eigenen Operationen besitzen. Anhand des NIM-Spiels wird eine strukturelle Heterogenität zwischen Können und Verstehen herausgearbeitet: Eine Regel anwenden zu können ist nicht identisch damit, ihren Sinn zu begreifen. Der Vortrag argumentiert, dass die oft behauptete „Tiefe“ algorithmischer Systeme eine formale ist, die nicht mit der Tiefe verstehender Orientierung verwechselt werden darf. Daraus folgt die These, dass eine Theorie des lebendigen, einsichtigen Denkens eine notwendige Voraussetzung sowohl für eine angemessene Erkenntnistheorie als auch für verantwortliche politische Entscheidungsfindung darstellt.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 18.10.2016. Lebendiges Denken, Verstehen und flache Formalismen. Im Rahmen von: un-stable.eu, 07.10.–13.11.2016. KUNSTHALLE AM HAMBURGER PLATZ, Gustav-Adolf-Straße 140, 13086 Berlin.
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Einsichtiges Denken
Abstract
In diesem Vortrag habe ich versucht, ein paar kleinere Einsichten zu formulieren, aber auch das Einsichtige Denken zum Thema zu machen und einen Anstoß zu geben, weiter darüber nachzudenken. Wer sich mit der Denkpsychologie und der Automatentheorie als Metapher bzw. Analogie zum Denken beschäftigt, wird bald auf die Fragen nach den Grenzen der Berechenbarkeit und vielleicht auch nach denen des Denkens stoßen und somit auf das so genannte Entscheidungsproblem, in das Alan Turing neue Einsichten brachte.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 09.10.2015. Einsichtiges Denken. Im Rahmen von: Oswald Wiener: Selbstbeobachtung – Denkpsychologie. Symposium und Fest, 08.–11. Oktober 2015. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Introspektive Aspekte des
Operativen und Figurativen
in Bezug zur LaufumgebungAbstract
Der Aufsatz soll introspektive Argumente für die Problematisierung der zu leicht eingängigen Unterscheidung zwischen dem operativen und dem figurativen Denken in der psychologischen Erkenntnistheorie sammeln.
Anhand von Beschreibungen der eigenen einschlägigen Selbstbeobachtungen sowie in der Auswertung von Selbstbeobachtungs-Berichten beim Erlernen und dem Umgang mit den PELOT-Figuren (einer Versuchsreihe, die mit Teilnehmenden der Veranstaltung: Oswald Wiener. Innenschau, Zusammenschau 2011, kunsthaus muerz, durchgeführt wurde), soll die Schwierigkeit dieser Dichotomie aufgezeigt, aber auch Lösungsansätze diskutiert werden.
Verlagsinformationen
edition suhrkamp 2669Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Introspektive Aspekte des Operativen und Figurativen in Bezug zur Laufumgebung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 165–189.
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Wendepunkte in der historischen
Debatte um die experimentelle
SelbstbeobachtungAbstract
Dieser Aufsatz kann als ein lebendiger Querschnitt aus einem historischen Höhe- und Wendepunkt in der auf experimenteller Selbstbeobachtung beruhenden Denkpsychologie verstanden werden. Intendiert war, für eine Diskussion um die Rolle der Selbstbeobachtung in den kognitiven Wissenschaften wichtige Grundsatzdebatten, die in der Geschichtsschreibung oft bis zur Bedeutungslosigkeit nivelliert worden sind, in ihren wesentlichen Gedankengängen erneut nachvollziehbar zu machen.
Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Wendepunkte in der historischen Debatte um die experimentelle Selbstbeobachtung. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 389–441.
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Die PELOT-Figuren
Abstract
In dieser Selbstbeobachtungs-Aufgabe sind in Anlehnung an eine Versuchsreihe von 1926 des serbischen Denkpsychologen B. P. Stevanovic (vergleichbar auch mit den GREEBLE-Figuren von Isabel Gauthier 1997 und später) fünf Strichfiguren und ihre Benennung soweit auswendig zu lernen, dass allein bei ihrer Namensnennung die Figur vorgestellt und schließlich auch mit Bleistift auf Papier (so exakt wie möglich) aufgezeichnet werden kann. Im Zentrum der Aufgabe steht die operative und die figurative Rolle des Denkens im Erkennen.
Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Die PELOT-Figuren. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 451–462.
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SB-Aufgabe: Auge
Abstract
Diese Selbstbeobachtungsaufgabe wurde in Anlehnung an eine mathematische Knotenaufgabe von Meike Akveld (2007) formuliert.
Akveld, Meike, 2007. Knoten in der Mathematik. Ein Spiel mit Schnüren, Bildern und Formeln. Zürich: Orell Füssli Verlag AG.Verlagsinformationen
Bibliographische Angabe
Wiener, Oswald und Michael Schwarz, 2015. SB-Aufgabe: Auge. In: Eder, Thomas und Thomas Raab (Hrsg.): Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie. Berlin: Suhrkamp, 463–465.
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Selbstbeobachtungskonzepte
Abstract
Der Kompendiumsbeitrag Selbstbeobachtungskonzepte zeichnet die historische Entwicklung und theoretische Bedeutung der Selbstbeobachtung (Introspektion) als zentrales methodi-sches Prinzip der Psychologie nach. Ausgehend von der vorbehavioristischen Phase des 19. Jahrhunderts – mit Vertretern wie Weber, Fechner, Wundt und der Würzburger Schule – wird dargestellt, wie die experimentelle Selbstbeobachtung zur Erforschung des Denkens und zur Ablösung der Assoziationspsychologie beitrug. Die Methode wird in der erkenntnis-theoretischen Tradition von Descartes, Locke, Brentano und Stumpf verortet, für die die unmittelbare Wahrnehmung psychischer Vorgänge als Voraussetzung psychologischer Erkenntnis gilt. Die experimentellen Arbeiten von Watt, Ach, Bühler und Selz markieren den Übergang zu kognitiven Strukturtheorien, in denen Denken als organisierte, aufgaben-bezogene Aktivität verstanden wird. Der Beitrag reflektiert die Rezeption historischer Diskurse, kritisiert die Verkürzung introspektiver Befunde im kognitiven Paradigma (als Informationsverarbeitung) und verweist auf neuere Wiederaufnahmen durch Wiener, Baum, diSessa und andere. Insgesamt plädiert der Text für eine Neubewertung der Selbst-beobachtung als epistemisch anspruchsvolles, mit modernen Kognitions- und Bewusstseins-theorien kompatibles Forschungsinstrument.
Verlagsinformationen
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2154
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2015. Selbstbeobachtungskonzepte. In: Galliker, Mark und Uwe Wolfradt (Hrsg.): Kompendium psychologischer Theorien. Berlin: Suhrkamp, 410–413.
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Introspektive Aspekte des
«Operativen» und «Figurativen»
in Bezug zur LaufumgebungAbstract
Der Vortrag behandelt aus selbstbeobachtender Perspektive das Verhältnis von operativen und figurativen Aspekten des Erkennens in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe (Laufumgebung). Ausgangspunkt ist die Kritik an einer einfachen Dichotomie von anschaulichem „Bilddenken“ und abstraktem Operieren, wie sie in Teilen der psychologischen Erkenntnistheorie (u.a. bei Piaget) nahegelegt wird.
Anhand experimenteller Selbstbeobachtungsaufgaben (PELOT-Figuren) sowie entwicklungs- und denkpsychologischer Bezüge (Piaget, Wiener) wird gezeigt, dass auch scheinbar figurative Vorstellungen auf operativen, sensomotorisch eingebetteten, oft a-modalen Strukturen beruhen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Gesten, vorgestellten Handlungssituationen und sogenannten qBildern als Manifestation latenter Orientierungssysteme.
Der Übergang vom Vorstellen zum zielgerichteten Handeln (z.B. Puzzeln) wird als Verschiebung der Orientierung beschrieben, bei der Figuren zu Zeichen werden, ohne ihren strukturellen Ursprung zu verlieren. Der Vortrag endet offen mit der Frage nach dem Verhältnis von lebendigem, vorgestelltem Handeln und formalisierten Operationen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 16.09.2011. Introspektive Aspekte des «Operativen» und «Figurativen» in Bezug zur Laufumgebung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Innenschau – Zusammenschau, 15.–18. September 2011. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Abstraktes und anschauliches Denken
Abstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von abstraktem und anschaulichem Denken im Kontext mathematischer Begriffsbildung. Ausgehend von der Kritik an der Annahme, Anschaulichkeit sei an unmittelbare Wahrnehmung gebunden, wird unter Rückgriff auf Piaget, Lurija und Oswald Wiener eine funktionale Bestimmung des Anschaulichen entwickelt. Anhand des Gegensatzes zwischen formalen Ableitungen von Binomialkoeffizienten und anschaulichen Modelloperationen am Pascal’schen Dreieck wird gezeigt, dass Anschaulichkeit auf operanden, quasi-räumlichen Modellen beruht, die als kognitive Gegenstände fungieren. Diese Modelle entlasten formale Operationen, ohne deren Abstraktionsniveau zu ersetzen. Der Vortrag plädiert dafür, anschauliches Denken nicht als Vorstufe formaler Mathematik zu verstehen, sondern als eigenständige Technik der Modellbildung innerhalb mathematischer Erkenntnisprozesse.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 05.11.2010. Abstraktes und anschauliches Denken. Im Rahmen von: „Ontogenese mathematischen Denkens“, Seminar von Frau Prof. Dr. Schwank. Institut für Kognitive Mathematik an der Universität Osnabrück.
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«Lebendiges Denken» und
«abstraction réfléchissante»
in Bezug zur SelbstbeobachtungAbstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von «lebendigem Denken» und «abstraction réfléchissante» aus selbstbeobachtender Perspektive. Ausgangspunkt ist Oswald Wieners Beschreibung der „Kamm-Geste“ beim Verstehen der Matrix-Vektor-Multiplikation, die im Vortrag introspektiv nachvollzogen und weiter differenziert wird. Gesten, qBilder und metaphorische Handlungsvorstellungen erscheinen dabei als anschauliche Bestandteile operativer Prozesse, nicht als bloße Illustrationen, sondern als funktionale Abstraktionen laufender Schemata. Piagets reflektierende Abstraktion wird als ein durch Orientierungsverlust motivierter Vorgang verstanden, in dem bestehende Operationen auf eine höhere Ebene gehoben und neu integriert werden. Der Vortrag plädiert dafür, anschauliche Bestandteile nicht gegen operatives Denken auszuspielen, sondern sie als dessen frühe, verkörperte und metaphorische Erscheinungsformen zu begreifen.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 24.09.2010. «Lebendiges Denken» und «abstraction réfléchissante» in Bezug zur Selbstbeobachtung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Innenschau, 23.–26. September 2010. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Technik der Anschauung
Abstract
Der Beitrag hinterfragt den Anschauungsbegriff als vermeintlich vor-theoretische Grundlage von Erkenntnis und problematisiert die verbreitete Annahme, Anschaulichkeit setze die Anwesenheit ihres Gegenstands voraus. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines phänomenalen Gegensatzes zwischen abstrakten Formeln und anschaulichen Beispielen, der weder auf eine einfache Dichotomie von sinnlich versus begrifflich noch auf naive realistische Erkenntnismodelle zurückgeführt werden kann. Im Rückgriff auf den denkpsychologischen Begriffsapparat Oswald Wieners wird Anschauung als funktionale Rolle innerhalb kognitiver Repräsentationen rekonstruiert: Anschauliche Inhalte entsprechen operanden, quasi-objekthaften Modellbestandteilen („Verfahren 1“), an denen auch ohne äußere Gegenwart operiert werden kann. Anhand entwicklungspsychologischer Befunde (Piaget, Lurija) sowie mathematischer Beispiele wird gezeigt, dass Anschaulichkeit eine erlernbare Technik der Modellbildung darstellt, die zwischen konkretem Handeln und formaler Abstraktion vermittelt.
Veranstaltungsinformationen
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 19.09.2009. Technik der Anschauung. Im Rahmen von: Oswald Wiener. Ein Symposium, 18.–20. September 2009. kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag, Österreich.
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Der Wunsch nach Industrialisierung
oder die Suche nach dem GlückAbstract
Der Text erläutert eine gemeinsame künstlerische Arbeit in Form einer bildlichen und filmischen Collage, die auf dem Medienfestival „Die Elektrifizierung der Gehirne – 90 Jahre Roter Oktober“ in der Motorenhalle Dresden gezeigt wurde, und verbindet Filmtheorie, Psychologie, Neuropsychologie und Automatentheorie. Ausgangspunkt ist Jacques Rancières Bestimmung des Dokumentarfilms als spezifischer Modus der Fiktion, der nicht abbildet, sondern durch Montage Sinn konstruiert. Im Fokus stehen Filme von Dziga Vertov und Aleksandr Medvedkin aus den frühen 1930er Jahren sowie die darin artikulierte Utopie eines planbaren Glücks durch forcierte Industrialisierung. Diese film- und ideologiekritische Perspektive wird mit damaligen und zeitgenössischen psychologischen und erkenntnistheoretischen Ansätzen konfrontiert.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael und Christiane Post, 09.2007. Der Wunsch nach Industrialisierung oder die Suche nach dem Glück. In: Make Film Politically. Newspaper „Chto Delat?”. Special Issue. September 2007, 10.
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The Desire for Industrialization
or the Quest for HappinessAbstract
The text discusses a collaborative artistic project in the form of a pictorial and cinematic collage that was presented at the media festival “The Electrification of the Brain – 90 Years of Red October” at the Motorenhalle in Dresden, bringing together perspectives from film theory, psychology, neuropsychology, and automata theory. Its point of departure is Jacques Rancière’s conception of documentary film as a specific mode of fiction that does not depict reality but constructs meaning through montage. The focus lies on films by Dziga Vertov and Aleksandr Medvedkin from the early 1930s and on the utopian idea of a plannable happiness articulated through forced industrialization. This film- and ideology-critical perspective is brought into relation with psychological and epistemological approaches from both that period and the present day.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael and Christiane Post, 09.2007. The Desire for Industrialization or the Quest for Happiness. In: Make Film Politically. Newspaper „Chto Delat?”. Special Issue. September 2007, 11.
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Experimentelle ÄsthetikSeminarskript
Universität der Künste Berlin WS 2006/07
Humboldt-Universität zu Berlin SoSe 2007Abstract
„Ich erkenne eine Maschine, weil sie etwas tut, das ich auch schon einmal getan habe. (...) Ich habe mich, seit ich diese Passage schrieb, daran gemacht, das Wackeln mit dem linken Ohr alleine zu erlernen“. (Oswald Wiener, Probleme der Künstlichen Intelligenz, 1990)
„Es wird eines Tags, daran zweifle ich nicht, zu wissenschaftlichen Darstellungskonventionen für die Mechanismen der Vorstellung kommen, aber damit wird die künstlerische Avantgarde wieder einmal eine von ihr entdeckte Bonanza der Psychologie übergeben haben.“ Oswald Wiener
Viele Fragestellungen in der psychologischen und physiologischen Forschung sind parallel oder meistens erst nach einer künstlerischen Festschreibung experimentell untersucht worden. So z.B. die Thematisierung der Bewegung durch den Futurismus oder Marcel Duchamps Suche nach ihrer „Nacktheit“ oder „Abstraktheit“ und die damit angedeutete Frage, ob die Bewegung ein eigenständiges Phänomen oder an die Identität eines sich bewegenden Objektes gebunden ist. Kann eine Rekonstruktion der tachistoskopischen Versuche zum Bewegungssehen von Max Wertheimer und sein „Phi-Phänomen“ darüber Auskunft geben? Um diese und andere Fragen praktisch erfahrbar und kritisch nachvollziehbar zu halten, sollen einige der markantesten Wahrnehmungsexperimente, Denk- und Vorstellungsversuche im Seminar durchgeführt werden. Experimente zu Figur und Grund (E. Rubin 1921), zur Farbkonstanz (D. Katz 1930), zum Tiefensehen (B. Julesz 1960) und vor allem auch zur Veränderlichkeit der Wahrnehmungswelt (I. Kohler 1951) durch sensomotorisches Erlernen und Einüben sollen thematisiert werden. Neben den praktischen Versuchen werden Physiologen wie H. von Helmholtz, Psychologen wie Ch. von Ehrenfels und Künstler/innen mit ihren ästhetischen Theorien zu Wort kommen. Ein umfassendes Verständnis der experimentellen Ergebnisse soll mit einer Einführung in den Strukturbegriff von Oswald Wiener und der in Inbeziehungsetzung von Gestalt und Struktur erreicht werden. Schließlich sollen Überlegungen zu Problemen der Strukturentstehung, d.h. zu den Bildungs- (O. Selz) oder Entwicklungsgesetzen (J. Piaget, H. Werner), der „Faltung von Zeichenketten“ (O. Wiener) und ihren erkenntnistheoretischen Grenzen (K. Gödel, A. Turing) die komplexen Herausforderungen einer naturwissenschaftlichen Ästhetik in aktuellster Fragestellung begreiflich machen.
Weiteres
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2006. Experimentelle Ästhetik. Berlin [unveröffentlicht].
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Muster und PendelBeschreibung zur Lichtpendel-Projektion
mit dem Versuch einer Rekonstruktion
ihrer EntstehungsgeschichteAbstract
Der Aufsatz untersucht das Verhältnis von Muster, Konstruktion und Anschaulichkeit an der Schnittstelle von Kunst, Mathematik und Erkenntnistheorie. Ausgehend von Ornamenten, Symmetriegruppen und Parkettierungsproblemen wird ein historischer Bogen von antiken und islamischen Mustern über Renaissance und Moderne bis zu Hilberts 18. Problem und den aperiodischen Parkettierungen Roger Penroses gespannt. Im Fokus steht eine kritische Analyse der Tendenz, mathematische Strukturen als ontologische Eigenschaften von Objekten zu missverstehen.
Anhand von Hao Wangs Domino-Problem sowie der Arbeiten von Berger und Robinson wird gezeigt, dass aperiodische Parkettierungen algorithmisch konstruierbar sind und ihre Besonderheit nicht in einer nicht-lokalen oder metaphysischen Struktur liegt, sondern in den Bedingungen ihrer Erzeugung. Diese Einsicht motiviert einen Perspektivwechsel von der Betrachtung fertiger Muster hin zu operativen Verfahren.
Dieser Wechsel wird im zweiten Teil am Beispiel des Pendels konkretisiert. Die Entwicklung einer computergenerierten Lichtpendel-Installation verbindet Galileis Konstruktion eines neuen Zeitbegriffs, entwicklungspsychologische Befunde (Piaget) und selbstbeobachtbare motorische Schemata. Das Lichtpendel dient dabei als experimentelles Modell, um zu zeigen, dass visuelle Anschaulichkeit ohne begrifflich-operative Orientierung keine verlässliche Grundlage von Erkenntnis darstellt, sondern erst durch Konstruktion, Differenzierung und formale Einbettung epistemisch wirksam wird.Information
- SITE 8: Juli 2005
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 07.2005. Muster und Pendel. Beschreibung zur Lichtpendel-Projektion mit dem Versuch einer Rekonstruktion ihrer Entstehungsgeschichte. In: SITE 8, Juli 2005.
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Pattern and PendulumAccount of the Light Pendulum Projection
with an attempt to reconstruct
the history of its originsAbstract
This essay examines the concept of pattern from an operative and epistemological perspective at the intersection of art, mathematics, and the history of science. Starting from ornamental patterns, symmetry groups, and tiling problems, it traces a historical trajectory from ancient and Islamic ornamentation through Renaissance art and early modern science to David Hilbert’s eighteenth problem and the twentieth-century debate on aperiodic tilings.
A central focus is a critical discussion of Roger Penrose’s interpretation of non-periodic tilings and their alleged non-local or quantum foundations. Drawing on the work of Hao Wang, Robert Berger, and Raphael Robinson, the essay argues that aperiodicity does not imply non-algorithmic or metaphysical structures, but can be understood as the result of specific constructive procedures. The tendency to ascribe ontological properties to mathematical patterns is thus identified as a category mistake that shifts problems of construction into metaphysical speculation.
In the second part, this operative perspective is extended through the example of the pendulum. A computer-generated light pendulum installation serves as an experimental model linking Galileo’s construction of time and motion with developmental psychology (Piaget) and self-observable sensorimotor schemata. The light pendulum demonstrates that visual or graphic clarity alone does not yield understanding; rather, insight emerges through the differentiation of parameters and the construction of formal relations. The essay thereby connects historical, epistemological, and artistic concerns, emphasizing procedures over results and construction over representation.Info
- SITE 8: Juli 2005
Citation
Schwarz, Michael, 07.2005. Pattern and Pendulum. Account of the Light Pendulum Projection with an attempt to reconstruct the history of its origins. In: SITE 8, Juli 2005.
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Muster als ästhetische Kategorieoder Galileis „auflösende Methode“ versus Idealisierung
und der Einbildung vom unmittelbar GegebenenAbstract
Der Vortrag entfaltet „Muster“ zunächst als ästhetische Kategorie im Spannungsfeld von Ornament, Symmetriegruppen und Parkettierungsproblemen und spannt einen historischen Bogen von antiken und islamischen Ornamenten über Piero della Francesca, Dürer und Kepler bis zu Hilberts 18. Problem. An Roger Penroses Arbeiten zu aperiodischen Parketten wird ein alternativer Ansatz diskutiert, der Muster nicht als periodische Symmetrien versteht, sondern sie aus operativer Perspektive als Resultate von Konstruktionsverfahren begreift. Im Rückgriff auf Galileis „auflösende Methode“ wird am Beispiel des Pendels gezeigt, dass zentrale Einsichten – wie der Isochronismus – nicht aus anschaulicher Gegebenheit hervorgehen, sondern aus der Trennung und Neukonstruktion von Zeit, Bewegung und Länge. Ein computergeneriertes Lichtpendel dient dabei als Demonstration dafür, dass visuelle Anschaulichkeit ohne begriffliche Orientierung verkehrte Abhängigkeitsverhältnisse nahelegen kann, die aus der Darstellung selbst hervorgehen.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 26.05.2005. Muster als ästhetische Kategorie oder Galileis „auflösende Methode“ versus Idealisierung und der Einbildung vom unmittelbar Gegebenen. Im Rahmen des: center, Kurfürstenstr. 174, Berlin, 26. Mai 2005.
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Bild, Wort und WissenschaftDas Ringen um ein Verständnis der visuellen Erkenntnis
Abstract
Der Vortrag untersucht das Verhältnis von visueller Wahrnehmung, begrifflicher Erkenntnis und wissenschaftlicher Modellbildung an der Schnittstelle von Kunsttheorie, Philosophie und Naturwissenschaft. Ausgangspunkt ist Paul Gauguins Gemälde Vision nach der Predigt oder Jakobs Kampf mit dem Engel (1888), das als künstlerische Reflexion unterschiedlicher Modi des Sehens – Wahrnehmen, Vorstellen und Einsehen – interpretiert wird. Diese Analyse wird mit einer historischen Rekonstruktion des Begriffs „Anschauung“ verbunden, dessen althochdeutsche Neubildung (anscouuungo) auf Notker den Deutschen (St. Gallen, um 1000) zurückgeht und ursprünglich eine nicht-sinnliche Form der Erkenntnis bezeichnet. Im weiteren Verlauf spannt der Vortrag einen Bogen von mittelalterlicher Kontemplation über Galileis und Descartes’ Naturphilosophie bis zur physiologischen Zeichentheorie bei Johannes Müller und Helmholtz. Dabei wird gezeigt, dass sowohl Kunst als auch Wissenschaft sich von einer abbildtheoretischen Auffassung des Erkennens lösen und stattdessen mit Zeichen, Modellen und operativen Verfahren arbeiten. Abschließend wird diese Perspektive gegen empiristische und neurowissenschaftliche Modelle profiliert und mit Jean Piagets Kritik der Assoziationspsychologie in Beziehung gesetzt.
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 11.07.2004. Bild, Wort und Wissenschaft. Das Ringen um ein Verständnis der visuellen Erkenntnis. Im Rahmen von: Einblick Ausblick 2004, 14.–17. August 2004. Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung, Lorentzendamm 6–8, 24103 Kiel.
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C-Programmieren für Künstler
Abstract
Die Aufgabe, die sich das Buch zum Ziel gesetzt hat, ist: Jenen, die mit einem Computer arbeiten möchten, einerseits ein praktisches Verständnis über den Aufbau von Computern sowie einen tiefgreifenden Umgang damit zu vermitteln. Andererseits soll versucht werden, in einer kompakten Einführung in die Programmiersprache "C", auf schnellst möglichem Wege dem Programmier-Anfänger den Zugriff auf die für Künstler interessanten Schnittstellen zu ermöglichen, wie z.B. auf die Grafikkarte, den Drucker und andere verschiedene Eingabe- und Ausgabegeräte.
Wer ein Projekt auf den heutzutage sehr leistungsfähigen Computern entwickeln möchte, stößt meist nicht an technische Grenzen, sondern in erster Linie an die dem "Anwender" von Computerprogrammen vom Programmierer vorgegebenen Möglichkeiten. Letzter und meiner Meinung nach einziger Ausweg sich solchen Beschränkungen zu entziehen, ist, selbst zu programmieren, d.h. die Weiterbildung vom "Anwender" zum "Entwickler" von Programmen.
Weiteres
Bibliographische Angabe
Schwarz, Michael, 2002. C-Programmieren für Künstler. Berlin [unveröffentlicht].